Kulturplattform OÖ
"Freie Kulturszene noch stärker gekürzt als geplant"

Bei einer Pressekonferenz informierten die KUPF OÖ sowie zwei Kulturvereine über die aktuell schlechte finanzielle Lage der Kulturszene in Oberösterreich.
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Die oberösterreichische Freie Kulturszene klagt über noch stärkere Budgetkürzungen des Landes OÖ als angenommen. Die Auswirkungen seien etwa höhere Eintritts- und Getränkepreise und weniger Vielfalt in den kulturellen Angeboten.

LINZ. Trotz anders lautender Zusagen seien die 2017 angekündigten Kürzungen für zeitgenössische Kultur seitens des Landes OÖ noch höher ausgefallen, als vereinbart, heißt es seitens der enttäuschten Kulturszene. Zwar seien schon damals alle Forderungen abgelehnt worden. Bei einem Runden Tisch wäre aber zugesagt worden, die Kürzungen mit Rücklagen aus 2017, abzufedern. Nach Durchsicht des Rechnungsabschlusses 2018 kam die Kulturplattform Oberösterreich (KUPF) zu dem Schluss, dass diese Zusagen nicht eingehalten wurden.  In Summe wären nochmals 1,2 Millionen Euro gekürzt oder umgeschichtet worden, die eigentlich für die Kulturvereine reserviert waren.

Zusage im Jahr 2017

Rückblick: Im Herbst 2017 kündigte das Land OÖ starke Kürzungen bei den Kulturförderungen an. Die kurzfristig von der KUPF und weiteren Kulturverbänden ins Leben gerufene Kampagne „Rettet das Kulturland OÖ“ wurde innerhalb weniger Wochen von insgesamt 17.240 Personen unterstützt. Die Kürzungen wurden trotzdem im Dezember 2017 im Landtag beschlossen. Jedoch kam es zu zwei Runden Tischen mit Landeshauptmann Thomas Stelzer und der Landeskulturdirektion, bei denen diese zwar alle Vorschläge der KUPF und anderer Interessenvertretungen wie IG freie Theater, die Grazer Autorenvereinigung und der Hochschülerschaft ablehnten, jedoch eine Zusage machten: Es wurde vereinbart, die gebildeten Förderrücklagen aus dem Jahr 2017 für 2018 zu verwenden, sagt KUPF-Geschäftsführer Thomas Diesenreiter. Damit wäre es möglich gewesen, auf einen Großteil der Kürzungen bei den zeitgenössischen Kunst- und Kulturinitiativen sowie den Künstlern zu verzichten.

Geld in andere Förderbereiche verschoben

Aus einer Analyse des Rechnungsabschlusses des Jahres 2018 gehe laut KUPF jedoch hervor, dass das Land OÖ sogar noch weitere 200.000 Euro an Fördergeldern nicht ausbezahlt habe, also weiter gekürzt wurde. Außerdem sei das Kultur-Förderbudget von knapp einer Million Euro in andere Förderbereiche verschoben und so anderweitig verwendet worden. Dadurch seien insgesamt um 1,2 Millionen Euro weniger als ursprünglich geplant zur Verfügung gestanden.

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Hohe Kulturförderung für KTM

Brisantes Detail: Der österreichische Motorrad- und Sportwagenhersteller KTM erhielt eine Kulturförderung von 600.000 Euro vom Land OÖ für die "Förderung von Dauerausstellungen und Museen". Im selben Jahr hätte der Konzern 114 Millionen Euro Gewinn gemacht, kritisiert Diesenreiter.

Kürzungen schaden Kulturvereinen

„Es ist unverständlich, warum das Land OÖ trotz vorhandener finanzieller Mittel seine Kulturvereine kürzt und ihnen damit schadet. Wo sollen die Parov Stelar's und Bilderbuch's von morgen noch ihre Bühnenerfahrungen sammeln?“, fragt Diesenreiter.

Auswirkungen im Kulturbereich

Die Folgen der Kürzungen sind etwa ein schlechteres kulturelles Angebot, höhere Eintrittspreise sowie weiter verschärfte Produktionsbedingungen in Kunst und Kultur. 

„Die KAPU wurde 2018 gleich um 20 Prozent gekürzt. Dadurch wurden nicht nur Eintrittspreise teurer, sonders es wurde auch deutlich schwieriger für uns, experimentelle oder unbekannte Bands auf die Bühne zu stellen, denn das finanzielle Risiko ist gestiegen“, so Sarah Praschak, Vorstandsmitglied des Linzer Kulturvereins KAPU.

Günther Ziehlinger, stellvertretender KAPU-Geschäftsführer bestätigt das:

„Die Folgen der Kürzungen betreffen besonders junge Künstlerinnen und Künstler. Ohne die neue Bar, wäre die KAPU schon unter gegangen.“

Laut Ziehlinger wäre ein Schritt in die richtige Richtung, wenn die Kulturförderungen an die Inflation angepasst werden würden.

Neue Proteste angekündigt

Angesichts der Situation hat die KUPF für Herbst neue "Kampfmaßnahmen gegen die Politik des Aushungerns des Kulturlandes OÖ" angekündigt. 

Land weist Kritik zurück

In einer ersten Stellungnahme kann Kulturdirektor Reinhold Kräter die Kritik nicht nachvollziehen. Er verweist darauf, dass auch Pflichtausgaben sowie Ausgaben für landeseigene Kultureinrichtungen, zeitgenössische Kunst unterstützen würden.

"Wir stehen in laufendem Kontakt mit den Vertreterinnen und Vertretern der KUPF, den oberösterreichischen Künstlerinnen und Künstlern sowie Förderwerbern und werden das auch weiterhin sein“, so Kräter.

Autor:

Carina Köck aus Linz

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