Logistikzentrum Korneuburg: Bereiten Land und Gemeinde Vollausbau auf 40 Hektar vor?

Hier ist die geplante Fläschenwidmung zu sehen, wobei die vollen roten Pfeile das Areal für die Post zeigen, die anderen die geplante Erweiterung auf 40 Hektar.
  • Hier ist die geplante Fläschenwidmung zu sehen, wobei die vollen roten Pfeile das Areal für die Post zeigen, die anderen die geplante Erweiterung auf 40 Hektar.
  • hochgeladen von Peter F. Mayer

Am 11. Dezember 2017 wurden bei einer Sitzung des Gemeinderates der Gemeinde Langenzersdorf wieder Beschlüsse zum Ausbau der Infrastruktur für ein auf 40 Hektar ausgebautes Logistikzentrum Korneuburg gefasst.

In der ersten Stufe soll neben dem stillgelegten Kraftwerk Korneuburg das Paket-Verteilzentrum der Post auf einer Fläche von 10 Hektar errichtet werden. Aber die gestrigen Beschlüsse und Aussagen im Gemeinderat von Langenzersdorf auf dessen Gebiet die Mega-Anlage errichtet werden soll, weisen wieder darauf hin, dass der Vollausbau auf 40 Hektar angestrebt wird. Diesen Plan verfolgen auch die Fachgruppen Logistik der Wirtschaftskammern von Niederösterreich und Wien.

Zunächst wurde ein Kanalanschluss für die Siedlung Donaugraben beschlossen. Der Beschluss war nötig, da der Anschluss unter der B3 in den Hauptkanal geführt werden muss, was eine Abstimmung mit der Landesregierung erfordert. Damit gibt es einen Kanalanschluss in unmittelbarer Nähe des geplanten Logistikzentrums und man ist nicht mehr auf eine Anbindung an das Kanalsystem von Korneuburg angewiesen, das wegen der Unterführung unter dem Autobahnzubringer ohnehin teuer und kompliziert wäre.

Noch erhellender ist der Beschluss über die Errichtung einer öffentlichen Beleuchtung für das Betriebsgebiet Nord, jene 40 Hektar auf denen das Mega-Logistikzentrum errichtet werden soll. Veranschlagt wurde eine Summe von 261.000 Euro für insgesamt fünf Jahre. Auf die Frage des SPÖ Gemeinderates Wolfgang Schleich, welcher Anteil davon für die Errichtung und welcher für den Betrieb vorgesehen sei, gab es die eher kryptische Antwort, dass das so genau nicht zu sagen sei. Die Summe sei über fünf Jahre nach Bedarf abrufbar. Offenbar soll damit der Ausbau der Beleuchtung je nach Fortschritt der Besiedlung der vorgesehenen 40 Hektar durch Logistikfirmen finanziert werden.

Macht das Land einstweilen eine Pseudo-SUP?

Die ursprünglich im März dieses Jahres eingereichte Änderung der Flächenwidmung, die der Post die Errichtung ihres Paket-Verteilzentrums ermöglichen hätte sollen, wurde bekanntlich vor der Nationalratswahl und vor der für 28. Jänner 2018 anberaumten Landtagswahl zurückgezogen. Einer der Gründe war die nach einem Gutachten des NÖ-Umweltanwaltes Hansmann fehlende Strategische Umweltprüfung (SUP).

Wie ich von einem Gemeinderat erfahren habe, wird eine Art von SUP nun beim Amt der Landesregierung durchgeführt. Das Ergebnis soll ab dem 29. Jänner vorliegen, also nach der Landtagswahl. Die SUP müsste allerdings laut den SUP Richtlinien von der Gemeinde durchgeführt werden, die Beteiligung des Landes hat "informellen Charakter" um auf Probleme und Mängel hinzuweisen. Der Gemeinderat hat in seiner September Sitzung allerdings seine Umwidmungsbeschlüsse bekräftigt und könnte sie nun um die Empfehlungen der Umweltbehörde ergänzen. Das sind alles rechtliche Grauzonen.

Die Post hatte ihr Projekt im September zurückgezogen um diese Manöver zu ermöglichen. Nach Aussagen des Langenzersdorfer Bürgermeisters Andreas Arbesser sollte die Neuplanung der Post spätestens Anfang November wieder vorgelegt werden. Das ist bisher nicht geschehen, zumindest nicht offiziell. Der neue Plan soll aber dem Land bereits bekannt sein. Die offizielle Vorstellung wird wohl erst nach der Landtagswahl erfolgen.

