16.10.2017, 13:05 Uhr

Krucifix: Beschwerden nach Walla

Der Wiener Beschwerdechor gastierte im museum gugging.

Der Chor war in Gugging um Beschwerden nach der Sprache des Art-Brut Künstlers August Wallas auf den Punkt zu bringen.

MARIA GUGGING (mp). "Regt's eich endlich auf ihr alle miteinanda! Wir gebn eich ka Rua, lossen des ned zua", sangen die über 50 Mitglieder als Eingangshymne. Am Wahlsonntag machte der vom Wiener Medien- und Konzeptkünstler Oliver Hangl Anfang 2010 als langfristiges Kunstprojekt gegründete Wiener Beschwerdechor den Hof des museum gugging zu seiner Bühne und unter anderem die Worte des Klbger Art Brut-Künstlers August Walla zu seinem Klaglied.

Grantige und Besserwisser

"I sauf mi an, weil i des alles nimma aushoit! Imma die selbe Leier", protestierte das Ensemble, aber nicht nur der Kunstchor hatte Beschwerden vorzubringen.
"Unfreundlichkeit, da habe ich mit Besuchern schon Erfahrungen gemacht", meinte Barbara Kronbeter, Shop-Mitarbeiterin des museum gugging. "Ich bin eigentlich gerade dabei mir das abzugewöhnen, aber ich würde 'Raser' sagen", meinte Sabine Mayr-Harting und ihr Mann Peter ergänzte "Ignoranz, Intoleranz und Empathielosigkeit." Die Besucherinnen Elisabeth Würzel und Uli Fessler kamen zu dem Schluss, dass "die Grantigen" und "die Besserwisser" sie am meisten störten und auch der Leiter des Beschwerdechors Oliver Hangl hatte eine persönliches Anliegen vorzubringen: "Heute in der Früh hab ich mich wieder ärgern müssen, dass die Hunde die ganze Tür zuschiffen."

Wallas Weltallendeland

An diesem Tag lag das Augenmerk jedoch auf der "sich allen Normen widerseztenden (Formen-)Sprache" Wallas, durch dessen Wohnraum Susanne Profous führte. "Schon als kleines Kind beschäftigte sich August Walla mit der Kunst", erklärte Profous. Der Psychiater Leo Navratil und der jetzige Museumsdirektor Johann Feilacher entdeckten seine küntlerische Begabung. Als Wallas Mutter pflegebedürtig wurde, zogen die beiden schlussendlich nach Gugging ins Haus der Künstler. Walla verwandelte dort nicht nur Papier, sondern sein ganzes Zimmer, Straßen, Bäume und Hauswände in sein farbenprächtiges "Weltallendeland" voll von seiner polytheistische Religionsphilosophie und geschichtlichen Dokumentationen.


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