Stadtgerücht 2020
So wird der Schmäh zum Schenkelklopfer-Höhepunkt

Stadtrichter-Spielleiter Harald Janesch und Hofrat Erich Preckl sowie viele weitere Stadtrichter übten heuer bei erstem Theaterworkshop intensiv an ihrer Mimik für das Stadtgerücht 2020
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  • Stadtrichter-Spielleiter Harald Janesch und Hofrat Erich Preckl sowie viele weitere Stadtrichter übten heuer bei erstem Theaterworkshop intensiv an ihrer Mimik für das Stadtgerücht 2020
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Wie entstehen eigentlich die Pointen und Nummern für das Stadtgerücht in Klagenfurt? Da hat jeder Stadtrichter seine eigene Sammelmethode. Und seine persönlichen Testpersonen vorab.

KLAGENFURT (vep). Wenn irgendwann im Jänner stets das Stadtgerücht startet und alle lachen, dann steckt quasi ein Jahr Arbeit dahinter. Denn jeder der Klagenfurter Stadtrichter verfolgt das Motto "Nach dem Stadtgerücht ist vor dem Stadtgerücht". Denn bis es zu den ausgefeilten, pointierten Nummern auf der Bühne kommt, braucht es einen langen Prozess. Und der entsteht: mit Sammeln. Dem Sammeln von Textfetzen, Pointen, Witzen, lustigen Begebenheiten und politischen Geschehnissen, die aufregen. 

Schatzkiste voll Anregungen

Im wahrsten Sinne eine "Schatzkiste" an Pointen hat "Seine Ehren" Erich Preckl, der seit 28 Jahren auf der Bühne steht und seit 30 Jahren Stadtrichter ist. Der Techniker im Klinikum Klagenfurt schreibt sich auf jedem Papierfetzchen auf, was ihm unter die Finger bzw. zu Ohren kommt. "Oder auf Bierdeckeln, egal was. Und ich werfe alles in eine kleine Box auf meinem Schreibtisch. Im November nehme ich alles heraus und ordne es nach Themenclustern, wie Alltag, Gesundheit, Politik." Dann überlegt er, welche Geschichte er stricken will, sucht den roten Faden, den Spannungsaufbau bis zum Ende hin. Vor allem die Themen und Spannungsfelder "Mann - Frau" sind jene, die Preckl immer wieder aufgreift. "Oft sind es Dinge, die einem selbst oder Freunden widerfahren. Lustige Begebenheiten, die man überspitzt wiedergibt und dem Publikum den Spiegel vorhält", sagt Preckl, dem seit vielen Jahren sein, wie Preckl sagt, "kongenialer Partner Werner Ortitsch" zur Seite steht – naturgemäß oft in Stöckelschuhen und Minirock. Allerdings gilt es, stets das richtige Augenmaß zu finden, wenn man mit den Unterschieden der Geschlechter spielt. "Natürlich ist die Gesellschaft hinsichtlich Frauenfeindlichkeit sensibler geworden. Aber das ist auch gut so", sagt Preckl. 

Ein ähnliches "Sammelsystem" verfolgt Hofmarschall Sigi Kreuzweger: Jedes Fetzchen Papier wird beschrieben, denn: "das Handytippen mag ich nicht". Wenn es dann in die heiße Phase geht, sucht er sich seine Ideen wieder heraus. "Ich bin nicht der begnadetste Schreiber, andere können das deutlich besser. Ich setze dafür die Dinge gerne um, wo sich so mancher Schreiber vielleicht nicht wohl fühlt auf der Bühne." Pointen werden aber unter den Stadtrichtern konstant ausgetauscht. "Oft ist es so, dass man einen Input für die Nummer eines anderen hat." 