Verkehrslawine, Roboter aber wenig Mitarbeiter

Die Post hat in ein Grazer Start up investiert, dass die Ent- und Beladung von LKWs voll automatisiert vornehmen kann. Damit wird die Kapazität der 176 geplanten Andock-Stationen verdoppelt, die Zahl der dafür benötigten Mitarbeiter aber auf Null reduziert. Auch im Inneren der Anlage wird alles voll robotisiert und automatisiert ablaufen. Selbstfahrende Stapler und automatisierte Anlagen, wie sie in der derzeit laufenden Amazon Werbung im TV zu sehen sind, brauchen keine menschlichen Mitarbeiter mehr. Die Hoffnung der Gemeinde Langenzersdorf auf hohe Kommunalsteuern wird sich als Seifenblase entpuppen.

Die Folge für die Region Korneuburg wird aber eine Verkehrslawine ungeahnten Ausmaßes sein. Nach Verkehrszählungen bei anderen Paket-Zentren der Post, wird schon zu Beginn mit 3000 Fahrten täglich zu rechnen sein, davon 1000 LKWs. Das ständig steigende Volumen im Online Handel wird aber in kurzer Zeit kontinuierliches Wachstum auf 6000 Fahrten täglich mit 2000 LKWs pro Tag bringen. Der Ausbau auf 40 Hektar mit weiteren Logistik-Unternehmen lässt mindestens eine weitere Verdoppelung binnen fünf Jahren auf 12.000 Fahrten pro Tag erwarten.

Auf die Region Korneuburg rollt also eine regelrechte Verkehrslawine zu. Der tägliche Stau wird damit zur Norm. Dazu kommt Lärm rund um die Uhr - die Post hat derart viele Ausnahmegenehmigungen, dass sie 24 Stunden am Tag an 7 Tagen die Woche arbeiten und fahren darf. Die Region Korneuburg ist bereits ein Feinstaub-Sanierungsgebiet. Soviel Verkehr produziert natürlich enorm viel zusätzlichen Feinstaub. Dazu kommt eine nächtliche Lichtglocke, die über Kilometer hinweg die Gegend beleuchten würde, wie sich jeder bei den existierenden Zentren in Wien Inzersdorf, Allhaming, Wernberg oder Hall in Tirol ansehen kann.

Was tun?

Es gibt eine bereits sehr aktive Bürgerinitiative, die um Unterstützung unter www.lelog.at bittet. Am Donnerstag 14.12. wird im Rahmen eines nationalen Aktionstages auch beim PVZ Inzersdorf eine Demonstration gegen die Pläne mit dem Logistikzentrum Korneuburg stattfinden. Die Post ist sicherlich ein Schlüssel für die Realisierung dieser menschenfeindlichen Pläne. Die Demonstration findet am 14.12. ab 4:30 Uhr in der Früh vor dem Paket-Zentrum Wien Inzersdorf in der Richard-Tauber-Gasse statt. Wem die Zukunft der Region ein Anliegen ist, sollte sich unbedingt beteiligen.

Die Bürgerinitiative hat auch zwei Anträge zur Änderung von Gesetzen eingebracht, die die Post ungerechtfertigt bevorzugen. Diese liegen derzeit im Parlament und können auf der Homepage des Parlaments unterzeichnet werden.

Mit diesem Gesetzesantrag sollen für Logistikzentren eine UVP verbindlich vorgeschrieben werden, wie das zB Campingplätze, Einkaufszentren, Sportstätten, Straßenbau oder diverse gewerbliche Betriebe der Fall ist:
... zur Zustimmungserklärung Ergänzung UVP-G

Mit dieser Ergänzung des Postmarktgesetzes sollen auch Postdienstanbieter der Gewerbeordnung Unterworfen werden, damit sie wie jedes kleine  Unternehmen auch ein Betriebsanlagengenehmigungsverfahren durchführen müssen:
...zur Zustimmungserklärung Ergänzung Postmarktgesetz

Achtung: Eine Bestätigung der Unterzeichnung wird durch einen Klick auf einen Link in einer zugesandten Email verlangt.

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