Fernseher allein bringt nix
Wie Linzer Gastronomen WM-Umsatz liegen lassen
- hochgeladen von Aleksei Bespechnyi
Die WM 2026
läuft auf Hochtouren, die Viertelfinals stehen an und Österreich? War leider nicht dabei, die Enttäuschung über die verpasste Qualifikation sitzt tief. Doch während die einen noch hadern, brüllt das ganze Land trotzdem vor den Bildschirmen. Die WM ist ein Spektakel, und Linz macht da keine Ausnahme. Und genau hier trennt sich die Spreu vom Weizen: Die einen Lokale benehmen sich wie ein aufgeladener Porsche auf der Startbahn. Die anderen wie ein rostiges Fahrrad am Hauptbahnhof.
In Linz haben ein paar Wirte etwas Geniales getan. Sie pachteten eine Wiese, stellten riesige Leinwände auf, erhöhten die Bierpreise und die Leute strömten in Scharen herbei, als gäbe es Freibier vom Fass. Und der Rest der Lokale? Diese Geschäftsgenies schalteten einfach ihren Fernseher ein und warteten. Wissen Sie, was sie bekamen? Nichts. Absolut nichts. Eine Ausbeute von null Komma null.
Dabei ist die Datenlage glasklar. Während der EURO 2024 meldete der deutsche DEHOGA: Gaststätten mit vernünftigen Leinwänden erzielten an Spieltagen 40 bis 50 Prozent mehr Umsatz. In manchen Städten schnellten die Bierverkäufe um 60 Prozent in die Höhe. Die Gäste kamen, blieben drei Stunden und bestellten, als würde am nächsten Tag die Prohibition eingeführt. Der Durchschnittsbon wuchs um ein Drittel denn niemand kann „TO-O-OR!“ schreien und dabei ein leeres Glas in der Hand halten.
Jetzt, wo die K.-o.-Phase läuft und jedes Spiel ein Finale ist, wird der Unterschied zwischen cleveren und trägen Wirten noch deutlicher. Die Spiele werden dramatischer, die Nächte länger, die Stimmung explosiver und der Durst größer. Wer jetzt keine Leinwand hat, hat ein Problem. Wer keinen Plan hat, erst recht.
Jetzt schauen wir noch einmal auf die armen Tropfe in Linz, die einfach den Fernseher eingeschaltet haben. Deren Logik: „Wir haben einen Fernseher fast wie der Nachbar, nur ohne Leinwand und ohne Atmosphäre.“ Ein Gast kommt herein, sieht das trübe Bild, hört einen Ton, als würde der Kommentator aus einem Blecheimer brüllen und geht dorthin, wo es Wiese, Großbild und Stimmung gibt. Und wo das Bier vielleicht sogar teurer ist. Aber das ist den Leuten in der Hitze des Viertelfinales völlig egal.
Dabei war die Lösung so einfach. Einen Marketing-Menschen auf Teilzeit anstellen. Für kleines Geld. Jemanden, der kein Bier zapfen kann, aber Ideen. Selbst jetzt, mitten im Turnier, könnte so jemand noch drehen, was zu drehen ist.
Was so jemand anstellen würde jetzt, wo die Viertelfinals laufen
1. Turbo-Sichtbarkeit. Die Konkurrenz hat die Wiese? Sie rufen: „Klimatisiert, kein Regenrisiko, perfekte Sicht aufs Elfmeterschießen.“ In den verbleibenden Tagen ist das Wetter unberechenbar ein überdachter Biergarten oder klimatisierter Innenraum ist plötzlich ein Trumpf. Kommunizieren Sie ihn.
2. Last-Minute-Pakete. Keine Zeit mehr für Vorverkauf? Dann eben jetzt: „Viertelfinal-Abend: Eine Runde Schnitzel + zwei Bier = 25 Euro.“ Plakate an die Tür, Story auf Instagram, ein Post in der lokalen Facebook-Gruppe. Dauert zwanzig Minuten. Bringt Gäste.
3. Kurze Wege, schnelle Drinks. In der Halbzeitpause eines Viertelfinals herrscht Ausnahmezustand. Wer clever ist, zapft vor und stellt Tabletts mit vollen Gläsern bereit. Der Gast will nicht warten. Der Gast will schreien und trinken. Wer ihn warten lässt, verliert.
4. Stimmung zum Nulltarif. Ein paar Österreich-Fahnen an die Wand, ein HandyVideo vom Public Viewing, Hashtag des Lokals drunter schon sind Sie im Gespräch. Die Leute wollen Teil von etwas sein. Geben Sie ihnen das Gefühl, dass genau HIER die beste Stimmung der Stadt herrscht. Auch ohne eigenes Team.
5. Nach dem Spiel ist vor dem Finale. Wer jetzt Gäste hat, sammelt Kontakte. „Tragt euch ein, dann reservieren wir euch fürs Halbfinale den besten Tisch.“ In zwei Wochen können Sie einen Stammtisch aufgebaut haben, der Ihnen das ganze nächste Jahr treu bleibt.
Die einen Wirte machen selbst eine WM ohne österreichische Beteiligung zum Umsatzturbo. Die anderen sitzen da und warten, dass der Braten vom Himmel fällt und ihnen eigenhändig das Bier einschenkt. Wird nicht passieren. Die Viertelfinals laufen. Es ist noch nicht zu spät. Aber die Uhr tickt.
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