Lehre nach Matura
Wenn Maturanten Berufe erlernen

Entschieden sich< für Lehre nach der Matura in der Buchhandlung Heyn bei Helmut Zechner: Doris Schatzer, Silvia Eder und Laura Pinter (v. li.)
  • Entschieden sich< für Lehre nach der Matura in der Buchhandlung Heyn bei Helmut Zechner: Doris Schatzer, Silvia Eder und Laura Pinter (v. li.)
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Im Gegensatz zu Deutschland ist die Lehre nach der Matura in Kärnten in den Kinderschuhen; Tendenz jedoch laut Wirtschaftskammer steigend.

KLAGENFURT (vep). Im Nachbarland Deutschland ist sie Gang und Gebe, hierzulande eher eine Ausnahme: Die Lehre nach der Matura. Die Entscheidung für eine Fachkräfteausbildung also zu einem späteren Zeitpunkt, als junger Erwachsener. Dann unter anderen Voraussetzungen, denn durch die Matura verkürzt sich die Lehrzeit um ein bis zwei Jahre. 
Die Lehre nach der Matura gewinne laut Benno Tosoni, dem Leiter der Lehrlingsstelle in der Wirtschaftskammer Kärnten, auch hierzulande langsam an Bedeutung. Dennoch: "Die Zahl der Lehranfänger, die bereits über eine Matura verfügen, hat – insbesondere im Vergleich zu Deutschland, wo in bestimmten Regionen rund 50 Prozent der Lehranfänger ein Abitur haben – noch viel Luft nach oben und liegt derzeit in Kärnten bei rund vier Prozent." Erfreulicherweise sei aber der Anteil der Maturanten unter den Lehrlingen im Steigen begriffen. Tosoni: "Im letzten Jahr war ein Plus von rund vier Prozent, bei den AHS Maturanten sogar von 24%, zu verzeichnen."

290 Maturanten absolvieren eine Lehre 

Aktuell stehen 290 Maturanten in Kärnten in einem Lehrverhältnis - in 90 verschiedenen Lehrberufen; die Bandbreite reicht von diversen kaufmännischen und IT-Lehrberufen über die klassischen handwerklichen Lehren bis zu den touristischen und den Handelsberufen.
Die derzeit 290 Maturanten, die in einem Lehrverhältnis stehen, erlernen rund 90 verschiedene Lehrberufe. Die Bandbreite reicht von diversen kaufmännischen und IT-Lehrberufen über die klassischen handwerklichen Lehren bis zu den touristischen und den Handelsberufen.
Tosoni: "Die größte Anzahl an Maturanten gibt es neben den kaufmännischen Lehren in den Berufen Elektrotechnik, Kraftfahrzeugtechnik, Chemieverfahrenstechnik, Metalltechnik und Pharmazeutisch-kaufmännische Assistenz."

Bewusste Entscheidung für den Buchhandel 

Abseits der Statistik gibt es noch ein Geschäftsfeld, in dem viele Maturanten beruflich Fuß fassen wollen und dort eine Lehre nach der Matura absolvieren: Den Buchhandel. Helmut Zechner von der Buchhandlung Heyn hat 24 Mitarbeiter, rund ein Drittel davon hat die Lehre bei ihm nach der Matura absolviert. "Die meisten haben nach der Matura entschieden, nicht zu studieren sondern ins Berufsleben einzusteigen und haben bei uns die Fachausbildung zum Buchhändler gemacht", so Zechner. Zwei Mitarbeiter haben zuvor sogar in anderen Berufen gearbeitet und sich dann mit der Lehre in der Buchhandlung Heyn beruflich völlig neu orientiert. 

"Es wird immer schwieriger" 

Natürlich bildet Heyn auch auf dem "klassischen Weg" aus. "Durchschnittlich haben wir ein bis zwei Lehrlinge, etwa 70 bis 80 Prozent bleiben dann auch bei uns", informiert Zechner.
Jedoch, so sagt er, werde die Suche immer schwieriger: "Man muss ehrlicherweise sagen, dass das Niveau leider nach unten gerasselt ist - auch wenn es natürlich tolle Ausnahmen gibt. Für uns bedeutet das, dass wir viel eher mit der Suche beginnen müssen als früher, also ein bis eineinhalb Jahre zuvor." Fachkräfte seien vor allem im Buchhandel enorm wichtig. "Nur durch fachlich gut ausgebildete Leute können wir uns von Amazon unterscheiden", betont Zechner. 

So funktioniert die Lehre "danach" 

Auch Tosoni von der Wirtschaftskammer sagt, dass unter anderem durch die nach wie vor sehr schwachen Geburtenjahrgängeder akute Fachkräfte- bzw. Lehrlingsmangel resultiere. "Deshalb ist es von großer Bedeutung, dass sich auch unter den nicht-klassischen Lehranfängern ein Bewusstsein für die Vorzüge, die Vielfalt und Zukunftschancen einer Lehrausbildung entwickelt." 

Maturanten die sich für eine Lehrausbildung entscheiden, haben laut Tosoni eine ein bis maximal zwei Jahre verkürzte Ausbildung, teilweise eine höhere Entlohnung und zukünftig in einigen Berufen auch eigene Berufsschulklassen. "Der Mix aus praktischem Können und Schulwissen auf Matura-Niveau ist ein hervorragendes Sprungbrett für eine steile Karriere", appelliert Tosoni. Entweder als Arbeitnehmer oder - wer die Meisterprüfung gleich anhängt - die Selbstständigkeit. Tosoni: "Unternehmen wiederum profitieren von zusätzlichen potentiellen Lehranfängern, die eine ausgezeichnete Vorbildung und vielfach eine bereits etwas größere Reife mitbringen. Eine win-win Situation für Maturanten und Lehrbetriebe", erläutert Tosoni.
Infos: www.habedielehre.info

Mehr zu unserem Lehre-Schwerpunkt:
www.meinbezirk.at/lehre

Autor:

Verena Polzer aus Klagenfurt

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