„Solche Politik ist abstoßend“

AK-Präsident Günther Goach ist „unfähig“ für den Landtag: „Ich mag keine Klubzwänge.“
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  • hochgeladen von Vanessa Pichler

Der Kärntner AK-Präsident Günther Goach hält es für „unwahrscheinlich“, dass er als SPÖ-Spitzenkandidat in den Landtagswahlkampf zieht. Bewegen will er dennoch vieles.

WOCHE: Wie schätzen Sie Kärntens wirtschaftliche Lage ein?
GOACH: Das Vertrauen von Unternehmen in Kärnten ist geschwunden. Wir haben nicht den besten Namen. Heute wandern acht Kärntner jeden Tag statistisch gesehen ab, in einigen Jahren werden es 15 sein. Es wird schlimmer.

Warum?
Die Struktur bei uns ist schwächer, die Krise erwischt uns härter als Rest-Österreich.

Wie zeigt sich das?
Das Arbeitsplatzangebot ist nicht so, wie es sein sollte. Wir haben die höchste Maturaquote – wenn es aber um Beschäftigung geht, müssen die Leute „verschwinden“. Es muss Anstrengungen der Politik geben, dass sie zurückkommen. Das ist viel wichtiger, als über die „Redoute“ zu diskutieren.

Vor Jahren war es an der Norm, dass die Landespolitik mit den Sozialpartnern gemeinsam für den Standort geworben hat.
Ja, daraus sind etliche Firmenansiedelungen entstanden. Wir haben das dem Land angeboten, aber es ist kein Interesse da.

Warum nicht?
Das ist absolut fahrlässig. Es muss in Kärnten einen nationalen Schulterschluss geben, damit man diese Leute nicht erst in der Pension wiederbekommt, sondern im erwerbsfähigen Alter. Als Unternehmer oder als Facharbeiter. Die Sozialpartner hatten bei den Landeshauptleuten Zernatto und Haider eine entsprechende Stellung. Heute glaubt man, wenn man Sozialpartner bekämpft, hat man gute Politik gemacht.

LH Dörfler bekämpft Sie?
Das sind politische Scharmützel. Uns ist wurscht, wer dort sitzt – es schadet dem Land, dass kein Schulterschluss stattfindet. Der ist notwendig, damit sich das Land weiterentwickeln kann.

Es fehlt an Zusammenarbeit?
Ich habe den Eindruck, dass die FPK Menschen auseinanderdividiert. Wir sind ja keine Mimosen – aber Politik und Interessensvertreter haben eine
gemeinsame Aufgabe.

Ist das ein konkreter Wunsch an LH Dörfler?
Ein Schulterschluss aller relevanten Parteien und Interessensvertreter um das Land vernünftig entwickeln zu können – dafür ist es höchst an der Zeit. In der Steiermark hat man trotz massivster Sparkpakete alle an Bord. Aber auch Wien ist ein Vorbild. Da sind alle mit im Boot.

Alle reden vom Sparen. Was ist Ihr Beitrag dazu?
Ich bin gegen das Dummsparen, wenn man mit dem Rasenmäher drüberfährt. Schlimm ist es, dass die Politik im Klinikum mitmischt. Ich glaube auch, dass die Vorständin völlig überfordert ist.

Apropos Kabeg: Auf viel Unverständnis ist Ihr Kollege Auer gestoßen, der im Arbeitskampf selbst vor hungernden Patienten nicht zurückschreckt.
Das würde für mich zu weit gehen, aber ich glaube, dass es nicht so gemeint war. Ein Arbeitskampf ist in allen Bereichen legitim.

Soll das Regierungssystem in Kärnten geändert werden?
Wir brauchen eine Koalitionsregierung, weg von der Konzentrationsregierung. Von einer LH-Direktwahl halte ich nichts. Wir müssen beim Personenkult aufpassen. Das kann auch in eine falsche Richtung gehen. – Dass man nur mehr sich selbst und nicht mehr die Menschen sieht.

Sehen Sie das bei LH Dörfler?
Außenstehende sagen, dass da und dort zu viel Personenkult betrieben wird.

Die FPK will die SPÖ aus der Landesholding haben.
Ich bin selbst im Aufsichtsrat gesessen und bin freiwillig ausgeschieden, weil ich das nicht mehr ausgehalten habe. Da drin habe ich nichts verloren.

Was genau störte Sie?
In der Landesholding wird mit versteckten Informationen gearbeitet. Der Hypo-Verkauf ist mit einer Tischvorlage in drei Minuten abgewickelt worden. Den Beirat mit honorigen Leuten wie Prof. Bodenhöfer gibt es auch nicht mehr – ich habe es als Farce empfunden, wofür die Mittel des Zukunftsfonds verwendet wurden. Hier wird eine abstoßende Politik gemacht!

Was ist Ihr wichtigstes Ziel für Kärnten?
Dass die Leute Arbeit haben – Arbeitslosigkeit ist der Zündstoff für Radikalismus.

Steigt die Gefahr?
Ab dem Zeitpunkt, wenn die untere Schicht weiter benachteiligt wird. Wenn die Leute spüren, dass sie nichts mehr zu verlieren haben.

Ist so etwas in Kärnten vorstellbar?
Ich würde es nicht ausschließen. Ich traue mich die Hand nicht ins Feuer zu legen, dass es nicht so weit kommt.

In zwei Jahren wird ein neuer Landtag gewählt – können Sie ausschließen SPÖ-Spitzenkandidat zu werden?
Es ist unwahrscheinlich, dass der Günther Goach das ist. Ich war einmal vier Jahre im Villacher Gemeinderat – ich bin dafür unfähig, weil ich keine Klubzwänge mag.

Autor: Uwe Sommersguter

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