TIPICO BUNDESLIGA
"Das Gesamtpaket hat nicht mehr gestimmt"

Jürgen Werner hat beim LASK das Gesamtpaket im Fokus: Dominik Thalhammer soll den Verein nach vorne bringen.
  • Jürgen Werner hat beim LASK das Gesamtpaket im Fokus: Dominik Thalhammer soll den Verein nach vorne bringen.
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  • hochgeladen von Benjamin Reischl

LASK-Sportvorstand Jürgen Werner spricht im StadtRundschau-Interview ausführlich über die Ereignisse der letzten Tage.

LINZ (rei). Für viel Wirbel, Emotionen und Aufregung sorgte letzten Freitag die Entlassung von Trainer Valerien Ismael beim LASK, der anfänglich wie zahlreiche Experten und Fans diese Entscheidung nicht verstehen konnte. Die StadtRundschau hatte die Möglichkeit, mit Jürgen Werner, dem Sportvorstand des LASK, ein Interview zur aktuellen Situation zu führen.

Herr Werner, die letzten Tage waren bestimmt keine leichten. Haben sich mittlerweile die Wogen wieder geglättet?
Werner: Wir haben selbst nicht damit gerechnet, dass diese Entscheidung eine solch große Welle schlägt. Man muss im Nachhinein sagen, dass es in einer gewissen Art unglücklich war und wir schneller in der Öffentlichkeit reagieren hätten müssen. Vor allem, weil dann plötzlich kolportiert wurde, dass nicht nur Valerien Ismael den Verein verlässt, sondern auch Harry Gartler und ich. Das stand aber zu keiner Zeit zu Debatte.

Die Ungewissheit war nämlich groß und viele Fans hatten Angst, dass Jürgen Werner dem LASK den Rücken kehrt.
Von großer Wichtigkeit ist mir, zu betonen, dass zwischen Siegmund Gruber und mir nicht einmal ein Löschblatt Platz hat. Auch wenn man, und das gehört dazu, ab und an einmal unterschiedlicher Meinung ist, ein Rücktritt niemals im Raum gestanden ist.

Nun wurde in diversen Onlinemedien vom großen Bruch zwischen Gruber, Ismael und Werner gesprochen – wie nimmt man so etwas wahr?

Wir bereits erwähnt, stand das, insbesondere was das Verhältnis zu Siegmund Gruber betrifft nie, im Raum. Das Ganze ist in einer Art und Weise unglücklich gelaufen.

Vor allem dürfte Valerien Ismael so ganz und gar nicht damit gerechnet haben.
Vale war natürlich überrascht und verärgert. Keiner hat sich diese Entscheidung zu irgendeinem Zeitpunkt leicht gemacht. Wir wollten am Samstag in aller Ruhe die Bestellung von Dominik Thalhammer präsentieren, das war uns aber durch den Gang in die Öffentlichkeit von Ismaels Berater nicht mehr möglich.

Nun ist Sommerpause, die Spieler sind von einer langen Saison ausgepowert, dazu das vielzitierte Corona-Training – wäre nicht jetzt der passende Zeitpunkt gewesen, Ruhe für die neue Saison zu schaffen?
Natürlich, und ich hoffe, dass mit Start der neuen Saison diese einkehrt und wir ein neues Kapitel starten können. Eine ähnliche Situation konnte man in Gladbach beobachten, wo Trainer Dieter Hecking ebenso entlassen wurde, die Entscheidung anfänglich ganz und gar nicht verstanden hat. Ich bin davon überzeugt, sobald die erste Wut weg ist, dass Vale unseren Standpunkt verstehen wird. Dem Verein und mir war wichtig, das große Ganze im Blick zu behalten. Ich schätze den Menschen und Trainer Valerien Ismael über alles.

Kritiker meinen, man hätte die Arbeit von Ismael im Nachhinein nicht geschätzt.
Wer 54 Punkte aus 22 Runden holt, macht das nicht, weil er Glück hat, sondern da gehört Können, Fleiß und Erfahrung dazu. Allerdings haben wir ab der Pause beobachten können, dass der Flow verloren geht, obwohl Salzburg Nerven gezeigt hat. Insbesondere hat man in den letzten Spielen gesehen, dass wir ganz und gar nicht schlecht spielen, aber schlichtweg die Punkte nicht mehr gemacht haben. Zwischenzeitlich haben wir nach den zwei Siegen über Sturm und Hartberg aber geglaubt, die Kurve bekommen zu haben. Den Trainerwechsel mit der Corona-Pause rechtfertigen zu wollen, wäre falsch. Es ging um das Gesamtpaket und das hat am Ende nicht mehr gestimmt.

Am Montag schrieben dann einige Zeitungen und Portale davon, dass eine Spielerrevolte für den Umsturz gesorgt hätte. Oder räumt man den Spielern eine gewisse Reflexionsfähigkeit ein?
Wir handhaben das wie in jedem Betrieb und nehmen uns der Gedanken und Sorgen unserer Spieler an. Ich finde es unumgänglich, dass man den Spielern Gehör schenkt, denn das hat auch etwas mit Vertrauen zu tun. Schlussendlich ist es auch darum gegangen, die Kabine, darunter verstehe ich den Stamm, der ja mittlerweile seit vielen Jahren bei uns ist, zu halten. Zwischen dem Zuhören und Entscheiden ist aber ein evidenter Unterschied. Entscheidungen werden von der sportlichen Leitung, dem Verein im Gesamten getroffen.

