14.02.2018, 06:30 Uhr

Natura 2000 im Gailtal: "Müssen Ängste der Bürger ernst nehmen"

Die Naturlandschaft im Lesachtal ist von dem geplanten Natura 2000-Projekt vorerst nicht betroffen (Foto: KK/Pixabay/CC0)

Das Natura 2000 Gebiet "Gail im Lesachtal" soll ausgebaut werden, Besitzer wissen davon nichts.

LESACHTAL/KÖTSCHACH (aju). In der Sitzung der Kärntner Landesregierung vom 31. Januar wurde von Rolf Holub ein Antrag zur Erweiterung des Natura 2000 Gebietes "Gail im Lesachtal" eingereicht. Dieser wurde jedoch kurzfristig zurückgezogen. Grundstückseigentümer und betroffene Bürgermeister zeigen sich überrascht über dieses Vorhaben.

Provokationskurs

Landesrat Gernot Darmann spricht bei dieser Handlung von einem Provokationskurs Holubs vor den Landtagswahlen. Für ihn müsse man erst Haftungsfragen klären. Bei der Erweiterung des bereits bestehenden Natura 2000-Gebietes im Lesachtal zum Schutz der Tuffquellen der Gail würden Grundeigentümer und die Marktgemeinde Kötschach befürchten, so Darmann, dass die Waldbewirtschaftung und die touristische Nutzung beeinträchtigt werden könnten, obwohl das Vorkommen des Schutzgutes in der geplanten Schutzzone zweifelhaft sei.

Einvernehmen wichtig

Für Walter Hartlieb, Bürgermeister von Kötschach-Mauthen, sind die Tuffbäche nicht das größte Thema. "Bei uns soll im Kronhofgraben ein Natura 2000 Schutzgebiet gemacht werden, weil eben Ausgleichsflächen benötigt werden", sagt Hartlieb. Für ihn gehe es hier vor allem um die jagd- und forstwirtschaftlichen Bewirtschaftung. Außerdem brauche es ein Einvernehmen mit den Grundstückseigentümern. "Landesrat Holub wollte dieses Vorhaben trotz Bedenken umsetzen. Für die Bürger gab es vorher keine Information und das muss nachgeholt werden", erklärt Hartlieb. In einer Sitzung mit Landesvertretern und Grundstückseigentümern habe man anschließend seinem Unmut kundgetan. "Ein Einvernehmen mit den Besitzern muss her. Einfach so etwas zu entscheiden ist meiner Meinung nach nicht zeitgemäß", so Hartlieb.

Überraschung ist groß

Johann Windbichler, Bürgermeister im Lesachtal, zeigt sich ebenfalls überrascht von der Einreichung Holubs zum Natura 2000 Schutzgebiet im Lesachtal. „Ich habe es selbst aus der Zeitung erfahren, einen Tag vor der Sitzung im Landtag. Danach habe ich mich gleich mit Landesrat Benger in Verbindung gesetzt um das Vorhaben zu verhindern“, sagt Windbichler. Ebenso hat er gemeinsam mit dem Agrargemeinschaftsobmann einen Brief aufgesetzt und vom Land Aufklärung gefordert. Folgen für einen der größten Lesachtaler Betriebe, das Tuffbad, wurden erwartet.

War ein Irrtum

Nun stellt sich aber heraus, dass vor allem eine kalkhaltige Tuffquelle in Kötschach betroffen ist und somit das Lesachtal bei der Geschichte außen vor bleibt. "Aber dieser Irrglaube ist Holubs Schuld. Immerhin habe ich versucht ihn zu erreichen um Aufklärung darüber zu bekommen, um welches Gebiet es sich handelt und er hat mit dem Satz geantwortet 'Der Antrag wurde zurückgezogen, bis es einen Konsens gibt'", sagt Windbichler. Deshalb sei er davon ausgegangen, dass trotzdem noch das Lesachtal betroffen sei. 

Kein Ausweg

Landesrat Rolf Holub hingegen versteht die Aufregung nicht und hält diese "Angstmache für Wahlkampf der Landwirtschaftskammer, die sich gegen Natura 2000 ausspricht." Das Tuffbad sei nicht betroffen. "Es handelt sich um eine Quelle, die zum Teil einer Besitzerin, zum Teil der Gemeinde gehört", erklärt Holub. Zudem seien die zu schützenden Arten bereits von der EU vorgeschrieben. Es gäbe also keine Wahl. "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die schützenswerten Grundstücke zu Natura 2000 Gebiet erklärt werden. Ich stehe nur in der Pflicht, diese vorhandenen Schutzgüter zu melden", meint Holub. Änderungen in der Bewirtschaftung gebe es keine.

Zur Sache

  • Natura 2000: ist ein Naturschutzprojekt von der EU, das jeder Saat umsetzen muss. Entschädigungen an die Eigentümer müssen verhandelt werden und sind nicht einheitlich vorgegeben. Hält das Land die Vorgaben nicht ein, drohen im schlimmsten Fall Strafzahlungen an die EU.
  • Kein Ausweg: Laut Landesrat Rolf Holub gebe es nur drei Möglichkeiten, mit den EU-Vorschriften von Natura 2000 umzugehen:
  • 1. Die Vorschriften annehmen und schützenswerte Gebiete unter den Natura 2000 Schutz setzen.
  • 2. Zahlung der Strafe an die EU für nicht eingehaltene Ausgleichsflächen in einer Höhe von bis zu 500 Millionen Euro.
  • 3. Austritt aus der Europäischen Union.
  • Diskussionen über ein Natura 2000 Gebiet "Gail im Lesachtal" gibt es schon länger.
  • Für die Landtagssitzung am 31. Jänner wurde ein Antrag auf Erweiterung des Schutzgebietes von Rolf Holub eingereicht.
  • Die Grundstückseigentümer und auch die Bürgermeister von Kötschach-Mauthen und dem Lesachtal traf dies, wie sie sagen, ohne Vorinformation.
  • In Kötschach wurde zur Information schon eine Sitzung mit den Zuständigen und den Grundstücksbesitzern abgehalten.
  • Im Lesachtal zeigte sich der Bürgermeister besorgt ob der Zukunft des Tuffbades und plädierte mittels Brief an das Land für Aufklärung.
  • Einig ist man sich darüber, dass ein Konsens mit den Grundstückseigentümern gefunden werden muss. 
  • Der Antrag wurde allerdings von Rolf Holub mittlerweile zurückgezogen. Die Erklärung zum Natura 2000 Schutzgebiet sei allerdings nicht optional. Auch Änderung in der Bewirtschaftung gebe es keine. Er habe allerdings einen neuen Paragraphen eingeführt, wonach jeder, der nachweislich Schäden aus der Ernennung zum Natura Gebiet erleidet, Zahlungen vom Land erhält.
  • Die Diskussion geht also weiter.
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