Ratscha in Maria Wörth
"Das GTI-Treffen hat die Vorsaison belebt!"

"Auf an Ratscha" in der wunderschönen Wörthersee-Gemeinde Maria Wörth. Willi Safran und Martin Schwarz sprechen über die Entwicklung der Gemeinde Maria Wörth, das GTI-Treffen und fehlende Infrastruktur.

MARIA WÖRTH. „Touristisch hat sich in Maria Wörth sicherlich sehr viel verändert, es sind ja nahezu alle Hotels verschwunden und wir haben praktisch nur mehr ein größeres Hotel direkt am See. Früher waren mehrere Hotels durch den Wallfahrtsort bekannt und es gab auch sehr viele Privatzimmer-Vermieter“, sagt Willi Safran. „Ich denke, viele Probleme im Tourismus liegen auch daran, dass zwar aus der älteren Generation ein Kern an Bewohnern geblieben ist, aber die vielen Leute, die zugezogen sind – also die Zweitwohnsitzbesitzer, integrieren sich einfach nicht in das Gemeindeleben. Wir Gemeindebürger wurden so zuletzt immer weniger und die anderen werden immer mehr“, merkt Martin Schwarz kritisch an.

Zweiwohnsitzbesitzer

Laut Safran hat sich auch auf dem Bausektor generell sehr viel getan. Sozialer Wohnbau wäre trotzdem gern gesehen, selbst wenn bereits viele Wohnblöcke aus der Erde gestampft werden. „In Reifnitz sieht man zum Beispiel viele neue Wohnblöcke, aber da brennt nie wo ein Licht und die Wohnungen kosten für normale Leute auch zuviel. Leistbare Wohnungen wären also gefragt“, so die beiden Gesprächspartner unisono. Fehlende Infrastruktur betrifft aber vor allem auch die Gastronomie. „In Sekirn hatten wir früher sieben Gasthäuser und ein Café – jetzt haben wir praktisch null. Da hat sich schon auch einiges getan. Heute sind die Leute lieber mehr für sich allein und nicht so wie früher, dass man überall zusammenkommt“, so Schwarz.

Gasthauskultur

Laut den beiden Gemeindebürgern gibt es somit auch weniger Möglichkeiten, sich in die Gemeinde zu integrieren. „Wenn wir in Sekirn ein Gasthaus hätten, würden sich vielleicht auch mehr Leute treffen. Ich merke aber trotzdem nicht, dass mehr Leute wegziehen als zuzuziehen würden – viele haben eben nicht den Hauptwohnsitz hier und sind dann vielleicht nur ein Monat im Jahr vor Ort“, so der Förster und Landwirt. „In Maria Wörth gab es früher viele Restaurants, Bars und Tanzlokale – heute sind nur mehr das Hotel und das Kurzentrum vorhanden. Speziell krass ist es im Winter, da sperrt alles zu und es gibt dann schon Tage, wo man nirgends etwas zum Essen oder Trinken bekommt“, ergänzt Safran. Für den Pensionisten spielt dabei auch die Preisgestaltung am See eine große Rolle. „Die ist bei uns schon etwas höher. Wenn ich irgendwo ins Hinterland fahre, dann esse und trinke ich einfach billiger. Das spielt heutzutage auch eine Rolle.“ Die enormen Preissprünge bemerkt auch Schwarz, der sich wünscht, dass „man abends öfter ein oder zwei Getränke trinken gehen könnte, ohne dass in der Brieftasche wehtut“.

