Manuel Randi & Alex Trebo ausverkauft in Imst
Zwei Virtuosen zwischen Bach, Bossa und Gypsy Jazz

Manuel Randi und Alex Trebo boten einen intensiven und anspruchsvollen Einblick in ihr musikalisches Schaffen.
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IMST(alra). Manuel Randi & Alessandro Alex Trebo begeisterten beim Art-Club-Abend in der Stadtbühne Imst mit virtuosem Spiel, großer stilistischer Offenheit und Musik, die Geschichten erzählt. Vor ausverkauftem Haus und euphorischem Publikum entwickelte sich ihr Konzert zu einer musikalischen Reise, die von Südtirol über Berlin und Brasilien bis ans Meer, nach Süditalien und schließlich zu Johann Sebastian Bach führte. Das Duo präsentierte Kompositionen aus dem gemeinsamen Album „Talèa“, ergänzt durch ältere und solistische Stücke. Zwischen Jazz, Bossa Nova, Gypsy Swing, mediterraner Klangsprache, klassischer Musik und freier Improvisation entstand ein virtuos aufbereiteter und stilistisch reichhaltiger Abend.

Zwei Musiker, viele Landschaften

Ihre Wurzeln in Südtirol bilden den gemeinsamen Ausgangspunkt, musikalisch bewegen sich Alex Trebo und Manuel Randi längst in weit größeren Räumen. Trebo, der seit vielen Jahren in Berlin lebt, und Randi begegnen einander am Flügel und an der Gitarre auf Augenhöhe. Zwischen den beiden entsteht ein permanent wechselnder Resonanzraum, den sie mit ebenso kreativen wie virtuosen Impulsen füllen. Das passt zum Konzept ihres Albums „Talèa“, das 2023 erschienen ist und zehn Kompositionen umfasst. Die stilistische Bandbreite reicht dort von Jazz und Bossa Nova über Italian Swing und Ambient bis zu afrikanischen Reminiszenzen und Bach. Trebo, der seit vielen Jahren in Berlin lebt und mit Künstlern wie Hubert von Goisern gearbeitet hat, bringt in diese Verbindung einen offenen und zugleich ausgesprochen melodischen Zugang, der von feinster Anmut bis zu eruptiver Energie reicht. Randi schöpft aus einer enormen Gitarrenwelt: Flamenco, Jazz, Blues, Funk, mediterrane Musik und Gypsy Swing gehören zu seinem musikalischen Vokabular. Seine langjährige Tätigkeit im Herbert Pixner Projekt, in das auch Alex Trebo eingestiegen ist, hat seinen Ruf als Ausnahme-Gitarrist geprägt.

Sonne, Meer und Gypsy-Mood

Besonders reizvoll zeigte sich, wie viel Biografie in den Kompositionen steckt. Alex Trebos musikalische Landschaften sind unter anderem durch seine Aufenthalte in Brasilien entstanden. Das brasilianische Moment war im Konzert als Erinnerung an Landschaft, Licht und Bewegung eingefangen. In „Lembrança da Itapoan“ wurde daraus eine musikalische Geschichte, die zwischen südamerikanischer Leichtigkeit und europäischer Harmonik schwebte. Manuel Randi wiederum erzählt seine Stücke häufig aus konkreten Bildern heraus. „Kissed by the Sun“ ist eine Hommage an das Licht, an die Zeit am Meer und an jene Atmosphäre, wenn ein Tag langsam in einen Sonnenuntergang übergeht. Dann wurde es plötzlich deutlich erdiger: „One for Matelot“ führte mitten hinein in den Gypsy Jazz. Das Stück stammt aus Randis Album „Illusion“ und nimmt deutlich Bezug auf die musikalische Welt Django Reinhardts und sein Umfeld. Der Name Matelot verweist dabei auf die französische Gypsy-Jazz-Tradition um Matelot Ferret. Sie ist Ausgangspunkt für Bewegung, für rhythmische Verschiebungen, für jene Freiheit, die den Jazz ausmacht.

Liebe, Brot und Wendepunkte

Mit „Fior di loto“, der Lotusblüte, wechselte die Atmosphäre. Trebo und Randi ließen die Ballade sanft und weit atmen. Trebo erzählte von der Liebe – und davon, dass sie sich in jedem Alter neu ereignen kann. Ein Gedanke, der in der Musik große Tiefe bekam. Mit „Altamura“ wiederum traf musikalische Romantik auf eine konkrete süditalienische Landschaft. Die Stadt in Apulien ist für ihr traditionelles „Pane di Altamura“ bekannt. Die jahrhundertealte Brotherstellung inspirierte Randi zu einer warmen, erdigen Melodie. In „La Vuelta“ wurde der Gedanke der Veränderung zum Thema. Trebo sprach von jenen Punkten im Leben, an denen eine Wendung notwendig wird – von der Entscheidung, die vertraute Komfortzone zu verlassen und eine neue Landschaft zu betreten.

Von Morricone bis Bach

Den Auftakt in das zweite Set übernahm Alex Trebo allein mit „Orchidea“. Ohne Randi, ohne rhythmisches Gegengewicht, ohne das Spiel des Dialogs stand die große Ästhetik des Klaviers offen im Raum. Trebo spielte mit eindrücklicher Anmut, die aus technischer Souveränität und feinem Gespür entstand. Mit „Brezza di mare“ kam danach wieder das Mediterrane zurück. Meeresbrise, Sonne, Blick auf den Horizont – Bilder, die Randi als Inspirationsquellen beschrieb. Das Stück gehört zu den Kompositionen von „Talèa“, die aus seiner Feder stammen. In „Hands of Joy“, einem älteren Randi-Stück im Soloformat, bewies er technische Präzision vom Feinsten. Als große Inspiration beschrieb Manuel Randi Johann Sebastian Bach – nachzuvollziehen in „Passacaglia“. Bach'sche Formidee, harmonische Ordnung und jazztypische Improvisationsfreiheit traten miteinander in eine wunderbar klingende Beziehung. Mit „Home Service“ holte Randi das Publikum zurück in den Alltag. Das Stück, während des Lockdowns entstanden, ist angeregt von den großen und kleinen Herausforderungen des Familienlebens. Anschließend griff Randi für manche überraschend auch zur Klarinette und zeigte, dass seine musikalische Expertise weit über die Gitarre hinausreicht. Zum Abschluss stand „Ennio's Suggestion“, eine Hommage an Ennio Morricone. Randi und Trebo überführten Morricones filmische Suggestion in ihre eigene große Inszenierung. Alexander Keil, bekannt für seine Lichtinszenierungen beim Herbert Pixner Projekt, verlieh der Bühne Farbe, Licht und Stimmung und dem Abend eine feine visuelle Note. 

Präzision und Charisma

Die Verbindung aus höchster technischer Souveränität, enormem Temperament und purer Spielfreude prägt diesen Abend. Manuel Randi und Alex Trebo sind zwei eigenständige Temperamente, zwei außergewöhnliche Musiker und zugleich ausgesprochen sympathische Bühnenpersönlichkeiten. Zwischen leiser Intimität und eruptiver Energie entwickeln die beiden eine elektrisierende Präsenz. Charisma pur – ohne Attitüde. Ihre sichtbare Freude am gemeinsamen Spiel überträgt sich unmittelbar auf das Publikum und macht diesen Abend zu einem wahrhaft sensationellen Konzerterlebnis.

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