Schreiben gegen das Vergessen: 66.000 Namen auf dem Asphalt

Margarete Rabow sucht für ihre Intervention Freiwillige, die mit Kreide die Namen von Opfern der Shoah auf den Boden schreiben.
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  • hochgeladen von Christine Bazalka

LEOPOLDSTADT. "Man muss sich konzentrieren und kommt nach einiger Zeit in einen eigenen Rhythmus", sagt Margarete Rabow über das Schreiben für ihr Projekt. Gemeinsam mit Freiwilligen möchte sie der 66.000 österreichischen Jüdinnen und Juden, die im Holocaust ermordet wurden, gedenken.

Die Namen aller Opfer werden von Donnerstag, 21. Juni, bis Donnerstag, 28. Juni, mit weißer Kreide in der Prater Hauptallee auf den Asphalt geschrieben. Einer nach dem anderen, über die ganze Breite der Hauptallee: Die Strecke zwischen Beginn und Stadion wird gefüllt. Die Namen stammen vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands, das das Schicksal der österreichischen Juden während der NS-Zeit aufgearbeitet hat.

Zwei Kilometer Vernichtung

Verschiedene Aspekte sind Rabow und ihrem Mitorganisator Felix Stent an der Aktion wichtig: Einerseits geht es darum, das Ausmaß der Vernichtung des NS-Terrors sichtbar zu machen. "Die Zahl 66.000 kann man sich nicht wirklich vorstellen, und so, wenn man zwei Kilometer an den Namen entlanggeht, wird das veranschaulicht", sagt Rabow. Andererseits möchte Rabow Freiwilligen mit dem Schreiben die Chance geben, gemeinsam der jüdischen Opfer zu gedenken. Gerade im Gedenkjahr 2018 – der "Anschluss" Österreichs an Nazi-Deutschland ist 80 Jahre her – ist das wohl vielen ein Bedürfnis. Rabow empfiehlt, sich drei Stunden Zeit zu nehmen, um auch einen eigenen Rhythmus zu finden – wer weniger lange Zeit hat, ist aber natürlich auch willkommen. Es haben sich bereits 50 Einzelpersonen und 320 Schülerinnen und Schüler angemeldet – einige Schulklassen reisen sogar aus Graz an. Es können aber auch noch viel mehr werden: Je nachdem, wie lange eine Person schreiben will, können etwa 1.000 Menschen mitmachen.

Jüdische Leopoldstadt

Margarete Rabow, die in Frankfurt am Main wohnt, aber in Wien studiert hat und die Stadt gut kennt, hat das Projekt ursprünglich auf der Ringstraße gesehen. "Das war aber nicht möglich, und die Hauptallee passt eigentlich sehr gut." Immerhin lebten viele Wiener Jüdinnen und Juden – und damit auch viele der Opfer – in der Leopoldstadt. Darüber hinaus hofft Rabow auf reges Interesse von Spaziergängern und Sportlern. Die Vergänglichkeit des Projekts liegt in seiner Natur: Regen, Sonne, Füße und Räder werden die Kreideschrift bald unleserlich machen. Was bleibt, ist ein Film, der aus Fotos jedes einzelnen Namens entstehen wird.

Zur Sache:


Wer bei der Aktion mitmachen möchte, kann sich auf www.schreiben-gegen-das-vergessen.at anmelden. Kreide, Knieschoner und Einweghandschuhe werden bereitgestellt. Wer spontan während der Aktion vorbeikommt und mitmachen möchte, wird ebenfalls willkommen geheißen.

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