Cosmos Klagenfurt - der letzte Akt

Der Vorhang ist gefallen, schon vor einer Woche wurde die letzte Cosmos Filiale in Kärnten für den Verkauf geschlossen. Hinter den Toren wurde fleißig weiter gearbeitet. Es wurde verpackt, was nicht verkauft werden konnte. Auf Paletten verfragtet, geputzt und sonst alles getan, was eben getan werden musste, wenn ein Geschäft schließt.

Dass es die Firma, in der man jahrelang gearbeitet hat bald nicht mehr geben wird, dass ein Sozialplan für die Angestellten erstellt werden würde und diese bereits gekündigt worden wären, erfuhr man aus der Zeitung. Das Einzige was für diese Filiale stimmte war, dass der Cosmos keine Zukunft mehr hatte. Sozialplan? Kündigung? Nichts von dem geschah - vorerst. Man fragte sich, wie es denn nun weiter gehen würde. Angestellte der Arbeiterkammer waren die Einzigen, die mit Rat und Tat zur Seite standen. Wer bis zuletzt zurückbleibt und das Geschäft besenrein zu hinterlassen hatte, waren die Angestellten. Jeder wusste, was zu tun ist. Da bedurfte es ohnehin keinen Chef, dessen Sessel in den vergangenen Wochen nur hin und wieder kurz belegt war, ohne ein Wort des Abschieds, vielleicht ein kleines Danke für die Zusammenarbeit, die in dieser Filiale sicher einzigartig war.

Die Angestellten in dieser Filiale waren mehr als nur Arbeitskollegen, man war füreinander da. Regelmässig traf man sich nach Dienstschluss, u.a. in der Pizzeria Alisa in Klagenfurt, zum Geselligen beisammen sein. Auch die Partner waren willkommen, man spürte das Zusammengehörigkeitsgefühl, das diese Kollegen verband. Wurde ein Mitarbeiter, wie so viele in den letzten Jahren aufgrund der Sparmaßnahmen gekündigt, so kam auch dieser weiterhin zu den Treffen und man bemühte sich gemeinsam den Schmerz zu lindern. Vor Kurzem kamen dann auch die Kündigungsschreiben, die man ja seit Längerem erwartet hatte. Von einem Sozialplan konnte man nur träumen.

Auch in den vergangenen Wochen wurde wie in all den Jahren gelacht und geweint. Doch dieses Mal wurde gelacht, um den Verlust des Arbeitsplatzes mit diesem einzigartigem Betriebsklima zu überspielen. Geweint, als man irgendwann begreifen musste, dass es bald zu Ende sein würde. Da nicht alle an den Monatstreffs teilnehmen können, gab es vor ein paar Tagen nach Dienstschluß in den leeren Cosmosräumen eine Abschiedsfeier der besonderen Art. Biertische wurden herbeigezaubert, man bestellte was zu essen und versuchte den Grund des Beisammensseins zu verdrängen.
Doch die bevorstehende Trennung wurde einem beim Anblick der leeren Regale immer wieder aufs Neue bewusst und überwältigte auch die letzten standhaftesten Mitarbeiter/innen. An diesem Tag wurde zum ersten Mal mehr geweint als gelacht. Sogar ein Abschiedsvideo aus der nahezu leeren Cosmosfiliale wurde gedreht, es treibt einem die Tänen in die Augen, wenn man es sich ansieht. Vielleicht stellt es ja jemand, in gekürzter Form, bei Youtube rein.

Am 27. März gibt’s wieder ein "Arbeitsessen" in der Pizzeria Alisa. Mit Pizza, Pasta und Wein wird man dann auf die alten Zeiten anstoßen und sich zum wiederholten Male fragen, warum es so enden musste.

Gestern war der letzte Arbeitstag. Als die letzte noch abzuholende Palette auf dem LKW verladen war, war’s das. Das Tor hat sich für immer geschlossen und ab heute gibt es über 30 Arbeitslose mehr in Kärnten. Manche haben vielleicht was in Aussicht, andere sammeln bereits Absagen von Firmen, zu denen sie nicht mal zu einem Vorstellungstermin geladen wurden. Der Arbeitsmarkt ist hart umkämpft. Jung sollte man sein und flexibel. Wenig kosten und möglichst keine Anforderungen stellen. Im Hinterkopf schwirren Berichte herum, wo jeder zweite Mitarbeiter dem Mobbing ausgesetzt sein würde. Hoffentlich würde es einem selber nicht treffen.. so ein Betriebsklima wie beim Cosmos ist/war wohl einzigartig.
Noch immer schätzen die Chefitäten diesen sehr wichtigen Aspekt zu gering ein. Die Art und Weise des Umgangs der Mittarbeiter untereinander überträgt sich auch auf den Kunden. Das Betriebsklima ist ein wesentlicher Bestandteil ob sich ein Kunde in einem Geschäft wohlfühlt oder nicht.

Gestern haben diese Mitarbeiter die Filiale mit dem Bewusstsein verlassen, das weit mehr als nur eine Ära Cosmos zu Ende gegangen ist. Wie sagte ein Mitarbeiter kürzlich: Sie würden beim AMS die Bitte äußern, geschlossen vermittelt zu werden.

Ich wünsche allen ehemaligen Mitarbeiter der Firma Cosmos in Österreich einen erfolgreichen, neuen Start!

Ps. Wir sehen uns wieder..spätestens am 27. März..eine Freundin eines ehemaligen Cosmos Mittarbeiters.

Wann: 31.03.2010 ganztags Wo: Cosmos, Klagenfurt am Wörthersee auf Karte anzeigen
Autor:

Silvana Arcidiacono aus Klagenfurt

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