Kernhofer legt neue Studie zu Mauthausen vor

Die Studie "Mauthausen vor Gericht" ist im Buchhandel erhältlich.
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  • Die Studie "Mauthausen vor Gericht" ist im Buchhandel erhältlich.
  • Foto: KZ-Gedenkstätte Mauthausen/Holly Kellner
  • hochgeladen von Melanie Grubner

KERNHOF/WIEN. Zwischen 1945 und 1993 wurden in ganz Mitteleuropa mehr als 500 Personen (darunter eine Frau) vor Gericht gestellt, weil sie verdächtigt wurden, im KZ Mauthausen oder einem der über 40 Außenlager Verbrechen begangen zu haben.

Großes öffentliches Interesse

Der aus Kernhof stammende Zeithistoriker und Obmann der Gedenkinitiative St. Aegyd (GISTA), Christian Rabl, hat erstmals die Gesamtheit dieser Nachkriegsprozesse wissenschaftlich beleuchtet. Seine Studie „Mauthausen vor Gericht“ wurde kürzlich im Radiocafé des Wiener Funkhauses unter großem Publikumsinteresse der Öffentlichkeit präsentiert. „Die Mauthausenprozesse in Dachau oder die Volksgerichtsverfahren sind zumindest einigen Menschen bekannt, der Rest der Verfahren, etwa in Polen, der DDR oder in Tschechien, wurde bisher noch nie systematisch beleuchtet“, erzählt Rabl, der für seine Studie letztes Jahr auch den erstmals ausgelobten Mauthausen-Memorial-Forschungspreis erhalten hatte.

Zwei Ägyder KZ-Täter abgeurteilt

Auch die im Außenlager St. Aegyd begangenen Verbrechen werden in dem Buch thematisiert, zwei Personen wurden dafür vor Gericht zur Verantwortung gezogen. „Willi Auerswald, der ehemalige Lagerführer von St. Aegyd, wurde in Dachau von einem amerikanischen Militärgericht 1947 zum Tod durch Erhängen verurteilt, später zu lebenslanger Haft begnadigt und schon 1954 freigelassen“, führt Rabl ein klassisches Beispiel der Nachkriegsjustiz zu Mauthausen an. Auerswalds Stellvertreter in St. Aegyd, der aus dem Weinviertel stammende SS-Rapportführer Anton Perschl, stand gleich zweimal vor einem Volksgericht in Wien, kam aber letztlich mit wenigen Monaten Haft davon.

Leichte Rückkehr in Gesellschaft

„Es fällt auf, dass es verurteilten SS-Männern und Zivilisten nach Absitzen ihrer Haft meist ganz leicht fiel, in die Nachkriegsgesellschaft zurückzukehren, während verurteilte frühere Funktionshäftlinge sich wesentlich schwerer taten“, fand Rabl heraus, dass viele Vorurteile aus der NS-Zeit sowohl von den alliierten Behörden, als auch von der Justiz in Deutschland und Österreich oft nahtlos übernommen wurden.
Das Buch „Mauthausen vor Gericht. Nachkriegsprozesse im internationalen Vergleich“ ist als Band 13 der Reihe Mauthausen-Studien im Verlag New academic Press erschienen und im Buchhandel erhältlich.

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