Pachtvergabe
Pfarrpfründe - Demonstration in St. Margarethen

Die Aufregung um die Neuvergabe der Pfarrpfründe geht weiter. Landwirtinnen und Landwirte von Oberpullendorf bis Neusiedl am See versammelten sich in St. Margarethen, nahe dem Sportplatz und inmitten von Feldern, um ihren Ärger klar kundzutun. Sie alle waren der Einladung von Josef Freismuth, Sprecher für die Gemeinschaft der burgenländischen Bäuerinnen und Bauern gefolgt. 

ST. MARGARETHEN. Am 5. Mai endete die Angebotsfrist für Interessentinnen und Interessenten für die Pachtvergabe und Ende Juni auch die Einholung von Rückmeldungen aus den Pfarren zu den pastoralen Kriterien. In den umliegenden Gemeinden regte sich indessen Unmut über den Umstand der Neuvergabe der Pfarrpfründe (MeinBezirk berichtete).
Nun kam es zu einer Demonstration in St. Margarethen. Landwirtinnen und Landwirte, aber auch Personen aus der Bevölkerung von Oberpullendorf bis Neusiedl am See, waren der Einladung von Josef Freismuth gefolgt. Der Landwirt aus St. Margarethen ist Sprecher für die Gemeinschaft der burgenländischen Bäuerinnen und Bauern. 

In St. Margarethen demonstrierten Landwirtinnen und Landwirte ihren Unmut über die Neu-Vergabe der Pfarrpfründe.  | Foto: Vanessa Trabi
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Petition gestartet

Freismuth erzählt, man habe eine Petition ins Leben gerufen und sammle Unterschriften. Man fürchte, es könnte in der Verpachtung von Ackerland zum Standard werden, dass der Verbraucherpreisindex (VPI) den Pachtzins jährlich erhöht und dadurch in Ausschreibungen viel zu hohe Pachtpreise verlangt werden. Und dies wolle man verhindern. Wie es auch auf der Homepage zur Petition "Aus Solidarität mit Burgenlands Bauern. Kirchenbeitrag auf 0 setzen" zu lesen ist. Dort wird weiter ausgeführt, dass die Bäuerinnen und Bauern danach streben in nachhaltige  Verfahren zu investieren, um Umwelt und Klima zu schützen. Dies sei jedoch äußerst kostspielig und somit stehe auch weniger finanzielle Kapazität dafür zur Verfügung.

Folglich würden die gepachteten Böden nur noch ausgezehrt werden, was die Degradierung der Böden zur Folge habe und schlussendlich in die Unfruchtbarkeit der Böden münden würde. Überdies könne der VPI nicht in die Pacht fließen, da der erzielbare Deckungsbeitrag pro Hektar für die Landwirtschaftstreibenden konstant weniger würde, solange bis die Pachtzinsen nicht mehr leistbar wären. Die Neuvergabe der Pfarrpfründe der Diözese Eisenstadt sei daher ein Startschuss für ein noch schnelleres Bauernsterben und die Übernahme der Landschaft durch Großkonzerne, wird abschließend zusammengefasst. 

Auf Transparenten war der Unmut über die Diözese und den Bischof zu lesen.  | Foto: Vanessa Trabi
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Sorgen und Befürchtungen

Josef Freismuth ist natürlich selbst Landwirt und hat gemeinsam mit seinem Vater Klaus Freismuth die Demonstration ins Leben gerufen und vertritt die Gemeinschaft der burgenländischen Bäuerinnen und Bauern. Er selbst und seine Familie bewirtschaften eine Fläche von 6,5 Hektar. Man baue Getreide als auch Sonnenblumen an, man produziere Feldfutter und führe nebenbei einen Bio-Laden in welchem ein regionales Bio-Sortiment angeboten werde. Die Getreideernte war in diesem Jahr unter dem Durchschnitt und daher die Lage ohnehin prekär. 

Josef und Klaus Freismuth organisierten die Versammlung in St. Margarethen.  | Foto: Vanessa Trabi
  • Josef und Klaus Freismuth organisierten die Versammlung in St. Margarethen.
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Die Sorgen anderer Landwirtinnen und Landwirte klingen ähnlich, man beklagt den gestiegenen Preis für die Pacht. War dieser früher bei 180 Euro pro Hektar verortet, läge das Höchstgebot nun bei 500 Euro. Eine enorme Steigerung und damit eine Summe, die die meisten nicht aufbringen können oder aufzubringen bereit seien. Es wird verlautet, dass zu niedrig bietende Landwirtinnen und Landwirte de facto zwangsenteignet werden würden, weil man bei solchen Preisen einfach nicht mithalten könne. Ältere unter ihnen zeichnen ein düsteres Bild und sind geneigt, jüngeren Bäuerinnen und Bauern zu raten, abzuschließen und sich in beruflicher Hinsicht etwas anderes zu suchen.

