Rettung als Hobby und Lebenswerk

Ernst Zaiser: seit 45 Jahren Einsatzstellenleiter der Österreichischen Wasserrettung Feldkirchen
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FELDKIRCHEN (chl). "Als Kinder sind wir ganz selten an einen See gekommen, unser Hauptbadeplatz war die Glan in der Nähe meines Elternhauses", erzählt Ernst Zaiser, pensionierter Eisenbahner und Einsatzstellenleiter der Österreichischen Wasserrettung (ÖWR), Einsatzstelle Feldkirchen, seit 45 Jahren. Im Vorjahr erhielt er für seine Ausdauer sowie für seine jahrzehntelangen Verdienste im Ausbildungswesen die höchste Ehrung des ÖWR in Form des Ehrenzeichens in Gold mit Diamant.

Eigeninitiativen

Die ÖWR-Einsatzstelle Feldkirchen hat Zaiser gemeinsam mit Arnulf Spieß im Jahre 1971 gegründet, nachdem er im Jahr davor bei Spieß einen Rettungsschwimmerkurs absolvierte. 1973 übernahm er von Spieß die Einsatzstellenleitung Feldkirchen, zuständig für Maltschacher und Flatschacher See, die er heute noch innehat. Zuletzt half er maßgeblich mit, die Einsatzstelle Steindorf wieder zu beleben: "Seit dem Vorjahr läuft’s auch dort wieder rund."
Im "zivilen Leben" hat Zaiser das Mechanikerhandwerk gelernt und war danach, bis zu seiner Pensionierung, bei den ÖBB als Fahrleitungs-Aufseher beschäftigt. "Als Eisenbahner hatte ich zwei Tage Dienst, zwei Tage frei", erklärt er, wie sich sein Engagement als Retter zeitlich überhaupt ausging. Denn schließlich war er 30 Jahre lang, bis zum seinem 65. Geburtstag auch noch beim Roten Kreuz im Einsatz: "Die Erfahrungen als Rettungsdienstler hat mir unheimlich viel auch bei der Wasserrettung gebracht. Du gehst ja an Verletzungen ganz anders heran."

Nächstes Ziel: Defis

Heuer am Heiligabend feiert Zaiser übrigens seinen Siebziger. Was ihn an das Christbaumtauchen im Goggausee erinnert. Denn: Der Goggausee sowie der Urbansee gehörten einmal ebenfalls zur Einsatzstelle Feldkirchen. "Einen Tag vor meinem Geburtstag treffen wir alten Wasserretter vom Goggausee immer noch und kapieren bis heute nicht, warum das Christbaumtauchen verboten wurde. Angeblich, weil die Fische im Winter angeblich Ruhe brauchen …" 
Mit Bürokratie und bestimmten Verordnungen hatte Zaiser vor allem zu Beginn seines ÖWR-Engagements viel zu kämpfen. Heute weiß er, wie er an sein Ziel kommt: "Am besten fährst du, wenn du dich auf keine Partei einlässt, sondern gleich alles mit dem Hauptverantwortlichen einer Gemeinde verhandelst."
Zaisers Ziel fürs heurige Jahr: ein Defibrilator für jeden der beiden Seen. "Das würde vieles erleichtern", verweist er auf viele Verletzungen der Badenden, die nichts mit dem Klischee zu tun haben, jemandem vor dem Ertrinken zu retten: Knochenbrüche, Verstauchungen, Prellungen, Schnitte etc.

Das ganze Jahr im Einsatz

Einsatzbereit sind die ÖWR-Aktivisten das ganze Jahr über: im Winter etwa bei Eis-Einbrüchen sowie bei verschiedenen Fortbildungen, im Sommer dann verstärkt, unter anderem bei täglichem Einsatz von 10 bis 17 Uhr am See. Was Zaiser besonders viel Freude bereitete: die Ausrichtung der sommerlichen Jugendlager mit mehr als 100 Kindern und Jugendlichen. Das heurige Jugendlager ist das erste, das er, aus gesundheitlichen Gründen, nicht mehr selbst organisiert.

Zaiser, der Lebensretter

"Einmal habe ich einen sechsjährigen Buben herausgefischt, der sich schon im Schlamm verfangen hatte. Bei der Reanimation, als zuerst ein Schwall Wasser aus dem Mund kam und dann ein quietschender Ton, hatte ich ein extrem erleichtertes Gefühl. Man denkt sich dann nur: Gott sei Dank, es ist gelungen."
Gelungen ist auch Kaisers Therapie nach seinem Schlaganfall. "Ich hatte danach Konzentrations- und Koordinationsschwierigkeiten und schwere Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis. Ich lernte die Menschen damals alle fünf Minuten neu kennen", scherzt er. "Aber die Herrschaften in Hermagor haben bei der Reha ganze Arbeit geleistet."

Musik und Familie

Ernst Zaisers Schlaganfall war der Grund, warum er seine zweite Leidenschaft aufgab: die Musik. Zaiser spielte in jungen Jahren den F-Bariton in volksmusikalischen Ensembles und später als Schlagzeuger in der Country-Band M.C.M., unter anderem mit dem Singersongwriter Markus Wutte und der Feldkirchner Musikerlegende Günter Steirer. "Als der Markus mit 15 Jahren bei uns angefangen hatte, mussten wir bei seinen Eltern noch die Bestätigung einholen, dass er länger auf bleiben darf." Das Schlagzeug steht dennoch jederzeit spielbereit im Keller: "Schlagzeugspielen ist ein gutes Training für meine Konzentrations- und Koordinationschwierigkeiten, die ich nach dem Schlaganfall hatte."
Dass bei einem derart ausgefüllten Leben noch Platz für Familie war, verwundert nur auf den ersten Blick: Ehefrau Sigrid war von Anfang an mit dabei bei der Wasserrettung, Sohn Markus (45) und Tochter Melanie (25) ebenso.

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