Der Würstelstand gehört zu Wien wie der Stephansdom

Auch am traditionellen Würstelstandel gibt es mehr als nur Käsekrainer und Co. Mit Pommes und Burger versuchen die Meisten konkurrenzfähig zu bleiben.
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  • Auch am traditionellen Würstelstandel gibt es mehr als nur Käsekrainer und Co. Mit Pommes und Burger versuchen die Meisten konkurrenzfähig zu bleiben.
  • hochgeladen von Anja Gaugl

WIEN. Die Zahl der Würstelstände schwindet. Grund dafür sollen die strengen Auflagen sein, die potentielle Kleinunternehmer bei der Eröffnung eines Würstelstandes behindern, aber auch das Leben der Bestehenden erschwert. 2010 sollen es noch 790 Würstelstände in Wien gewesen sein, heute zählt man nur noch 274 Stück.

An schwindender Beliebheit kann es jedoch nicht liegen, denn am Würstelstand auf dem Sürtiroler Platz ist Hochbetrieb. Leute stehen Schlange um sich, trotz sommerlicher Hitze, eine Wurst ihrer Wahl zu genehmigen. Bruno K. ist der hiesige Grillmeister. Er ist überzeugt: Der Würstelstand werde keineswegs sterben. Bei ihm wird am öftesten die Käsekrainer nach Art des Hauses mit Ketchup, Zwiebel, Curry und Pfeffer bestellt. Doch er kennt die strengen Auflagen bei einer Neueröffnung und dem Erhalt einer Würstelbude: "Das schreckt manche dann schon ab." Die Auflagen haben für die Kunden freilich wenig Bedeutung. Denen geht es rein um den Geschmack. Der Stand am Hauptbahnhof verdankt seine Kundschaft aber sicherlich auch der Lage. Mit Blick in die Runde erkennt man sofort zahlreiche ÖBB-Mitarbeiter. Der Lokführer Rudolf verbringt hier regelmäßig seine Mittagspause. Sein Lieblingsgericht am Standl: Die Burenwurst. Der 49-Jährige fände es schade, wenn er das in Zukunft nicht mehr könnte.


Seit 12 Jahren am Haupbahnhof: Bruno K.

Würstelstand ist ein Kulturgut

Die bz hat sich auf der Straße umgehört. Eines scheint unter den Wienern klar zu sein: Der Würstelstand sei ein Kulturgut und reihe sich ein in die lange Liste der Sehenswürdigkeiten wie Secession oder Riesenrad. Dem stimmen sogar die Touristen zu: "Das gehört zu Wien wie der Stephl", so die geschlossene Meinung einer steirischen Reisegruppe. Kaum am Haupbahnhof angelangt, verschlägt es die Steirer sofort zu Käsekrainer, Waldviertler und Co.

Konkurrenz kommt allerdings von vielen Seiten. Kebabstand, Pizzaschnitten oder auch Asia-Nudeln ringen mit den Traditionsständen um die Kundschaft. Benedikt A. würde gerne öfter hingehen, doch in seinem Bezirk findet man die originalen Würstelstände nur noch selten. Der 23-jährige Student findet es Schade, dass dieses Stück Wiener Kultur immer mehr durch anderes Fastfood abgelöst wird.

Ältester Stand besteht seit 1928

Das Älteste Traditionsstand in Wien ist übrigens der LEO am Döblinger Gürtel. Seit 1928 grillt man hier schon Würstel. Der Imbiss am Hauptbahnhof genießt ebenso großes Ansehen bei den Wienern – nach 35 Jahren am Platz ist er bereits zu einer Institution geworden.

So lange kommt auch schon der 51-jährige Lebenskünstler Klaus hierher. Denn nirgendwo sonst sei die Curry-Käsekrainer so richtig scharf. Selbst seit er nicht mehr in Wien wohne, komme er immer zurück, wenn er in der Stadt sei. Ans Würstelstandsterben glaubt er allerdings nicht: "Das hört man jetzt schon seit 30 Jahren und wir stehen doch vor einem."

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