400 Jahre Piaristenorden: Der Gründer missfiel der Amtskirche damals, aber bald wird gefeiert

Der Ordensgründer der Piaristen hl. Josef von Calasanz, Rom
4Bilder
  • Der Ordensgründer der Piaristen hl. Josef von Calasanz, Rom
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Simone Göls
Wann: 17.03.2017 11:00:00 Wo: Piaristenkirche, Krems an der Donau auf Karte anzeigen

Ein Sympathisant Galileo Galileis gründet vor 400 Jahren den Piaristenorden. Dies missfällt der Amtskirche und er wird deswegen abgesetzt.

Am 6. März 2017, begeht der Orden der Piaristen, dessen Gründer Josef von Calasanz ist, sein 400-jähriges Bestehen dh. die Anerkennung durch den Papst.

Insgesamt gehören im Jänner 2017 sechs Priester (der älteste davon KR P. Felix Schober, im Piaristenkollegium Krems, geb.1930) und sieben Kleriker (Studenten in Heiligenkreuz), darunter schon ein Diakon den österreichischen Piaristen an. Sechs Studenten kommen aus Indien, einer aus Deutschland. P. Gerneral(oberer) Pedro Aguado leitet auch die österreichische Provinz; vertreten wird er hier von Rektor P. Mirek Baranski. Die beiden Niederlassungen in der Diözese St. Pölten befinden sich in Krems und in Horn (in Wien die Häuser St. Thekla und Maria Treu).

In beiden Gotteshäusern finden sonntäglich Gottesdienste statt, wobei Horn von den Piaristen aus Wien betreut wird und in Krems P. Patrick Schöder OSB, Stift Göttweig, als Studentenseelsorger die Kirche betreut. Der Generalobere wird in Frühjahr erwartet, der genaue Termin wird uns erst sehr sehr knapp davor bekanntgegeben. Der Anerkennung der Piaristen vor 400 Jahren gedenken wir am ersten Fastensonntag, 5. März 17 beim Gottesdienst um 11 Uhr.
Im Sommer wird der Heiligsprechung des Ordensgründers des hl. Josef von Calasanz von 250 Jahren gedacht - beim Festgottesdienst am 27. August 2017.

Zur Geschichte:

Die Piaristen gehen auf die Gründung des Spaniers, des hl. Josef von Calasanz (1557-1648) zurück. 1597 errichtete er in zum Kloster der Kirche Santa Dorotea gehörenden Räumen im römischen Armenviertel Trastevere die erste kostenfreie Schule für arme Kinder.

Josef von Calasanz

Der aus einer adeligen Familie stammende Josef von Calasanz studierte Theologie und Philosophie in Spanien und erwarb die Doktorwürde. 1583 in Seu d` Urgell (Nordspanien) zum Priester geweiht, war er zuerst als Seelsorger und Generalvikar in seiner Heimat tätig. 1592 nach dem Tod seines Vaters verzichtete er auf das Erbe zugunsten einer kirchlichen Karriere und trat in Rom in den Dienst des Kardinals Marcattonio IV. Coloma. Er fand Zugang zu Kreisen, die für die Kirchenreform eintraten und wurde Mitglied vieler Bruderschaften. In Rom erlebte er die Verwahrlosung vieler Kinder, die ihre Eltern in vorangegangenen Seuchen verloren hatten. Dort erkannte er als die Aufgabe seines Lebens die Erziehung und Bildung der Kinder, besonders der vernachlässigten aus der Schicht der „Unterprivilegierten“, zu „Frömmigkeit und Wissenschaft (Wahlspruch des Ordens), das heißt – in unsere Sprache übersetzt – zu einem Leben aus Glaube und Weltverantwortung.

