Branche in der Krise
Deutsche Reisewarnung gibt Stadthotellerie den Rest

Die Stadthotellerie fordert weitere Hilfsmaßnahmen in der Corona-Krise.
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  • Die Stadthotellerie fordert weitere Hilfsmaßnahmen in der Corona-Krise.
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Die Stadthotellerie leidet massiv unter den zahlreichen Reisewarnungen. Für kommende Woche ist deshalb ein Runder Tisch mit Tourismusministerin Elisabeth Köstinger, Finanzminister Gernot Blümel (beide ÖVP) und Wirtschaftskammerpräsident (WKÖ) Harald Mahrer geplant, um über eine Verlängerung der Hilfsmaßnahmen zu sprechen.

ÖSTERREICH. "Die Situation ist extrem ernst, ernster als es in der Öffentlichkeit dargestellt wurde", beschreibt  Harald Mahrer die Lage der Stadthotellerie bei einem Hintergrundgespräch am Donnerstag. Im Juli gab es alleine in Wien um 73 Prozent weniger Nächtigungen, im August verzeichnete man ein Minus von 72 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Vor rund vier Wochen hat die Wirtschaftskammer eine eigene Taskforce Tourismus eingerichtet, um Hilfsmaßnahmen auszuarbeiten. Brachenvertreter und Experten haben sich dort darüber den Kopf zerbrochen, was es für die krisengschüttelte Branche, über die Notwendigkeiten anderer Branchen hinaus, noch braucht. 

Mahrer: "Problem wird uns durch den Winter begleiten"

Die Stadthotellerie sei stark abhängig von internationalen Reisemöglichkeiten, so Mahrer. "Jede Reiswarnung macht hier einen Silberstreifen am Horizont zu Nichte." Die derzeitige Situation habe sofort Auswirkungen auf den Gastro- und Handelsbereich, aber auch Dienstleister, Lieferanten, Bäckereien, Fleischereien bis hin zu allen, die Veranstaltungen betreiben, zählt Mahrer auf. "Der Hut brennt. Dieses Problem wird uns nicht über Nacht verlassen, es wird uns durch den gesamten Winter begleiten." 

Fachkräfte in der Branche halten

In Österreich trägt der Tourismus rund 15 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei, inklusive der indirekter Beschäftigungseffekte hängen 675.000 Jobs daran. Die Stadthotellerie sei in den letzen Jahren ein Garant für Vollzeitjobs gewesen. Wichtig sei es jetzt, Fachkräfte in der Branche halten zu können, "auch für die Zeit nach Corona", betont der WKÖ-Präsident. 

Konkret beschäftigt sich die Taskforce mit den Arbeitsfeldern Liquidität und Bonität, Fachkräfte und einem schrittweisen Marktaufbau. "Wichtig sind für uns neue Maßnahmen bei der Liquidität und Bonität", sagt Susanne Kraus-Winkler, Obfrau des Fachverbands Hotellerie in der Kammer. Besonders das Kreditmoratorium, "hier geht es um die vorübergehende Aussetzung der Tilgung, um die Liquidität im Betrieb zu halten." Man wolle das Eigenkapital der Betriebe auch durch einen Eigenkapitalfonds, der zu 50 Prozent von der Tourismusbank (ÖHT) und zu 50 Prozent durch die österreichische Kreditwirtschaft dotiert ist, stärken. "Dieses Paket ist auch in der Endbearbeitung", so Kraus-Winkler. Für die Stadthotellerie sei jetzt wichtig, Verfahren bei der 10 Prozent Regelung der Kurzarbeit zu verkürzen. Derzeit seien Änderungen der Arbeitszeit mit zu viel Bürokratie verbunden. Eine Umschulung der Mitarbeiter in andere Branchen sei nicht akzeptabel. "Wir sind überzeugt, dass wir jeden einzelnen Mitarbeiter in der Hotellerie wieder benötigen, wenn der Tourismus wieder anspringt", betont Kraus-Winkler. Auch die Verlängerung des Fixkostenzuschusses sei besonders wichtig. 

Reisewarnungen belasten Tourismus massiv

Die Vergangenheit habe gezeigt, dass es für die internationale Stadthotellerie immer vier bis sechs Jahre gedauert habe, um sich von solchen Krisen zu erholen, erklärt Matthias Winkler, Geschäftsführer der Sacher Gruppe. Sei es in der Finanzkrise 2008/09 oder den Anschlägen von 9/11. „Sowohl bei der Auslastung als auch beim Preisniveau“. Gehe man davon aus, dass diese Krise tiefgreifender sei, als die beiden genannten, "dann können wir davon ausgehen, dass wir auf eine mehrjährige Erholungsphase hinschauen müssen", so Winkler. Mit einer Impfung oder einem Medikament könne zwar eine Trendumkehr eingeleitet werden, "aber danach wird es noch eine lange Zeit dauern, bis wir zurück sind." 

Das Hotel Sacher leidet unter ausbleibenden Umsätzen.
  • Das Hotel Sacher leidet unter ausbleibenden Umsätzen.
  • Foto: Arnold Burghardt
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Die Reisewarnungen haben dem Tourismus massiv zugesetzt. Die Sacher Hotels blicken auf nur 25 Prozent des geplanten Umsatzniveaus bis Jahresende, so Winkler. Nach der Reisewarnung der Schweiz für Wien seien binnen 48 Stunden de facto alle Buchungen aus dem System gefallen. Auch aus Deutschland kamen sofort Stornierungen, "teilweise sogar aus Österreich." Die anschließende Reisewarnung aus Deutschland habe weitreichend für Unsicherheit gesorgt, "auch außerhalb von Wiens sind Stornos erfolgt". 

Runder Tisch mit Finanz- und Tourismusministern 

Die Taskforce Tourismus will eine Verlängerung der Fristen von Hilfsmaßnahmen erwirken, etwa eine Verlängerung der Mehrwertsteuer bis 2021 oder eine Verlängerung der Stundungen auf August bis Oktober. Kommende Woche plant man dazu einen Runden Tisch mit Tourismusministerin Elisabeth Köstinger, Finanzminister Gernot Blümel und Harald Mahrer. Das Gebot der Stunde sei es, "jetzt schnell zu handeln", so Mahrer abschließend.

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