Erzählcafé in Enns
Die HJ-Uniform unterm Ministrantenkittel

Stefan Dorninger als Moderator, Hermine Huemer und Prof. Fritz Mayr als ZeitzeutInnen
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  • Stefan Dorninger als Moderator, Hermine Huemer und Prof. Fritz Mayr als ZeitzeutInnen
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Die Uniform der Hitlerjugend trug er unter dem Ministrantengewand, um sowohl ministrieren als auch eine Stunde später beim Appell der Hitlerjugend dabei sein zu können, ohne Schwierigkeiten zu bekommen. Das erzählte Prof. Fritz Mayr von seinen Jugenderinnerungen beim Erzählkaffee des Mauthausenkomitee Enns am Mittwoch, 22.5. im bis zum letzten Platz gefüllten Pfarrsaal in Enns St. Laurenz.
Fritz Mayr, Jahrgang 1929 war der Jüngere der beiden zum Erzählen eingeladenen Zeitzeugen. Hermine Huemer, Jg. 1928, schloss nahtlos an und sagte, dass es nicht leicht war, nicht bei der HJ oder beim Bund deutscher Mädchen dabei zu sein. Da wäre man ganz schön in Bedrängnis gekommen. Sie gab einen Überblick über ihr Leben und ihre Ausbildung in der Lehrerbildungsanstalt in Budweis – eigentlich wollte sie nicht weg von Enns und hätte bei der Hinfahrt gehofft, dass sowohl der Zug, als auch dann die Straßenbahn in Budweis entgleise und sie nicht dorthin müsse.
Nach ihrer schwierigen Rückkehr aus Budweis erzählte sie vom alltäglichen Leben zu Kriegsende als die Amerikaner in Enns waren. Ein einziges Zimmer durfte ihre Familie in ihrem Haus benutzen, in dem die Amerikaner untergebracht waren, erzählt sie. Die Ordnungsliebe ihrer Mutter, die die Gewehre der Soldaten ordentlich wegräumen wollte oder ein „Ami“, der sich am Käse in der Speise vergriff, und dabei von ihrer Mutter verjagt wurde, sind ihr in Erinnerung geblieben.
Zur Sprache kam auch ein Putschversuch vom April 1945 in der Kaserne von Nicht-Nazis gegen die Nazis-Offiziere, der, als Verstärkung aus Mauthausen von einer Sekretärin in der Kaserne angefordert wurde, tragisch mit der Erschießung der Widerständigen endete. Nur einer konnte mit einem Fahrrad entkommen.
Hermine Huemer erzählte auch von einem Amerikaner, der immer wieder versuchte, sich an sie ranzumachen, bis hin, sie mit dem Duft von Parfum zu bezirzen. Für Düfte und gute Gerüche war sie immer schon sehr empfänglich. Gott sei Dank tauchte da immer auch ein zweiter Amerikaner auf, der ihr quasi mit seiner Anwesenheit eine nähere Anmache verhinderte.
Zu Kriegsende gab es Erschießungen am Eichberg, von denen Fritz Mayr zu berichten wusste. Die Ennser Steinmayrstraße ist benannt nach dem jungen Soldaten Franz Steinmayr aus Wolfern, der sich vom Mühlviertel nach Hause durchschlagen wollte und in Enns im letzten Moment noch aufgegriffen und ebenso am Eichberg erschossen wurde.
Ergänzungen von ZeitzeugInnen und Fragen aus dem Publikum rundeten das gelungen Erzählkaffee ab. Im Herbst geht es in die nächste Runde, wenn wieder EnnserInnen eingeladen werden, von ihren Erlebnissen in der Zeit von 1938 bis 1945 zu erzählen.

Autor:

Gabriele Käferböck aus Enns

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