Eine damals neue Idee war, die Schüler nach dem Alter in „Klassen“ zu teilen. Andere hilfsbereite Lehrer und Priester schlossen sich dieser Idee an und bald schon wurden über 1000 Kinder unterrichtet und betreut. Eine unentgeltliche Volksschule für alle zu schaffen, wurde von den Päpsten gefördert, erregte aber auch Neid und Widerstand. 1605 übersiedelte die Schule ins Zentrum von Rom in ein größeres Haus bei der Kirche S. Pantaleo, das dann zum Generalat des Ordens wurde.
Josef von Calasanz leitete den Orden als Generaloberer, verfasste die Ordensregel und pädagogische Schriften. Weil er wollte, dass die Lehrer seiner Schule eine sehr gute Ausbildung erhielten, schickte er sie zu den besten Gelehrten seiner Zeit, so auch zu Galileo Galilei, was von der Kirchenleitung nicht hingenommen wurde. Josef von Calasanz wurde 1646 als Generaloberer abgesetzt und der Orden einer Strafaktion unterzogen, die erst 1659 zurückgenommen wurde. Der 91jährige Josef von Calasanz starb 1648 im ordenseigenen Haus hinter der Kirche S. Pantaleo. Sein Zimmer ist noch erhalten. Die Zunge und das unversehrte Herz des Heiligen sind ebenso wie sein Kelch und andere Gegenstände in der Reliquienkapelle im Haus aufbewahrt. Wegen seiner vielen Anfeindungen und Schicksalsschläge nannte man ihn auch den „Hiob des neuen Bundes“. 1948 erklärte Papst Pius XII. Josef von Calasanz zum Patron der christlichen Volksschulen. Sein Fest begeht die Kirche am 25. August. 1748 wurde er selig und vor 250 Jahren am 16.7.1767 heiliggesprochen.

Pompilius Maria Pirotti

Der zweite Ordensheilige Pompilius Maria Pirotti (1710-1766) wurde 1890 selig und 1934 heiliggesprochen. 1966 wurden seine Reliquien in die ihm geweihte Kirche in Campi Salentina übertragen. Der hochbegabte Prediger und Seelsorger soll die Gaben der Krankenheilung und Prophetie besessen haben. Er förderte in Italien die Verehrung des heiligsten Herzens Jesu und verfasste dazu 1765 ein Novene. Dies brachte ihm Anfeindungen und zeitweilig wurde ihm verboten zu predigen und die Beichte zu hören.

Die Gründung

Am 6. März 1617 wurde durch das Breve „ Ad ea per quae“ von Papst Paul V. eine neue Kongregation in der Kirche ins Leben gerufen. Es war die Paulinische Kongregation der Armen der Mutter Gottes von den Frommen Schulen (lateinisch Pauperum Matris Dei Scholarum Piarum) Nach dem Tod von Papst Paul V. fand Josef von Calasanz in Michelangelo Kardinal Tonti einen Mitstreiter für die Ordensgründung. Am 28. November 1621 erhob Papst Gregor XV. die Paulinische Kongregation zum Orden durch die Bulle „In Supremo Apostolatus“. Die Konstitution wurde 1622 approbiert.

Die Ausbreitung

Der Orden ist seit seiner Gründung vornehmlich in Italien und Spanien tätig. Schon neun Jahre nach der Approbation 1631 kam es zum ersten Standort nördlich der Alpen in Nikolsburg (Mikulov) in Mähren. Kurz darauf begannen sie ihre Tätigkeit in Österreich, Böhmen, Ungarn, der heutigen Slowakei und Polen. Bereits 1637 hatte der Orden 362 Mitglieder in sechs Provinzen mit insgesamt 27 Häusern.

Häuser in Österreich

1657 eröffneten sie Kollegium und Schule in Horn. Vierzig Jahre später kamen die ersten Piaristen nach Wien in die Josefstadt, wo sie 1701 den Schulbetrieb aufnahmen. 1756 wurde das Kollegium in St. Thekla in der Wieden eröffnet. Bereits 1752 entstand in St. Pölten (heute Rathausplatz 6) ein Kollegium mit Gymnasium, das nach Auflösung des Jesuitenordens auf den Wunsch Kaiserin Maria Theresias 1776 in das leerstehende Jesuitenkollegium in Krems übersiedelte. Neben den Stätten „Piaristischer“ Arbeit gab es z.B. die Tätigkeit am Theresianum in Wien (1773-1849) und an der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt (1769-1869). Zwischen 1747 und 1824 wirkten die Piaristen im Kollegium mit Schule in Gleisdorf bei Graz und zwischen 1762 und 1875 in Freistadt im Mühlviertel.