Viel Arbeit und viel "Ausschuss"

Bis eine Nummer fertig ist, kann das dauern, verrät Ratsherr Andreas Rauchenberger. "Ich überarbeite eine Nummer oft sieben bis acht Mal." Rauchenberger ist Lehrer an einer NMS in Treffen. Witze, Pointen und Schmähs greift er das ganze Jahr auf - als Anregung. "Ich sammle Witze von Schülern, vieles ergibt sich auch bei Elterngesprächen oder im Lehrerkollegium", verrät er. Auch bei Ausflügen mit den Stadtrichtern oder dem Freunde-Stammtisch ist oft sehr ergiebig. "Meist sind es zwischen 30 bis maximal 50 Prozent des Gesammelten vom ganzen Jahr, das letztlich übrig bleibt." 

Kreative Schreiber und professionelles Theater-Coaching 

Richtig geschrieben wird an den Nummern zunächst beim jährlichen Stadtrichterurlaub, aber dann ganz intensiv am Kreativ-Wochenende in Bad Kleinkirchheim, verrät Rauchenberger. "Wir erruieren, welche Themen wir haben, teilen Gruppen ein und entwickeln die Nummern weiter." Jedes Jahr sind dabei rund 15 bis 19 Stadtrichter dabei. 
Erstmals hat es heuer für jene, die auf der Bühne stehen, auch ein professionelles Theatertraining über zwei Tage gegeben. "Wie man Körpersprache, Gestik und Mimik mit der Kommunikation in Einklang bringen kann, das war unglaublich", sagt Preckl. Für ihn, Rauchenberger sowie Kreuzweger gleichermaßen faszinierend: Wie viel man dadurch ausdrücken und lustig sein kann, ohne etwas zu sagen. 

Mehr Details und Feinheiten auch durch Technik möglich 

Deshalb startet Preckl mit Partner Ortitsch heuer auch ein Experiment: "Wir werden ausschließlich auf der Couch sitzen und unsere Worte sowie die Mimik unserer Gesichter sprechen lassen. Mittlerweile lässt es die Technik durch Kameras und Beamer zu, denn früher mussten wir die Bühne ausfüllen, damit die letzte Reihe uns auch noch sieht. Jetzt können wir ganz anders arbeiten und agieren." 

"Frau Stadtrichter" als Pointen-Korrektiv

Alles, das beim Stadtgerücht letztlich zu sehen ist, durchläuft so einige Prüfungen. Neben der Präsentation vor allen Stadtrichtern selbst kommen aber vor allem Freunde und Verwandte als Testobjekte zum Handkuss. Eine Pointe hier, eine dort eingestreut und aufgepasst, wie viel oder wenig darüber geschmunzelt wird. Und oft so, dass keiner merkt, dass es eigentlich für das nächste Stadtrichterprogramm ist.
Wer besonders häufig kritische Testpersonen für die Schmähs sind? Die Ehefrauen und Lebensgefährtinnen, erzählt Stadtrichter Andreas Rauchenberger. "Natürlich", schmunzelt auch Erich Preckl, "verrennt man sich manchmal. Und da ist die Ehefrau ein schönes Korrektiv." 
Es gibt aber auch Gattinnen, die ihr Feedback erst bei der fertigen Nummer abgeben, verrät Sigi Kreuzweger: "Meine Frau möchte lieber die fertige Nummer bei der Premiere sehen, keine Auszüge von Pointen oder unfertige Dinge vorab. Erst dann sagt sie mir ehrlich ihre Meinung."

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Die Termine: Stadtgerücht 2020

Das Stadtgerücht 2020 feiert am 18. Jänner 2020 um 20 Uhr in der Messearena Klagenfurt Premiere.
Weitere Termine (Beginn jeweils 20 Uhr):

  • Freitag, 24. Jänner
  • Samstag, 25. Jänner
  • Samstag, 1. Februar
  • Freitag, 7. Februar
  • Samstag, 8. Februar
  • Freitag, 14. Februar
  • Samstag, 15. Februar
  • Freitag, 21. Februar
  • Samstag, 22. Februar

Karten sind ab 2. Dezember 2019 im Reisebüro Springer, Wiesbadener Straße 1 in Klagenfurt, erhältlich sowie bei den Stadtrichtern selbst.
Onlinereservierung auch unter: www.stadtrichter.at. Die Karten können dann ab 9. Dezember im Reisebüro Springer abgeholt werden.

Autor:

Verena Polzer aus Klagenfurt

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