Klagenfurt muss sich für die Jugend attraktiver gestalten

Luca Merva zeigt seinen Garten, welchen er in nächster Zeit in ein botanisches Spektakel verwandeln will
  • Luca Merva zeigt seinen Garten, welchen er in nächster Zeit in ein botanisches Spektakel verwandeln will
  • hochgeladen von Manuel Penz

KLAGENFURT (map.) Trautes Heim, Glück allein? Nicht ganz, aber nach der Arbeit kommt das für Luca Merva schon ungefähr hin. „Meistens bist du dann so fertig, dass du eigentlich nichts mehr unternehmen willst.“, gibt der 18-jährige zu. Da gestaltet es sich als der ideale Ausgleich, nach der ganzen Schufterei, den restlichen Abend im kühlen Keller mit Computerspielen zu verbringen. Luca ist gerade im ersten Lehrjahr zum Landschaftsgärtner. Nach einigen misslungenen Anläufen im Berufsleben hat er in Wölfnitz nun endlich die ideale Lehrstelle gefunden. Ein Jahr auf einer höheren Schule mit der er sich nicht identifizieren konnte, wie auch eine nur kurz andauernde Lehre beim Billa in der Feinkost haben ihn nicht aufgeben lassen, sondern nur mental gestärkt. Bei der Gärtnerei reichen seine Aufgaben von Rasenmähen über Planieren bis zu Baumschnitten. "Als Landschaftsgärtner musst du das Arbeiten mögen, Bürotypen kommen da nicht weit." Sein Garten ist eines Landschaftsgärtners zur Zeit noch nicht würdig. "Das wird mein großes Projekt für das letzte Lehrjahr", gibt Luca preis. Hier möchte er alles auf Vordermann bringen und seine im Beruf erlernten Fähigkeiten ausleben. Desweiteren wird der Platz zum Festigen von diversen Fähigkeiten, die er in der Lehre vermittelt bekam, verwendet. In naher Zukunft soll sein Garten also zum botanischen Spektakel für seine ganze Familie heranwachsen. 

Wien vs. Klagenfurt

Heuer hatte Luca die Ehre, im Rahmen seiner Ausbildung in der Berufsschule für Gartenbau und Floristik, drei Monate in Wien verbingen zu dürfen. Das mit der Ehre sei jetzt einmal so dahin gestellt. "Ich war in Meidling, da sind nicht gerade die nettesten Leute unterwegs." In Wien müsse man als Jugendlicher sehr gut aufpassen, vor allem was Drogen und Alkohol betrifft. "In Meidling gibt es einen Park, da gehst du vorbei und du bist high.", schildert er. Die oft so hoch gepriesenen Öffentlichen Verkehrsmittel betrachtet Luca eher kritisch. "Zu den Stoßzeiten fühlst du dich wie ein Thunfisch in der Dose. In der U6 verteilen sie sogar Deos, weil die Leute so stinken." Etliche Unterbrechungen, ausgelöst durch kaputte Schienen, Suizide oder defekte Wagons spiegeln nicht gerade einen einwandfreien Öffentlichen Verkehr wider. In Klagenfurt kann er sich über die Busse nicht beschweren, auch wenn der Weg von Wölfnitz bis zu sich nach Hause eine knappe Stunde dauert. Wenig Verspätungen und genügend Sauerstoff tragen dazu bei, dass er die Klagenfurter Stadtwerke-Busse den Wiener Linien vorzieht. Das Beste an Wien: Eine riesige Anzahl an Aktivitäten für Jugendliche. Die Größe samt Bekanntheitsgrad von Wien sorgen dafür, dass internationale Künstler wie Sänger oder Rapper ihre Tourstops wie am Fließband in der Hauptstadt einlegen.

Klagenfurt kritisch betrachtet

"Mir kommt vor, Klagenfurt wird immer mehr zum Kaff.", wirft er in den Raum. Die Wirtschaft ist in einem schlechtem Zustand und eine Menge junger Leute ziehen zum Studieren nach Wien oder Graz. Aufgrund einer größeren Auswahl an Arbeitsplätzen und neuen sozialen Kontakten gibt es nur wenige die wieder nach Kärnten zurückkehren. Der heutigen Jugend kann Luca größtenteils nicht viel Positives abgewinnen. "Wie die Meisten heute herum laufen ist untragbar, Drogenjunkies überall." Dies sei klarerweise kein lokales Problem. "Das ist leider überall so.", stimmt er zu. Zusätzlich gibt es für Jugendliche in Klagenfurt bedauerlicherweise wenig zu unternehmen. Shisha Bars, der Wörthersee, die Cinecity Bowling Arena, dies alles ist nach einer Zeit jedoch schnell ausgelutscht, so Luca. Zum Feiern gehen am Abend sieht die Sache noch mauer aus. Der einzige Partyspot ist das Bollwerk, außer Schlägereien von Minderjährigen kann man dort allerdings nicht viel erleben. "Mehr Freizeitaktivitäten würde ich mir in Klagenfurt schon wünschen", stellt er klar.

Veränderungen, keine Versprechungen


Ein Vorzeigeprojekt sieht Luca in der Kärnten Card. Vor allem für die Jugend wurde hier das Potential aber noch in keinster Weise ausgeschöpft. Mit cooleren Angeboten für Adrenalinjunkies wie Bungeejumping oder Fallschirmsprünge könnte man die Kärnten Card auch für Jugendliche attraktiver machen. Der allseits beliebte Wörthersee kann selbst ihn als Klagenfurt Kritiker überzeugen. Das Strandbad ist grundsätzlich toll, zu viele Leute veranlassen ihn dennoch eine Abkühlung gerne an einem freien Seezugang, wie dem Seespitz beim Lendkanal, zu genießen. Auch im Winter möchte er auf den Badespaß nicht verzichten und hofft, dass das neue Hallenbad nicht mehr lange nur ein politisches Hirngespinst bleibt. „Ich war 2014 mit der Schule bei einer Landtagssitzung über das neue Klagenfurter Hallenbad. Dort wurde alles versprochen, doch bis jetzt im Jahr 2018 noch nichts umgesetzt.“ Das alte Hallenbad wird im Winter langsam gefährlich, da muss man Angst haben, dass die Scheiben einbrechen, so Luca. Sobald es ihm möglich ist möchte der Lehrling Klagenfurt verlassen und sein Glück idealerweise in der Schweiz suchen. "Dort kannst du als Landschaftsgärtner extrem viel Kohle verdienen. "Trautes Heim, Glück allein? Diese Redensart kann man nur schwer eindeutig beantworten.

Autor:

Manuel Penz aus Klagenfurt

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