Noch vor anderen Schulorden haben sich die Piaristen in Österreich schon im 18. Jahrhundert um eine besondere Pflege der deutschen Sprache bemüht, wobei das Schwergewicht den Gebieten Predigt, Schultheater, Rhetorik und Schriftstellerei galt. Als besonderes Beispiel gilt der Mundartdichter P. Joseph Misson (geboren 1803 in Mühlbach am Manhartsberg + 1875 ) und sein in unterennsischer Mundart verfasstes Werk „Da Naz“. Auf musikalischem Gebiet ist der Musiker und Komponist P. Silverius Müller (geboren 1745 in Oberhöflein bei Geras + 1812) zu erwähnen.

Piaristen heute

Noch 1819 bestand die österreichische Provinz aus 121 Mitgliedern, davon 51 in Wien, 32 in Krems und 18 in Horn. Heute zählt der Piaristenorden in Österreich in seinen vier Niederlassungen (Wien - Maria Treu, Wien - St. Thekla, Horn und Krems) sechs Priester und fünf Studenten, die sich auf das Priesteramt vorbereiten.

Weltweit wirken derzeit auf allen Kontinente mit Ausnahme Australiens 1310 Piaristen, davon 987 Priester (Europa - gesamt 540 Priester - : 300 in Spanien, 82 in Italien, 74 in Polen, 53 in Ungarn, ... ; Amerika - gesamt 224 Priester - : 68 in Mexiko, 39 in den USA, 28 in Kolumbien, 25 in Argentinien,. .. ; Afrika - gesamt 112 Priester - : 31 in Kamerun, 31 in Senegal, ... ; Asien - gesamt 113 Priester - : 35 auf den Philippinen, 26 in Indien, ...) 58 Brüder und Diakone sowie 265 in Ausbildung (Europa: 33, Afrika: 72, Amerika: 63 und Asien: 35 Kleriker und weltweit 62 Novizen).

Sie leben in 217 Kollegien (119 in Europa - 50 in Spanien, 20 in Italien, 17 in Polen,... -, 44 in Südamerika, 25 in Nordamerika - 15 in Mexiko und 10 in den USA -, 21 in Afrika und 18 in Asien). Geplant sind Neugründungen in Mosambik und Peru oder in den 40 Ländern, wo sie bereits tätig sind. Sie führen drei universitäre Einrichtungen in Mexiko und Spanien.

In 199 Schulen beschäftigen sie 15.000 Lehrer und unterrichten 125.000 Schüler. Aber auch die Betreuung von 97 Pfarrkirchen und 135 anderen Gotteshäusern ist ihnen anvertraut.

Heute sind die Piaristen in der Berufsausbildung, der Betreuung von Kindern, Jugendlichen und Familien aber ebenso von Straßenkindern tätig. Einige Mitbrüder wirken in den Medien oder in der Kunst. In Puerto Rico ist ein Piarist auch Bischof. Zehn weibliche und männliche Ordensgemeinschaften, aus dem Geist des hl. Josef von Calasanz entstanden, haben sich im Laufe der Zeit ihrem Wirken angeschlossen, so z.B. die vom Arbeiterpriester Anton Maria Schwartz (1852-1934) 1889 in Wien gegründete „Kongregation für die christlichen Arbeiter vom heiligen Josef Calasanz“, die Kalasantiner. Papst Johannes Paul II. sprach Anton Maria Schwartz 1998 selig.

(Text: Mag. Peter Granser)

„Gott wollte von mir, dass ich den Kleinsten Gutes tue. Das werde ich wegen keiner anderen Sache der Welt aufgeben.“

Josef von Calasanz

„Wenn ein Kind von klein auf durch Frömmigkeit und Wissenschaft geprägt wird, wird sein Leben fast sicher glücklich verlaufen.“

Josef von Calasanz

JUBILÄUMSJAHR 2017

27.11.2016
Eröffnung des Jubiläumsjahres durch Kardinal de Aviz, Präfekt der Kongregation des geweihten Lebens und der apostolischen Gesellschaften in San Pantaleo, Rom

6.3.2017
genau vor 400 Jahren wurde die Paulinische Kongregation errichtet.

8.5.2017
Fest der seligen Jungfrau Maria, der Mutter Gottes von den Frommen Schulen

16.7.2017
Heiligsprechung Josef von Calasanz vor 250 Jahren

25.8.2017
Fest des hl. Josef von Calasanz

27.11.2017
Abschluss des Jubiläumsjahres durch P. General Pedro Aguado

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen