Bert Brandstetter
Neumarkter ist ein Meister der guten Nachrede

Bert Brandstetter
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  • Foto: Dagmar Glietsch
  • hochgeladen von Roland Wolf

NEUMARKT. "Ich versuche eine journalistische Herangehensweise", sagt Bert Brandstetter. Da kann es schon einmal vorkommen, dass in seinen Nachrufen lustigen Anekdoten über einen Verstorbenen mehr Platz eingeräumt wird als der Verleihung eines Verdienstordens. Brandstetters Nachrufe sind aufgebaut wie eine spannende Zeitungsgeschichte und nicht wie eine fade, tabellarische Auflistung möglicher Meriten. Bei seinen Auftraggebern und vor allem bei seinen Lesern kommt diese Methodik bestens an. Seine Berichte erreichen im Internet tausende Klicks.

Vor einem Jahr ist die Website gutenachrede.com online gegangen. Der ehemalige Journalist (Kirchenzeitung, Kronenzeitung, ORF Oberösterreich) hat inzwischen mehr als 100 Nachrufe gestaltet und veröffentlicht. Unter den Porträtierten befinden sich bekannte Persönlichkeiten genauso wie ganz einfache Menschen. Vom Primar bis zur Putzfrau. Einer, der ihm nach eigener Ansicht am besten gelungen ist, zeichnet das Leben der "Hager Annerl" aus seiner Heimatgemeinde Neumarkt im Mühlkreis nach. "Sie war beim ehemaligen Baumeister Spendlingwimmer so eine Art Mädchen für alles. Sie hat auf die Kinder aufgepasst, geputzt, gekocht und war immer da, wenn sie gebraucht wurde." Bescheiden und beliebt war sie, die "Hager Annerl".

Einen überaus interessanten Lebensweg hatte der ehemalige Gemeindearzt von Hofkirchen. "Er war Ägypter und das 14. Kind einer Großfamilie. Sein Vater wollte unbedingt, dass er in Europa Medizin studiert. Also ging er dorthin. Als der Vater jedoch starb, war's mit der finanziellen Unterstützung plötzlich vorbei. Er musste in Brauereien, auf Baustellen und als Nachtwächter arbeiten, um zu Geld zu kommen. Letztendlich hat er aber den Traum seines Vaters erfüllt."

Brüche in Lebenslinien machen Personen für Brandstetter besonders interessant. Je ungewöhnlicher die Abzweigungen, desto abwechslungsreicher das Leben und desto spannender der Nachruf. Mittlerweile kann sich der 70-Jährige kaum mehr vor Anfragen erwehren. "Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet, aber meine Dienstleistung ist zu einem Selbstläufer geworden." 150 Euro verlangt er pro Auftrag, dafür recherchiert er einen ganzen Tag lang – und dabei geht er in die Tiefe. Er spricht mit Kindern und Freunden der Verstorbenen sowie mit Wegbegleitern, die Besonderes zu erzählen wissen. "Nachrufe zu erstellen erfordert viel Zeit sowie psychologisches und journalistisches Geschick", sagt Brandstetter. Er verfügt zweifellos über beides.

Gute Nachrede

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