GTI-Treffen

Viele Einheimische trauern auch dem GTI-Treffen nach, das die Wirtschaft jahrelange belebt hat. „Solange die Veranstaltung organisiert war, hat das gut funktioniert und im Ort selbst war alles in gelenkten Bahnen. Alle mussten Eintritt zahlen, waren durch die Startnummer registriert und haben sich normal benommen. Die Stände und Geschäft haben alle davon profitiert. Nur haben sich dann rundherum, also außerhalb von Reifnitz, immer mehr Probleme ergeben und so kam die Kritik. Im Ort selbst, allein aufgrund der weltbekannten Aussteller, wurde alles professionell gemacht. Daher kamen auch soviel Leute zu uns“, betont Willi Safran. Martin Schwarz erinnert sich, dass er im Alter von 18 Jahren auf seinem letzten offiziellen GTI-Treffen war. „Ich wohne zwar nicht direkt im Ort, aber man weiß, dass in Reifnitz immer alles gesittet abging. Ich habe es immer gut gefunden, dass in der Gemeinde etwas passiert. Zudem hat es die Vorsaison belebt und das fehlt heutzutage etwas, auch wenn dann in der Hauptsaison genügend Gäste kommen.“

Vereinsleben

„Es sind natürlich einige Vereine verschwunden, aber es haben sich auch viele neu gegründet. Wir hatten zum Beispiel auch bei der Feuerwehr das Glück, dass durch die Zugezogenen einige Fachleute dazukamen, die auch gut mitarbeiten. Aber grundsätzlich hat jeder Verein seine Probleme, das liegt auch daran, dass man viele Einwohner von Maria Wörth praktisch nie sieht und diese somit auch nicht am Vereinsleben teilhaben“, sagt Safran. Schwarz ergänzt, dass „es schon Leute gibt, die so wie ich bei fünf Vereinen sind. Aber dann gibt es eben die Zugezogenen, die wohl gelegentlich auf die Vereinsfeste kommen, aber sonst eher Abstand halten. Aber auch jene, die sonst immer klagen, kommen dann ebenso nicht zu den Festen – das hält sich also die Waage. Wir haben 2023 die Sekirner Dorfgemeinschaft neu belebt, da sind alle Sekirner dabei – der Hauptgedanke ist aber das Gemeinsame und das Kennenlernen. Erst heuer beim Maifest sind zwei Deutsche dazugekommen, die finden es super, dass wir etwas machen – damit man so sprichwörtlich auch seinen Nachbar wieder beim Namen kennt.“ Laut Schwarz bauen auch sehr viele Leute Häuser in der Gemeinde, wohnen aber dann woanders und somit nur selten in Maria Wörth.

Tradition

„Es ist schade, dass wir in unserer Pfarre zeitweise keine Messe oder Veranstaltungen haben. Unser Pfarrer betreut auch Keutschach und Reifnitz, kommt daher zeitlich kaum zurecht. Jetzt ist zum Beispiel nur jeden zweiten Sonntag eine Messe, das ist für ein Wallfahrtsort schon schwierig. Trotzdem zeichnet uns der Maria Wörther Kirchtag oder die Marienprozession besonders aus – das sind schon Termine, wo die Tradition wichtig ist und auch Leute in den Ort kommen“, so Safran. „Ich denke bei der Tradition auch an die Osterschützen, die noch die alten Bräuche erhalten. Wenn man hier lebt, sollte man die Bräuche auch akzeptieren und vielleicht sogar mitgestaltet. Ich bin auch der letzte ansässige Landwirt in Sekirn, Tradition und Bräuche wurden mir noch von meinem Opa übergeben – da finde ich es schade, dass dies heutzutage immer weniger wird. Ich denke, da zum Beispiel auch zu Ostern ans Feuerholen gehen oder das gemeinsame Palmbuschen binden – das würde federführend sein, um die Gemeinschaft zu stärken“, meint Schwarz. Ein großes Problem in der Gemeinde scheint auch ein fehlender Veranstaltungsort zu sein. „Es fehlt einfach an einem Vereinssaal, wo man auch Feiern wie Geburtstage abhalten könnte. Gesprochen wird davon schon lang, aber es passiert leider nicht viel. Wenn du mal 50 oder 100 Leute beisammenhast, dann kannst du nicht einfach so in ein Gasthaus gehen“, kritisiert Safran.

Zur Person

Willi Safran (69), Pensionist und ehemaliger Feuerwehrkommandant, half auch viele Jahre beim GTI-Treffen mit
Martin Schwarz (24), Förster und Landwirt, Mitglied in fünf Vereinen und auch in der Dorfgemeinschaft Sekirn aktiv

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