22.06.2017, 09:55 Uhr

Aufbauende Bischofskonferenz in Klosterneuburg

GS Wimpissinger, eh. Dir. Krebs, evang. Bischof Bünker, kath. Bischof Krätzl, Präsident Höchtl, Frau Verf.GH-Vize Bierlein, Dir. Wess und indischer Assistent des Nuntius Sitzend: der päpstliche Nuntius Erzbischof Zurbriggen (Foto: privat)

Ökumene bei Völkerverständigung: Fortschritte, es könnte aber schneller gehen-sagen die Bischöfe Helmut Krätzl und Michael Bünker.
500 Jahre nach Luthers Thesen ist die Theologie weiter als die Kirchenleitungen.

KLOSTERNEUBURG (pa). Seit dem Zweiten Vatikanum (1962 bis 1965) ist in Sachen Verständnis füreinander und Annäherung von katholischer und evangelischer Kirche einiges weitergegangen. Es bleibt aber in Sachen Ökumene noch genug zu tun, und es könnte und sollte alles sehr viel schneller gehen. Das war die übereinstimmende Meinung der beiden Bischöfe Helmut Krätzl (für die katholische Kirche) und Michael Bünker (für die Evangelischen) bei der Diskussionsveranstaltung der Österreichischen Gesellschaft für Völkerverständigung, deren Präsident Josef Höchtl beide Bischöfe zu einer offenen Bestandsaufnahme in den Festsaal der Raiffeisenbank Klosterneuburg -zum Lutherjahr- eingeladen hat. Auch der apostolische Nuntius Erzbischof Peter Zurbriggen und der Generalabt Bernhard Backovsky waren interessierte Teilnehmer.

Luther wollte keinesfalls die Kirche spalten

Weihbischof Krätzl: „Die Theologie ist bei der Ökumene viel weiter als die Kirchenleitungen. Ich bin dankbar dafür, was ich in meinem langen Leben als Priester an Ökumene erfahren durfte, aber es geht mir noch zu langsam! Die Basis drängt danach!“ Als Schüler habe er nur gelernt, was uns Katholische von den Evangelischen trennt.

Bischof Bünker betonte, dass Martin Luther keinesfalls die Kirche spalten, keine neue Kirche gründen, sondern „die liebe alte Kirche“ reformieren wollte. Das sieht auch Weihbischof Krätzl so: „Luther wollte eine Kirche des Evangeliums, nicht des Amtes“. Und: Es stehe außer Streit, dass es zur Zeit Luthers Missstände in der katholischen Kirche gegeben habe.

Immer noch keine gemeinsamen Vorstellungen

Bei allem gewachsenen, erfreulichen Verständnis füreinander, gebe es, plädiert Bischof Bünker für Realismus, immer noch keine gemeinsame Vorstellung, wie die Einheit von katholischer und evangelischer Kirche aussehen könnte. „Wir Evangelischen können nicht erwarten, dass die Katholischen evangelisch werden - und umgekehrt.“ Es bleiben Unterschiede (z.B. beim Amts- und Kirchenverständnis), aber die seien nicht mehr wie früher kirchentrennend.

Neben vielen Geistlichen-katholisch und evangelisch waren auch die Vizepräsidentin des Verfassungsgerichtshofes Brigitte Bierlein,der Bürgermeister von Klosterneburg Stefan Schmuckenschlager, der Landtagsabgeordnete Wille Eigner, der eh. Tullner Bürgermeister Edwin Pircher und viele Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Justiz, Kunst und Kultur sowie die RAIKA-Direktoren Helmut Wess und Rainer Krebs anwesend.
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