Oft ist von dem Widerspruch der Kirche betreffend Nächstenliebe zu hören, "geben ist seliger denn nehmen", ein Spruch, den hier viele zitieren und hinweisen, dass die Diözese Eisenstadt eben genau das Gegenteil machen würde. 
"Es ist wie in einem Schachspiel, die Bauern werden geopfert", resümiert einer der vertretenen Bauern, fügt aber auch an, dass Bischof Ägidius Zsifkovics nicht gänzlich Schuld tragen würde, sondern eventuell auch die hohen Angebote anderer Landwirtinnen und Landwirte die Preise in die Höhe getrieben hätten.  

Zur Demonstration kamen Landwirtinnen und Landwirte von Oberpullendorf bis Neusiedl am See.  | Foto: Vanessa Trabi
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Gespräche gewünscht

Den Ausführungen von Josef Freismuth nach, habe es zwei Gespräche bei der Diözese Eisenstadt gegeben, welche allerdings zu keinen  zufriedenstellenden  Lösungen geführt hätten. Was man sich von dieser Versammlung und Kundmachung wünsche, sind weitere Gespräche, begleitet von Transparenz. Sollte es dazu nicht kommen, wolle man weiter protestieren, wenn nötig auch vor dem Bischofshof. Bis Anfang August wolle man dem Bischof die bis dahin gesammelten Unterschriften der Petition vorlegen.

Diözese Eisenstadt verteidigt sich

Auf Anfrage bei der Diözese Eisenstadt, erklärte Anneliese Rothleitner-Reinisch, dass alle Pachtangebote von Landwirtinnen und Landwirte im Bieterprozess abgegeben wurden, keines wurde von der Diözese bestimmt. Es wären also weder nach Unten noch nach Oben preisliche  Vorgaben gemacht worden, jeder Landwirt und jede Landwirtin hätte bieten können, was er oder sie für richtig hielt. Davon wäre auch reger Gebrauch gemacht worden. Nun die Schuld für höhere Preise zu bekommen, sei nur die Sichtweise von einigen verärgerten Bauern, welche die Preise, die ihre eigenen Kolleginnen und Kollegen vorgegeben hätten, nicht akzeptieren wollen würden. Wenn der Bestbieterpreis für eine Fläche bei den Angeboten niedriger gewesen wäre als beim Altvertrag, wäre auch dieser akzeptiert worden, so Rothleitner-Reinisch. Viele Landwirtinnen und Landwirte hätten sich bedankt, da sie nach Jahrzehnten endlich auch die Möglichkeit bekommen hätten, Angebote abgeben zu dürfen und später für die faire Möglichkeit nachzubessern zu dürfen. "Wir können versichern, dass wir mit bestem Wissen und Gewissen die Vergabe objektiv abgewickelt haben", bekräftigt Rothleitner-Reinisch.

"Wir haben uns an alle Vereinbarungen, die mit Bauernvertretern seit Jahren und letztendlich während des Prozesses vereinbart wurden, gehalten und bitten um Verständnis, dass wir die Vergabegespräche damit abgeschlossen haben und in der kommenden Woche die diesbezüglichen Pachtverträge aussenden werden", betont Rothleitner-Reinisch. Man habe unzählige Gespräche geführt und werde bereits zugesagte Pachtflächen nicht nochmals öffnen, dahin gehend sehe man zum aktuellen Zeitpunkt weitere Gespräche als nicht  zielführend an, heißt es seitens der Diözese. 

Es wäre in der Tat keinesfalls das Ziel der Diözese Eisenstadt, Landwirtinnen und Landwirte in irgendeiner Weise in wirtschaftliche Schwierigkeiten zu bringen, sondern ausschließlich Objektivität zu wahren und anhand der vorliegenden Angebote unter Berücksichtigung der Rückmeldung der Pfarren die Vergabe durchzuführen. Rothleitner-Reinisch weist darauf hin, es möge sein, dass in der wirtschaftlichen Struktur einzelner Betriebe Unterschiede gegeben wären, daher hätte man auch empfohlen, die Pachtangebote nach dem jeweiligen betriebswirtschaftlich vernünftigen Preis abzugeben. "Umgekehrt können wir aber auch nicht annehmen, dass ein Landwirtschaftsbetrieb sein Fundament ausschließlich auf der Pachtung von Pfründen-Liegenschaften aufgebaut hat", schließt Rothleitner-Reinisch. 

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