Ist Liebe noch möglich?

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Es gibt eindeutig positive Märchenhelden, wie etwa der „edle Prinz“, der „gütige Weise“ etc. Blaubart zählt zweifellos nicht dazu, denn wer tötet schon, was er liebt? Meint man halt so – aber die deutsche Erfolgsautorin Dea Loher ist da anderer Ansicht, sie will in ihrer Geschichte vermitteln, dass die geschlechterbestimmten Erwartungshaltungen den Traum erfüllter Liebe verunmöglichen, den Partner, die Partnerin töten – und sei es auch nur im metaphorischen Sinn.
Spielleiter Fabian Kametz entführt in die karge Bühne mit klaren Raumzitaten eines Parks und eines Schuhgeschäfts zwei Herren und sechs Damen, welche uns in rasch wechselnden Szenen, vorwiegend im Erzählmodus, die vergeblichen Versuche, wirkliche Nähe herzustellen, temporeich und humorvoll nahe bringen. Thomas Kramer & Martin Moritz sind die beiden Seiten von Heinrich, verhalten der eine, extravertiert der andere, Elke Frick (Judith), Laura Hammerle-Stainer (Christiane), Marina Schützenhofer (Tanja), Mila Toscana (Eva) und Ulli Wegscheider (Anna) sind trotz ihrer Verschiedenheit auch die Blinde und Julia, nach deren Liebe sich Heinrich vergeblich sehnt.
Das Individuelle wird durch das kollektiv Erwartete erstickt, es gelingt keine Befreiung, es sei denn, dass mit der Tötung des Blaubart das Gleichgewicht des Schreckens hergestellt wird, quasi eine paritätische Opfer-Täter-Bilanz. Fragt sich, wer diesem Szenario noch Hoffnung abgewinnen kann. Das offensichtliche Abarbeiten dieser Botschaft in den Tötungsritualen lässt die Lacher über schnodderige Sager schnell wieder erfrieren, aber es ist eben schnörkelloses deutsches Theater, kein österreichisches Seelendrama à la Schnitzler. Wer Experimente liebt und bereit ist, sich damit zu konfrontieren, wird vollen Theatergenuss erleben, wer das nicht vermag, dem wird aber zumindest der Theaterabend nachdenklich ausklingen.

Zwei Herren und sechs Damen interpretieren die "Blaubart"-Geschichte aufregend neu.
Autor:

Stefan Fügenschuh aus Hall-Rum

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