Altes Recht überlistet!

Ein Happy End gibt's heuer bem Theater in Hall nicht. Dafür wird das Publikum am Ende begeistert sein.
  • Ein Happy End gibt's heuer bem Theater in Hall nicht. Dafür wird das Publikum am Ende begeistert sein.
  • Foto: Andrea Weber-Stricker
  • hochgeladen von Agnes Czingulszki (acz)

HALL. Das Stück hat viele Väter & Paten: Lorenzo da Ponte, G. Schünemann, Beaumarchais und natürlich Mozarts Oper, 1786 uraufgeführt in Wien – und – in einer schon vergehenden Gegenwart Peter Turrini, zwar als Komödie belassen, aber als Drama endend. Spielleiter Alexander Sackl (Regieass. Hannah Kanz) erzählt mit Gefühl für Tempo und Rhythmus mit seinem elfköpfigen Team die Story vom geilen kastilischen Grafen Almaviva, der sein Recht auf das „ins primae noctis“ mit Figaros Braut ungern verzichtet und daher böse Ränke schmiedet. Aber der Titelheld, die Gräfin und die Braut Susanne haben auch Ideen, um diesem Ansinnen zu entkommen. Nach etwa 2 Stunden Spaß mit gefährlich wirkenden Turnereien auf großen Styroporwürfeln gibt’s kein Happy End, aber ein sichtlich befriedigtes Publikum.

Romantisches Ambiente

Im Gegensatz zur Premiere war Freilufttheater möglich, der stimmungsvolle Barockhof des Bezirksgerichts Hall bietet ein romantisch-rückblickendes Ambiente, akustische Irritationen in den hinteren Rängen waren allerdings nicht vermeidbar. Markus Knauseder zelebriert ungeniert und hinreißend die Arroganz und Lüsternheit des Grafen, Georg Mader gibt der schlauen, sanguinischen Figur Figaro eine charmante Note und eloquenten Ton, Juliana Haider als Braut und Zofe agiert auf Augenhöhe lustig, natürlich und beweglich, Jochen Hampl überzeugt als garstiger Einflüsterer Bazillus, Christine Matuella gewinnt mit der Figur der älteren, heiratswütigen Marcelline mit komödiantischer Verve, Caroline M. Hochfelner gibt der hübschen, gefühlvollen Gräfin ein sympathisches Erscheinen, Wolfgang Viertl stellt mit Witz und Frechheit den Pagen Cherubin ins turbulente Geschehen, Martin Moritz schlüpft gleich in zwei Figuren, einmal in die des arroganten Dr. Bartholo und dann in jene des besoffenen Antonio, wobei er beiden Rollen herrlich routiniert gerecht wird, Maximilian Kindler verkörpert geschickt den devoten Hofmeister Brecheisen, Christina Nessmann bedient flüssig die Figur Zettelkopf und ihr Saxophon. Überhaupt greifen einige Schauspieler gelegentlich zu einem Instrument, tragen ganze Textpassagen (teilweise von M. Koschuh) gesanglich im Musicalton vor. Und zur Verhandlung gegen Ende erscheint die geldgierige Richterin Guzman, liebevoll umgesetzt von Brigitte Neumaier. Ein hohes Lob gebührt der stilvollen Kostümierung aus der Werkstatt von Berta Posch. Ein besonderes Theatererlebnis, dem der Wettergott gnädig sei.

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