solarCity verliert letztes Fachgeschäft

Nichts geht mehr für den Paper Store in der Solar City.
  • Nichts geht mehr für den Paper Store in der Solar City.
  • hochgeladen von Christian Diabl

"Du, ich bin nur mehr bis Samstag da, wenn du noch was brauchst", informiert Christian Hummler einen Stammkunden, den er auf dem Lunaplatz trifft. In diesen Tagen führt er viele solche Gespräche, denn einen Großteil seiner Kunden kennt er persönlich. Das war auch die Idee der Geschäftsflächen mitten in der solarCity. Die rund 4.000 Bewohner sollten ihre Einkäufe vor Ort erledigen können, wie auch der Slogan "Denn das Gute liegt so nah" verspricht.

Begeistert von der solarCity

Christian Hummler war begeistert vom neuen Stadtteil im Süden von Linz. So begeistert, dass er 2004 nicht nur mit seiner Familie hergezogen ist, sondern auch gleich das Buch- und Papierfachgeschäft "Paperstore" eröffnet hat. Hier konnte man bis vor kurzem Spielwaren, Merchandise, Kinderbücher, Bastelsachen und Süßigkeiten kaufen. Am Anfang ist der kleine Laden gut gelaufen, vor allem Schüler schauten regelmäßig vorbei und griffen bei ihm in die Süßigkeitendose, ganz so, wie er es selbst noch aus seiner Kindheit kannte. In den letzten fünf Jahren sind die Umsätze jedoch stark zurückgegangen, 50 Prozent weniger waren es zuletzt. Die Ursachen sind vielfältig. Die Kinder aus der Anfangszeit sind jetzt alle über 20 und die heutige Generation hätte andere Interessen, sagt Hummler. Die würden sich nicht mehr so oft auf dem Platz aufhalten und wenn, dann nur noch in ihr Smartphone starren. Hinzu kommt, dass immer mehr Menschen online einkaufen und der 2013 eröffnete, nur zehn Autominuten entfernte, Shopping Park in Asten ebenfalls viele Kunden abgezogen hat. Dafür sind Miete und Betriebskosten über die Jahre um cirka 25 Prozent gestiegen. Zu viel für den Paperstore, deshalb war am 30. Juni Schluss. 

Vom Nahversorger zum Notversorger

So wie Hummler geht es vielen Geschäftsleuten in der solarCity. Die Fluktuation ist hoch. Aus Nahversorgern wurden im Laufe der Jahre Notversorger, die Kunden kamen nur mehr, wenn sie etwas vergessen hatten und noch schnell brauchten. Aufgeben wollte Hummler jedoch nicht: "Ich hatte das Gefühl neue Geschäftsmodelle entwickeln zu müssen." So fuhr er mit Verkaufsständen auf Comicmessen, organisierte Buchausstellungen in Schulen, startete eine Facebookseite und machte sogar mit Straßenbahnwerbung auf sein Geschäft aufmerksam. Gemeinsam mit anderen Geschäftsleuten hat er im Herbst 2017 eine "Interessengemeinschaft solarCity" gegründet – nicht die erste. Es wurden Flyer gedruckt und ein Bauernmarkt auf den Lunaplatz geholt, um das Areal zu beleben. Geholfen hat alles nichts. Auch die Beteuerungen von Politikern haben nichts an der Situation geändert, Unterstützung bekämen die Geschäftsleute kaum. Vor allem von den Eigentümern des Gewerbezentrums, der Stadt Linz und auch der WKO fühlt sich Hummler im Stich gelassen.

Neues Glück in Enns

Nach wie vor von seinem Konzept überzeugt, wollte Hummler unbedingt weitermachen und hat sich nach einem alternativen Standort umgesehen. Fündig wurde er in Enns, wo es gerade intensive Bemühungen gibt, das Stadtzentrum wieder zu beleben. Hier findet er all das, was er in der solarCity so schmerzlich vermisst: engagierte Kommunalpolitiker, ein innovatives Stadtmarketing und attraktive Angebote für Gewerbetreibende und Kunden. Schon bald wird er hier den Paperstore als "Pop-Up-Store" eröffnen. In den ersten sechs Monaten zahlt er nur Betriebskosten, statt 60 hat er nun 175 m2 in einem 600 Jahre alten Haus. Kaffeehäuser und Events sorgen für Frequenz und Kunden können von 12 bis 14 Uhr gratis parken. Auch in der Kurzparkzone ist die erste halbe Stunde gratis. Die Werbekosten werden von der EU übernommen. Der neue Paperstore ist künftig in der "kleinen Landstraße von Enns", in der Linzer Straße 15, zu finden. Eröffnet wird schon kommende Woche, eine Feier wird es Anfang September geben. Privat nach Enns ziehen wird Hummler aber trotzdem nicht, denn die Wohnqualität sei in der solarCity immer noch "ganz toll".  

Autor:

Christian Diabl aus Linz

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