Förolacher Erbstollen
Das Trinkwasser für Hermagor ist nachhaltig gesichert

Baustellen-Besuch im Förolacher Stollen bei den beiden Montage-Spezialisten Christian Holzer und Christoph Leonhardsberger durch Bauleiter Walter Brieger (gelbe Jacke), Bürgermeister Siegfried Ronacher, Amtsleiter Bernhard Resch und Tiefbau-Chef  Helmut Wilscher (von links)
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  • Baustellen-Besuch im Förolacher Stollen bei den beiden Montage-Spezialisten Christian Holzer und Christoph Leonhardsberger durch Bauleiter Walter Brieger (gelbe Jacke), Bürgermeister Siegfried Ronacher, Amtsleiter Bernhard Resch und Tiefbau-Chef Helmut Wilscher (von links)
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Lokalaugenschein der WOCHE Gailtal: Seit Beginn des Jahres wird im Förolacher Erbstollen an der neuen Trinkwasser-Leitung gearbeitet.

FÖROLACH (jost). Parallel zu allen globalen Geschehnissen rund um die Klimaveränderung steigt auch bei uns im Alpenland das Bewusstsein über den hohen Wert natürlichen und kristallklaren Trinkwassers. Daher baut die Stadtgemeinde Hermagor derzeit an einer neuen Versorgungsleitung zur nachhaltigen Absicherung der Wasserversorgung im Gemeindegebiet.

Wertvolle Quelle

Nördlich des Pressegger Sees, im Spitzegel-Massiv, befindet sich eine der größten Trinkwasser-Reserven Kärntens. Der Förolacher Erbstollen wurde vor und nach dem Ersten Weltkrieg von den Treibacher Chemischen Werken wegen vermuteter Erz-Zonen nördlich des Graslitzen-Kammes mit einer Steigung von zehn Promille in den Berg getrieben. Anfangs stieß man noch auf Erz-Spuren, aber die Grabungen gestalteten sich in weiterer Folge, nicht zuletzt wegen der häufiger werdenden Wasser-Eintritte, immer schwieriger, bis schlussendlich nach 3.228 Metern der kostenintensive Bau eingestellt wurde.
Gezählte 112 Quellaustritte entlang des Stollens ergeben heute eine permanent stabile Schüttung von etwa 500 Litern pro Sekunde am Stollenmund auf 670 Metern Seehöhe. Die Hauptmenge des Gruben-Wassers speist die Druckrohrleitung für ein im Jahre 1942 am Ufer des Pressegger Sees errichtetes Kraftwerk.

Die Trinkwasser-Versorgung

Vorausschauend bemühte sich die Stadtgemeinde Hermagor in den vergangenen Jahren sukzessive, mit dem Eigentümer (VVT Vermögensverwaltung) einen Teil des gegenständlichen Quellwassers für die Nutzung der kommunalen Trinkwasserversorgung abzusichern. Die aktuell nach durchwegs einstimmigen Gemeinderatsbeschlüssen vertraglich vereinbarte Bezugsmenge beträgt 30 Liter pro Sekunde.

Baustellen-Besuch

Vergangene Woche ergab sich für die WOCHE Gailtal exklusiv die nicht alltägliche Möglichkeit, im Zuge eines Baustellen-Besuches der Stadtgemeinde Hermagor bei den Montagearbeiten der neuen Wasserleitung im Förolacher Erbstollen dabei zu sein.
Nach offizieller Sicherheits-Unterweisung der Delegation durch Bergwesen-Ingenieur Herbert Kassl führte Planer und Projektleiter Walter Brieger die mit Helm, Stirnlampe, Regenjacke und Stiefeln ausgestattete Besucher-Gruppe im Gänsemarsch in den Stollen. Mit dabei Bürgermeister Siegfried Ronacher, Amtsleiter Bernhard Resch und Tiefbau-Chef Helmut Wilscher.
Der etwa 1.800 Meter lange Fußmarsch entlang des naturbelassenen Stollens bis zur Quellfassung aus Edelstahl führt in extrem kühl-feuchter Luft über einen etwa 50 Zentimeter breiten, durch zahlreiche kleinere und größere Quellspeisungen ständig glitschig-nassen Holz-Steg, unter dem frei sichtbar mit lautem Getöse der prall gefüllte Stollen-Bach talwärts schießt. Jeder Schritt ist daher gewissenhaft und konzentriert zu setzen, um nicht auszurutschen.

Stollen-Pioniere

Im Zuge der Führung vermittelte Wasserbau-Experte Walter Brieger interessante Einblicke in das Innere des Berges und wies auf die vielen interessanten Gesteins-Schichten und Zerklüftungen hin, wodurch auf engstem Raum verschiedenste Formen der Verkarstung zu beobachten sind.
Besonderes Lob spendete der erfahrene Projektleiter auch den beiden jungen Monteuren der Firma Meisl aus Grein an der Donau, die seit Anfang Jänner Tag für Tag in völliger Finsternis, bei ständiger Nässe und unter unaufhörlichem Wasser-Rauschen an der Montage der 1.800 Meter langen Wasserleitung im Stollen arbeiten: „Wir kennen uns persönlich schon lange, weil wir bei diversen anderen Wasser-Projekten bereits zusammengearbeitet haben. Aber die Arbeiten im Förolacher Stollen sind auch für die beiden routinierten Oberösterreicher eine ganz spezielle Herausforderung.“
Montageleiter Christian Holzer: „Unsere Arbeit ist sehr anstrengend, weil wir auf engstem Raum alle Materialien transportieren, lagern und schlussendlich händisch an die richtige Position bringen müssen. Allein das richtige Positionieren und Befestigen der Stahlkonsolen entlang der ungleichmäßigen Stollenwand ist überhaupt nicht mit normalen Montagearbeiten zu vergleichen. Die Rohre selbst haben 150 Millimeter Nenndurchmesser und sind sechs Meter lang.“
Sein Kollege Christoph Leonhardsberger ergänzt: „Man hat keine Ablage-Flächen für Werkzeuge oder Kleinteile. Unter dir ist überall nur frei fließendes Wasser. Da ist man durch die körperliche Anstrengung und die hohe Konzentration bis zum Ende eines Arbeitstages echt geschafft.“

400.000 Euro Investition

Bisher haben die beiden etwa die Hälfte des Leitungsbaues geschafft. Bis zum Sommer soll der Stollenmund erreicht und damit der 400.000-Euro-Auftrag für Holzer und Leonhardsberger abgeschlossen sein. Die Weiterführung der Wasserleitung bis zum naheliegenden Hochbehälter, der etwa 750 Kubikmeter des Trinkwassers speichern wird, erfolgt durch die Stadtgemeinde und die beauftragte Baufirma Porr.

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