Heidenreichstein
Dunkelhäutiger Sohn des Altbürgermeisters als "Missgeburt" beschimpft

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Große Empörung herrscht im Bezirk Gmünd nach einem rassistischen Vorfall am Samstag.

HEIDENREICHSTEIN. "Rassismus pur im Waldviertel", ist als Eintrag auf der Facebookseite des Heidenreichsteiner Altbürgermeisters Hans Pichler zu lesen. Nach einem Spaziergang mit seinem vierjährigen Sohn in Heidenreichstein - Pichlers Frau ist Kenianerin - ist er schockiert und zutiefst erschüttert. Ein junger Mann, etwa 20 Jahre alt, habe im Vorbeifahren das Beifahrerfenster eines Autos mit Horner Kennzeichen geöffnet und den kleinen Buben an Pichlers Seite lautstark als "Missgeburt" beschimpft. Die Beleidigung zielte alleine auf die Hautfarbe des Kindes ab. Der Vater war zu perplex, um sich dass Autokennzeichen zu merken.

"Habe es heruntergespielt"

Der Bub, der den Zwischenfall wohl bemerkt hat, hat seinen Papa  anschließend nach der Beudeutung des unschönen Wortes gefragt. "In diesem Moment war ich sehr froh, dass er noch zu jung ist, um das zu verstehen. Ich habe gesagt es ist egal, es war Unsinn und habe es heruntergespielt", erzählt der Heidenreichsteiner, der sich als Vorsitzender des Vereins "Wir für Kinder" stark für benachteiligte Kinder in Kenia engagiert.

Pichler warnt vor Rechtsruck

Pichler sagt er habe mit sich gerungen, ob er diesen Vorfall publik machen soll oder lieber nicht. Gegenüber den Bezirksblättern bekräftigt er seine Entscheidung: "Soetwas muss man in die Öffentlichkeit tragen. Wir müssen aufpassen, dass unsere Gesellschaft nicht wieder in solch eine Richtung geht und dann jeder behauptet, das hätte er nicht gewusst." In seinem Posting richtet er schlussendlich einen klaren Appell an die politisch Verantwortlichen in unserem Land: "Hört endlich auf einen "Keil" in die Bevölkerung zu treiben, damit derartige Vorfälle nicht alltäglich werden!"

Community spricht Vater Mut zu

Bestärkung erfährt der Altbürgermeister durch unzählige Reaktionen und Kommentare, die ihm online hinterlassen wurden. "Die vielen Rückmeldungen haben mich sehr positiv gestimmt." Barbara Körner von der Heidenreichsteiner SPÖ etwa ist entsetzt: "Manche Menschen haben für ihre Probleme leider kein Ventil und projizieren ihren Hass auf Schwächere oder sogar Kinder." Auch der SP-Nationalratsabgeordnete Konrad Antoni steigt in die Diskussion ein: "Tut mir echt leid - auch für mich ist die aktuelle politische Entwicklung nur mehr schockierend! Leider polarisieren beide Regierungsparteien um die Wette! Die Hetze gegenüber Flüchtlingen, Hilfesuchenden, sozial Benachteiligten ... ist allgegenwärtig", schreibt er. Und Karin Opelka von der Eltern-Kind & Ergotherapie Praxis in Großeibenstein berichtet von ähnlichen Erlebnissen. "Mein Sohn ist nun bald 15 Jahre alt, hat einen nigerianischen Papa...ich könnte viele Geschichten von offenem Rassismus im Waldviertel erzählen. Hitlergruß in der Pizzeria zb mit dem Kommentar dich hätte es damals nicht gegeben", schreibt sie. Heidenreichsteins VP-Vizebürgermeisterin Margit Weikartschläger ist bestürzt: "Traurig, dass man aus der Geschichte nicht lernt."

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