31.01.2018, 07:00 Uhr

Ärztemangel im Bezirk Gmünd

Allgemeinmediziner Alexander Gabler: "Eine Arztpraxis muss auch ohne Hausapotheke lebensfähig sein."

23 Allgemeinmediziner gibt es im Bezirk, einige gehen bald in Pension, zwei Ordinationen sind unbesetzt.

BEZIRK (eju). Im vergangenen Jahr gingen alleine in den beiden Gemeinden Litschau und Heidenreichstein drei Ärzte in Pension. Einzig die Ordination von Gustav Zimmermann hat einen Nachfolger mit Clemens Binder gefunden, die anderen beiden Ordinationen konnten bisher nicht nachbesetzt werden. Das heißt, die verbliebenen Ärzte dieser Gemeinden – in Litschau Gerald Ehrlich und in Heidenreichstein Stefan Hammer und Alexander Gabler sowie Astrid Cisar aus Amaliendorf – versorgen nun die "frei gewordenen" Patienten mit. Nur: Sowohl Astrid Cisar als auch Gerald Ehrlich werden in absehbarer Zeit ebenfalls in Pension gehen, womit sich die Problematik potenziert. Dass das mit längeren Wartezeiten in der Ordination bei gleichzeitig weniger Zeit für die Patienten und häufigeren Wochenenddiensten für die Ärzte einhergeht, liegt auf der Hand.

Höhere Arbeitsbelastung

Dazu haben die BB Gmünd stellvertretend mit Allgemeinmediziner Alexander Gabler gesprochen: "Seit der Pensionierung zweier Kollegen sind die Patienten bei mir natürlich auch mehr geworden und dadurch auch meine Arbeitszeit länger. Um Wartezeiten im Rahmen zu halten, haben wir die Organisation umstrukturiert. Ein Problem waren die gestiegene Anzahl an Wochenenddiensten, das haben wir nun aber durch die Zusammenlegung zweier Sprengel kompensiert. Das heißt, ab April sind Dr. Binder, Dr. Hammer, Dr. Cisar, Dr. Ehrlich, Dr. Müller, Dr. Ziegler und ich reihum am Wochenende für die Patienten da. Zwar bedeutet das für manche eine etwas weitere Anfahrt zum Arzt, aber jedem Patienten ist geholfen, wenn sein Hausarzt am Montag ausgeruht für ihn da ist." Abgesehen davon solle die Entlohnung von niedergelassenen Ärzten überdacht werden, es könne nicht sein, dass eine Ordination ohne Hausapotheke kaum mehr lebensfähig sei, so Gabler abschließend.
Auch im Raum Gmünd wird ein langjähriger Hausarzt schmerzlich vermisst. In der Gemeinde Großdietmanns ging Allgemeinmediziner Boris Seizov in Pension. Ein Nachfolger ist vorerst nicht in Sicht.

Keine Hausapotheke - kein Arzt

Dazu Bgm. Johann Weissenböck: "Wir würden einem Arzt die Ordination samt Wohnung zur Verfügung stellen, im ersten Jahr sicher mit einem großen Entgegenkommen unsererseits. Das Haus wurde von Grund auf renoviert und ist barrierefrei. Die Ordination ist so groß, dass sogar mehrere Ärzte Platz hätten." Ein Ärztehaus, wie es eben in Weitra entsteht, wäre in Großdietmanns ebenfalls möglich. Eine Physiotherapeutin ist bereits vorhanden, im April soll noch eine Psychotherapeutin dazukommen. Weissenböck weiß aber auch, was Ärzte vor einer ausschließlichen Ordination zurückschrecken lässt: "Wer keine Hausapotheke dabei hat, wird schwer einen Nachfolger finden. Nur mit den Krankenscheinen alleine ist es schwer zu überleben." Hier müsse eine Gerechtigkeit geschaffen werden, so Weissenböck weiter, der Gebietsschutz der Apotheken sei eines der Probleme bei der Nachbesetzung von Ordinationen.

Zur Sache:

Im Bezirk Gmünd weist das Ärzteverzeichnis der Ärztekammer NÖ aktuell 23 AllgemeinmedizinerInnen aus, die einen Vertrag mit der NÖGKK und anderen Krankenversicherungsanstalten haben, also keine Wahlärzte sind. Das sind umgerechnet auf 21 Gemeinden 1,09 Ärzte pro Gemeinde. 17 davon betreiben eine Ordination, die restlichen sechs Ärzte haben zusätzlich zu ihrer Ordination auch noch Anstellungen in Kuranstalten, Pflegeheimen und Krankenhäusern. Einzelne der 23 Ärzte betreiben zwei Ordinationen in unterschiedlichen Gemeinden. Im Bezirk Gmünd wohnen aktuell rund 37.000 Menschen. Rein rechnerisch entfallen rund 1600 potentielle Patienten pro Arzt.

Das sagen die Ärztevertreter im Bezirk

Über 40 Jahre lang war der Weitraer Allgemeinmediziner Wolfgang Fuchs Ärztevertreter im Bezirk Gmünd. Er bestätigt im BB-Gespräch, dass eine Planstelle in Heidenreichstein gestrichen worden sei, nachdem sich trotz mehrmaliger Ausschreibung niemand dafür gemeldet hatte. Um den Ärztemangel auszugleichen, gebe es kein Patentrezept: "Ich denke, es wird wohl auch seitens der ÄrztInnen unvermeidbar sein, großräumiger zu denken, in Gruppenpraxen zu arbeiten und sich so auch Zeit zu schaffen für Familie und notwendige Regeneration. An die Politik habe ich immer appelliert, im Ärztegesetz auch außerhalb von Instituten die Möglichkeit der Anstellung von ÄrztInnen bei ÄrztInnen zu schaffen und zudem nicht die bürokratischen Daumenschrauben immer weiter anzudrehen."
Sein Nachfolger, Christoph Preißl aus Kirchberg, stößt ins selbe Horn: "Wir müssen einen Teil der Ausbildung zurück in die Ordinationen verlegen. Es gibt ein klares Bekenntnis zu Lehrpraxen. Wenn junge Kollegen sehen, wie es in einer Praxis zugeht, kommt vielleicht der eine oder die andere auf den Geschmack. Der Beruf des Arztes ist inzwischen weiblich. Man muss wegkommen von der Einzelkämpfer-Mentalität. Wenn man sich eine Ordination mit einer Kollegin teilt, dann können beide gut davon leben, man muss nicht die gesamte Arbeitslast alleine schultern und hat auch noch genug Zeit für Familie und Privatleben."
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