Interview mit Julius Skamen
"Der Präsi" ganz persönlich

Julius Skamen mit der "wandernden und wachsenden Wand des Präsis" im Hintergrund.
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  • Julius Skamen mit der "wandernden und wachsenden Wand des Präsis" im Hintergrund.
  • hochgeladen von Agnes Czingulszki (acz)

Er war am Golan, ist Sprecher eines Marathons und Landesbediensteter. Vor allem ist er aber eines: "Präsi". Im Gespräch mit dem vielseitigen Aldranser, dem Präsidenten des Triathlonverbandes, Julius Skamen.

BEZIRKSBLÄTTER: Sie sind "Präsi", Regionaut, Landesbediensteter, Ehrenzeichenträger, Regierungsrat und, und, und. Wie finden Sie Zeit für alles?
Julius Skamen:
Wenn man sich breiter bewegt und nicht auf eine einzelne Sache versteift, dann lässt sich das im Zeitmanagement unterbringen.

Aber sie sind Vollzeit beim Land für den Fachbereich Internet und Intranet beschäftigt.
Natürlich ist es aufwendig, man muss einige Abende als "Präsi" investieren, an Wochenenden sind die Wettkämpfe, da sollte man dann auch erscheinen. Man lernt auch viele, viele Leute kennen. Nicht nur junge Menschen, sondern breit gestreut durch die ganzen Vereine. Da sind alle Berufsgruppen vertreten, vom Rechtsanwalt über den Richter bis hin zum Postbeamten, Straßenkehrer und das macht auch Freude.

Und wie ist der Julius Skamen privat? Gibt‘s das?
Ja, das gibt‘s (lacht). Ich kombiniere sehr viel. Bei Veranstaltungen zum Beispiel, fährt man mit dem Rad hin. Ich bin auch seit 25 Jahren beim Venedig-Marathon. Dort mache ich in drei Sprachen den Sprecher. Um fünf in der Früh stehe ich auf und motiviere die Starter. Dann rausche ich Richtung Venedig mit dem Vaporetto ins Ziel und spreche bis am späten Abend ununterbrochen durch. Aber ich habe auch viele andere Sportveranstaltungen moderiert, irgendwann musste ich dann Abstriche machen. Zeitlich geht sich ja nicht alles aus.

Was bezaubert Sie am Venedig-Marathon?
Die Stadt. Ich bin seit vierzig Jahren immer in Italien unterwegs und die Stadt hat mich beeindruckt. Ich habe durch diese Tätigkeit den Lebensstil der Venezianer erlebt und nicht nur den Markusplatz und Millionen von Touristen. Der Marathon ist im Oktober: Da lernst du die Stadt mit ihren echten Eindrücken kennen. Und als Hobbyfotograf, das ich massiv am Golan angefangen habe, mach ich auch Fotokdokumentationen.

Sieht man diese irgendwo?
Die hab ich daheim auf meinen unzähligen Servern liegen. Aber nur privat. Da sind Bilder z. B. von einer Ampel in der Lagune dabei oder einer Laterne aus Muranoglas, an der man als Tourist im Normalfall nicht vorbeikommt.

Sie haben auch zahlreiche Auszeichnungen, zuletzt wurden Sie zum Regierungsrat ernannt. Auf welche Auszeichnung sind Sie besonders stolz?

Ich war als Berufssoldat, als Personal Officer, am Golan in Syrien als die UNO-Truppen den Friedensnobelpreis bekommen haben. Dann habe ich mit den anderen Soldaten, die 1988 stationiert waren, auch die Medaille verliehen bekommen. Aber ich bin nicht deswegen so stolz darauf, weil es eine besondere Auszeichnung ist, sondern weil der Einsatz psychisch und körperlich sehr schwierig war.

Wie lang waren Sie im Einsatz?
1985 das erste Mal und dann noch einmal 1988. Insgesamt war ich zirka 2,5 Jahre dort und habe 4.500 Dias gemacht. Ich bin in dem Land geblieben und habe es bereist. Ich habe mir Homs, Aleppo, Palmyra, alle Städte, die jetzt zerstört worden sind, angesehen, es war ein beeindruckendes Erlebnis.

1991 sind Sie dann beim Land angestellt worden. War es nicht zu ruhig für Sie?
Ruhiger, ja, aber eine andere Aufgabe und trotzdem spannend. Ich war Personaloffizier, für Presse und Veranstaltungen verantwortlich am Golan, also nicht der klassische Kämpfer im Walde.

Sie haben viel erlebt: Wie schaut die Zukunft aus? Sie sind seit fast 30 Jahren "Präsi".

Ich werde heuer sechzig und hab' die Versicherungsjahre schon voll. Sobald ich in Pension gehe, werde ich das, was ich bisher gemacht habe noch viel intensiver machen. Ich werde wirklich schauen, dass ich an den Orten, wo ich jetzt kurzfristig bin, wie zum Beispiel Gran Canaria, länger bleibe oder ich fahr mal nach Venedig und übernachte bei den Freunden, die es mir immer anbieten, ich aber nie ausnutzen konnte. So lange das Umfeld passt, so lang die Vereine und die Leute sagen, eigentlich brauchen wir dich noch, bleibe ich ehrenamtlich Präsident. Du musst heute froh sein, wenn du Freiwillige für so ein Amt findest.

Abschließend: Wie kennen Sie Ihre Freunde und wie Ihre Feinde?
Das weiß ich nicht, da müsste ich sie jetzt fragen. Viele sagen, sie schätzen an mir den Einsatz und erkennen auch, dass man mehr Input gibt, als notwendig wäre. Und, dass man ihnen in jeder Lebenslage als Freund zur Seite steht. Und Feinde ... Wenn ich ganz ehrlich bin, durfte ich in meiner ganzen Zeit nur einen erleben, der mich trotz großer Freundschaft vor Gericht angelogen hat und ich dadurch sehr viel Geld verloren habe. Grundsätzlich bin ich aber von Feinden zum Glück verschont geblieben.

Zur Person

Julius Skamen (der Name ist slowenischer Abstammung und bedeutet "von Stein") ist am 17. Oktober 1959 geboren. Er absolvierte die Militärakademie und machte parallel dazu eine Informatikausbildung. Er diente als UNO-Blauhelmsoldat zweimal am Golan in Syrien und trat 1991 in den Tiroler Landesdienst – erst war er als Revisionist tätig, heute leitet er den Fachbereich Internet, Intranet und Multimedia. Er hat einen Sohn und eine Tochter und lebt in Aldrans. Seit 1990 ist er Präsident des Tiroler Triathlonverbandes, welchen er sukzessive ausgebaut hat. Bei der Übernahme hatte der Verband 200 Mitglieder, heute 2.500.

Julius Skamen mit der "wandernden und wachsenden Wand des Präsis" im Hintergrund.

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