Geld regiert die Welt

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HALL. Ein karges Bühnenbild, nur mit würfel- und trapezförmigen Versatzstücken beseelt, bildet den Rahmen für ein Stück aus der altgriechischen Theaterwelt, aus dem der vormalige DDR-Autor Peter Hacks 1991 die Komödie „Der Geldgott“ formte und damit auch die Umstellung von der Planwirtschaft auf die Marktwirtschaft kritisch beäugte.
Spielleiter Hermann Freudenschuss führt die fünf Herren und drei Damen des hoch engagierten Laientheaters mit sicherem Griff durch die drei Akte, wobei die Grenzen zum professionellen Theater kaum noch erkennbar sind.
Im vorliegenden Stück, das nur stellenweise dem griechischen Urtext folgt, erfährt der Töpfer Chremylos durch das Orakel, dass er reich würde, wenn er den Nächsten, den er trifft, zu sich nach Hause einlädt. Er begegnet einem blinden Bettler, der sich in der Folge als Gott des Reichtums, Pluto, zu erkennen gibt, der ob seiner Blindheit das Geld ohne Ansehens der Person verteilt.
Der Handwerker lässt Pluto von Äskulap heilen und muss danach den Gott wiederholt an dessen Versprechen erinnern, ihn reich zu machen. Fortuna taucht auf und ruft ihren Sohn Pluto zur Ordnung und bezeichnet ihre arme Tochter Paupertas als ihr Lieblingskind.
Max Stroka verleiht der Figur des Chremylos eine erstaunlich klar geformte Sprache und Mimik, in Augenhöhe dazu Vanessa Eberharter als dessen Sklavin und Geliebte Fifine, die viel Text und Gestisches flüssig und liebenswürdig bedient, Erich Thummer gibt dem vom blinden Bettler zum strahlenden Geschäftsmann mutierten Pluto ein glaubwürdiges Gesicht, Kurt Benkovic beweist komödiantische Spielfreude als Lüsterblick, Christina Neßmann mag man als Frau Beutelrock im eleganten Kostüm bewundern, auch ihren Auftritt als Saxophonistin in einer Szenenpause. Susanne Jäger ist die charmante und fröhlich barocke Göttin Fortuna, Lorenz Penz kann deren Tochter Paupertas die Armenfigur leihen. Hans Peter Höllriegl ist der kritische Gewerkschafter Herr Kohr, der die Vorstellung „gekauft“ hat und vorwiegend im Publikumsraum agiert.
Für die effektvolle Ausstattung inklusive der gelungenen Kostümzitate zeichnet Iris Jäger verantwortlich. Trotz der enormen Textfülle – ein Schmuckstück des gehobenen Kammerspieles und eine gelungene Herausforderung für die ausgezeichnete Amateurbühne. Gespielt wird bis zum 25. Juni 2017.

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