Die Irren übernehmen das Kommando

Die Verwirrung ist groß: Wer ist nun Arzt und wer Patient?
  • Die Verwirrung ist groß: Wer ist nun Arzt und wer Patient?
  • Foto: Dorfbühne Sistrans
  • hochgeladen von Stefan Fügenschuh

SISTRANS. Was sich als harmloses Sanatorium „AZUIG“ präsentiert, ist in Wahrheit ein Irrenhaus mit nicht ganz freiwilligen Insassen. Der Besuch eines Redakteurs provoziert jedoch den Primarius zu einer sogenannten „Rollentauschtherapie“, die sich allerdings nicht mehr von ihm steuern lässt und immer undurchsichtigere Verwechslungen generiert.
Am Schluss sind die „Irren“ Herren der Lage und die „Normalen“ die „Patienten“. Wie diese „Selbstfindung“ vonstatten geht, wird in mehreren Szenen geradezu zelebriert, oftmaliger Szenenapplaus durfte da nicht ausbleiben. Spielleiterin Margit Peer lässt in der Komödie von Heinz Rudolf Unger den sieben Damen und sechs Herren des Laienensembles trotz stringenter Regie jenen wohltuenden Freiraum, der Authentizität und offensichtliche Spielfreude garantiert.

Franz Sulzenbacher mutiert vom korrupten Primar zum bedauernswerten Patienten, Axel Brunner wechselt überzeugend vom Maltherapierten zum Professorkittel und Kommissarstrenchcoat, Andrea Praxmarer belebt temperamentvoll die Figur Marie und Krankenschwester, Othmar Knoflach als Redakteur wird August, Karl Zimmermann als Architekt Veigl, glaubwürdig eklig gewissenlos, wird Kommissar, der eigentliche Ermittler (René Pramstaller) kann der Figur des Primars ein seriöses Gesicht leihen, Anna Maria Brunner ist die appetitliche, aber ziemlich zickige Tussi Lilli, Simone Rudig-Wachter verwandelt sich vom Inspektor zum Redakteur, Sarah Kofler als strenge Schwester Selma muss zur hilflosen Patientin werden, Andrea Reich darf die Beschließerin Nußböck bleiben, komödiantisch facettenreich, Andreas Eichler kann sich hinreißend austoben als August, Reporter & Detektiv, Johannes Triendl & Marion Salchner sind das Security-Paar Tom & Jerry.
Ja, alle Facetten des nuancenreichen Spiels, das auch musikalisch mit schrägen Tönen aus dem Off und musikalischen Feinheiten aus drei Saxaphonen begleitet wird, müssen einfach erlebt werden, wozu es bis zum 2. April mehrmals eine Gelegenheit gibt.
Ein temporeiches & zwerchfellstrapazierendes Stück, flott gespielt und mit geschickten Regiegriffen inszeniert, ein „Muss“ für Liebhaber anspruchsvoller Unterhaltung.

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