27.10.2016, 10:44 Uhr

Bei Symptomen rasch reagieren

In St. Isidor in Leonding erhalten betroffene Kinder und deren Familien eine umfassende Betreuung. (Foto: Caritas)
Früherkennung ist der Schlüssel für erfolgreiche Behandlung von Kindern mit Psychoproblemen.

LEONDING (wom). 20 Prozent aller Kinder und Jugendlichen bis 18 Jahren weisen zumindest zeitweise Verhaltensauffälligkeiten auf oder leiden unter einer Beeinträchtigung der psychischen Befindlichkeit. Bis zu sechs Prozent dieser Kinder bräuchten eine jugendpsychiatrische Behandlung – davon gehen internationale Studien aus. In Oberösterreich wären demnach rund 16.000 Kinder und Jugendliche betroffen. Verschiedene Therapien können Langzeitbeschwerden minimieren, wenn psychische Probleme früh erkannt werden. Hier sind vor allem die Eltern gefragt. "Im Grunde sind Eltern 'Experten' für ihre Kinder. Sie haben im Idealfall eine gute Intuition, wenn beim Kind, auch beim sehr kleinen Kind, etwas nicht stimmt", erklärt Gertraud Assmann, Geschäftsführerin der Caritas für Menschen mit Behinderung in St. Isidor in Leonding. Vor allem markante Übergänge, wie der Einstieg in den Kindergarten oder in die Schule, seien immer Risikofelder für das Entstehen von emotionalen und sozialen Problemen. Hier sind oft Hinweise von Außenstehenden wie Kindergärtnern, Lehrern oder guten Freunden hilfreich, die die Situation von außen betrachten. Die Expertin rät Eltern, genau zu beobachten, warnt aber auch vor Schnellschüssen. "Solange pädagogische Probleme einzelne Phasen sind, würde ich das als normal bezeichnen. Ziehen sich diese aber über ein halbes Jahr und mehr hin und wenn dazu der Leidensdruck sehr groß ist, sollte Hilfe überlegt werden", betont Assmann.
In St. Isidor kann man auf eine langjährige Erfahrung in diesem sensiblen Bereich zurückgreifen und Betroffenen eine breite Palette an Angeboten bieten. Etwa das Projekt Meander, welches sich an Eltern von Kindern mit Beeinträchtigung richtet. Natalie Köckerbauer, alleinerziehende Mutter aus Linz, nahm dieses Angebot in Anspruch. "Etwa vor drei Jahren wurde Rene zu Hause verhaltensauffällig. Im Kindergarten ist es weniger aufgefallen, aber zuhause war er aggressiv und unkontrollierbar. Ich verzweifelte, habe mich selbst als Mutter in Frage gestellt", erzählt Köckerbauer.

Suche nach Hilfe

Nachdem ihr Sohn ihr dann von Albträumen erzählte hatte und sie beobachtet hatte, dass er während der Nacht krampfte, brachte sie ihn zum Arzt. In der Kinderklinik wurde die Diagnose Epilepsie gestellt. Köckerbauer wandte sich an die Einrichtung St. Isidor und stieß auf das Projekt Meander. "Die Krämpfe werden dank Behandlung und Therapie besser", zeigt sich die Mutter erfreut, die aber auch betont, sich im Vorfeld auf der Suche nach Unterstützung hilflos gefühlt zu haben. „Bis ich Meander gefunden habe, bin ich von einer Stelle zur nächsten gelaufen. Es war nerven- und kräfteraubend. Dabei hätte ich die Zeit eigentlich für Rene gebraucht. Umso wichtiger ist es, dass es mit dem KIJUK nun eine Stelle gibt, die viele Angebote bündelt und auch für alle Anliegen der Eltern ein offenes Ohr hat." Das Kompetenzzentrum für Kinder und Jugendliche KIJUK wurde kürzlich in St. Isidor eröffnet und vereint sämtliche Therapien und Behandlungen unter einem Dach.

KIJUK St. Isidor

Das Kompetenzzentrum für Kinder und Jugendliche KIJUK steht Kindern und Jugendlichen aus Linz und Linz-Land kostenlos bis zu ihrem 19. Lebensjahr zur Verfügung. Das Leistungsangebot umfasst neben einer medizinischen Abklärung, einer klinischen und Gesundheitspsychologie und Physiotherapie auch verschiedene Therapien wie Ergotherapie, Logopädie oder tiergestützte Therapien. Weiters gibt es auch sozialpädagogische und heilpädagogische Angebote, um die Kinder und Jugendlichen in ihrer Entwicklung zu fördern. Zudem werden Beratung und Begleitung für Familien und deren soziales Umfeld, Eltern-Austauschgruppen und Vorträge zu verschiedenen Erziehungsfragen sowie eine umfassende Sozialberatung angeboten. Nähere Informationen zum Kompentenzzetrum in St. Isidor gibt es unter www.caritas-linz.at

Kommentar: Wenn notwendig, Hilfe annehmen

"Buben sind halt lauter und lebhafter oder Mädchen sind von Haus aus etwas introvertierter." Wer kennt nicht diese Aussagen, die oft mal fallen, wenn ein Kind etwas aus der Reihe tanzt. Meistens treffen diese allgemeinen Weisheiten auch zu. Doch es gibt auch Fälle, wo professionelle Hilfe notwendig wäre. Und hier gilt: je früher, desto besser. Für Erziehungsberechtigte gibt es nach wie vor eine Hemmschwelle, mit dem Kind einen Experten aufzusuchen. Viel zu groß ist die Scham, vielleicht als schlechte Eltern dazustehen oder unter den Verdacht zu geraten, mit der Erziehung nicht fertig zu werden. Doch genau diese falsche Scham könnte sich als Fehler entpuppen. Kinder sind lebhaft und es gibt Phasen, in denen die Erziehung nicht einfach ist, das ist normal. Wenn es aber notwendig ist, sollte man Hilfe auch annehmen.
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