Linzer Torte: älteste Botschafterin der Stadt
- Die fruchtige Linzer Trote nach einem Rezept von Waltraud Faißner.
- Foto: Foto: Faißner
- hochgeladen von Gabriele Hametner
Bücher, Süßes und Kochen sind ihre Leidenschaft. Verbunden mit ihrem Beruf als Leiterin der Bibliothek des Landesmuseums hat Waltraud Faißner die ältesten Linzer Torten-Rezepte aufgespürt und dabei die Linzer Konditoren aufgedeckt.
Seit Waltraud Faißner mehr als 70 historische Linzer Torten-Rezepte für ihr Buch gesammelt hat, sagt kein Linzer Konditor mehr, er habe DAS Originialrezept. Denn ein solches gibt es nicht. Es hat jeder sein familieninternes Originalrezept. "Die Linzer Torte ist die älteste Torte, die nach einem Ort benannt ist und man kennt sie überall auf der Welt. Egal ob in Korea, Israel oder sonst wo. Einen besseren Botschafter gibt es nicht, als einen kulinarischen", sagt Faißner. Das älteste Rezept, dass sie bisher gefunden hat, stammt aus einem adeligen Kochbuch aus dem Jahr 1653, dass sie im Stift Admont in der Steiermark entdeckt hat. Es sind aber nicht nur alte Bücher, die Rezepte bewahrt haben: "Es ist vor allem den Hausfrauen zu verdanken, dass die Rezepte überliefert werden. In den Familien gibt es die besten Rezepte, weil nur die guten von Generation zu Generation weitergegeben werden", sagt Faißner.
70 Rezepte in rund drei Monaten
"Ich habe alle Rezepte übersetzt und dann selber ausprobiert. In drei bis vier Monaten habe ich sie gebacken. Meine Familie hatte schon das Grausen" lacht Faißner. Sie selbst bekommt aber nicht zu viel von der Linzer Torte. Die dunkle, saftige Torte war in ihrer Familie immer ein fixer Bestandteil beim Sonntagsfrühstück. "Die Linzer Torte ist ein Kind des Barock und eine sehr üppige Torte. Sie darf auch nicht stauben und muss unbedingt zwei bis drei Nächte ziehen, bevor man sie isst", sagt Faißner. Sie selbst hat mehrere verschiedene Lieblingsrezepte, eines hat sie aber auch der StadtRundschau verraten:
Linzer Torte (hell, fruchtig)
140 g Butter
2 Eidotter
140 g geriebene, ungeschälte Mandeln
140 g Zucker
140 g Mehl
abgeriebene Schale und Saft einer halben Naturorange
Nelkenpulver, Neugewürz (Piment)
Ribiselmarmelade (rote Johannisbeeren)
Die Butter flaumig abtreiben und die Eidotter einzeln einrühren. Mandeln, Zucker und Mehl unterziehen, auch Orangenschale und -saft, sowie die Gewürze. Eine Tortenform mit Backpapier auslegen, zwei Drittel des Teiges einfüllen. Den Teig mit Ribiselmarmelade bestreichen und vom letzten Drittel ein Gitter auf die Torte machen (entweder spritzen oder kneten, je nach Festigkeit, evtl. zum Rollen mit ganz wenig Mehl verstärken).
Bei 175° 50 Min. backen. Sobald die Marmelade auch in der Mitte der Torte blubbert, ist die Torte gar.
Tipp: Es handelt sich um ein altes, handgeschriebenes Rezept der Linzer Torte. Da wird vorgeschlagen, die fertige, abgekühlte Torte mit einem "Eis" zu verzieren. Dabei handelt es sich um eine Zitronenglasur aus 150 g Zucker, mit Zitronensaft dickflüssig verrührt.
Man kann diese Glasur tropfenweise auf der Tortenoberfläche verteilen, was die Fruchtigkeit noch erhöht. Bitte die Torte mindestens über Nacht ziehen lassen.
LINKS
Die historischen Rezepte hat sie in ihrem Buch "Linzerische Torten auf andere Art" im Jahr 2010 veröffentlicht. Die übersetzten historischen Backanleitungen kann man aber auch auf www.alteskochbuch.at nachlesen.
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