Sie haben den Stamm angesprochen. Mit Joao Klauss und Samuel Tetteh haben bereits zwei Spieler den Verein verlassen. Peter Michorl hat ebenso seinen Abschied angekündigt. Hat man hier Qualität unwiederbringlich verloren?
Natürlich haben die genannten Spieler ihren Teil zum diesjährigen Erfolg beigetragen, wir sind am Transfermarkt auch schon aktiv gewesen und haben mit Mads Madsen und Mamoudou Karamoko zwei Spieler mit großem Potential geholt, von deren Qualität auch unser neuer Trainer überzeugt ist.

Fans fordern große Namen, Brecher im Sturm, die 20 Tore und mehr erzielen. Ist das beim LASK nicht möglich oder schlichtweg dem System geschuldet, dass man die Tore auf eine breite Offensive "verteilt"?
Sie haben im Grunde bereits darauf verwiesen, dass wir in unserem System auf die breite Basis setzen. Mit Raguz, Frieser, Karamoko und Balic sind wir gut aufgestellt, dazu sind wir davon überzeugt, dass Thomas Goiginger nach seiner Verletzung wieder zu alter Stärke findet. Ich höre es immer wieder, "Jürgen, der LASK braucht einen Brecher im Sturm", aber das ist nicht einfach, erstens muss man solche finden, zweitens sucht solche die gesamte Fußballwelt.

Mit Peter Michorl hat ein Spieler ganz offenkundig angesprochen, den Verein verlassen zu wollen. Der LASK hat mit der Madsen-Verpflichtung reagiert, reicht das?

Wie gesagt, ich bin von den Spielern, die im Kader stehen und die wir geholt haben, vollends überzeugt. Als LASK verfolgen wir den Wing, jungen Spielern eine Chance zu geben. Ich denke da auch an Thomas Sabitzer, der zuletzt angeschlagen war und weniger Einsatzzeit hatte, aber zu den Top-100-Talenten in Euroa gehört. Wir lassen uns insofern von unserer Philosophie nicht abbringen. Was Peter betrifft, muss man sagen, dass es legitim ist, sich nach sechs Jahren eine neue Herausforderung zu suchen. Tatsache ist, dass Peter in seinem Vertrag eine Ausstiegsklausel hat, aber auch, dass bis heute kein konkretes Angebot vorliegt. Für uns als Verein war es aber wichtig, auf dieser Schlüsselposition rasch Klarheit zu bekommen.

Die LASK-Spieler haben sich in diesem Jahr vor allem auf internationalem Parkett ins Rampenlicht gespielt.
Mit den gezeigten Leistungen ist das wenig überraschend gekommen. Mir ist aber stets wichtig, nicht überhastet vorzugehen, denn was hat ein Spieler davon, wenn er im Winter als dritter oder vierter Stürmer nach Italien oder Spanien wechselt.

Am 24. Juli startet die Vorbereitung auf die Meisterschaft. Können Sie, aber auch der LASK mit Entspannung in diese gehen?
Die Mannschaft steht. Wer mich kennt, weiß, dass zum Trainingsstart die Mannschaft stehen muss und mit dem heutigen Tag tut sie das auch. Natürlich hört man immer wieder, dass Spieler Angebote haben, aber ich bin davon überzeugt, dass jeder der Akteure die Situation entsprechend einschätzen kann und unser Team steht.

Gerade bei jungen Spielern kommt es oft auf den Trainer an und dieser ihnen Vertrauen schenkt, sie führt.
Mit Dominik Thalhammer haben wir einen Coach verpflichtet, der auf seinem Gebiet als Experte gilt. Wir sind davon überzeugt, dass er uns nach vorne bringt, den ganzen Betreuerstab weiterentwickeln kann.

Sie sprechen es an, ein Experte, der beim ÖFB über viele Jahre hinweg gute Arbeit geleistet hat. Man könnte ihm jetzt aber vorwerfen, lediglich die Damenmannschaft trainiert zu haben. Oder sind die dort erarbeiteten Erfolge Beweis für seine Kompetenz?

Vollkommen richtig. Natürlich hat es Zurufe von der Seite gegeben , was wir mit einem Damentrainer vorhaben. Aber Sie haben es auch angesprochen, denn die Erfolge mit dem Nationalteam der Damen sind ja auch nicht vom Himmel gefallen, sondern das Produkt lange und harter Arbeit.

Dazu ist er ein Linzer. War die Verpflichtung Thalhammers schlussendlich auch ein Bekenntnis zur Region und den Sponsoren?
Dem stimme ich zu. Wir waren bereits über längere Zeit in Kontakt, weil wir wussten, dass er kompetent ist und hier möchte ich nochmals betonen, dass er anfänglich in einer anderen Funktion geplant gewesen wäre.

Mit dem Trainerwechsel wollte man demnach einen Impuls setzen, doch was passiert mit dem Betreuerstab und insbesondere Andreas Wieland, dem ja vorgeworfen wird, Intrigen gesponnen zu haben. War Ismael gar nur ein Platzhalter für Thalhammer?

Dominik Thalhammer hat hier freie Hand, das haben wir ihm eingeräumt und er kann selbst entscheiden. Vereinbart haben wir, dass wir uns im Team breiter aufstellen und jeweils einen Spezialisten für die Defensive und Offensive holen. Das mit dem Platzhalter hat man uns vorgeworfen, aber das weisen wir aufs Entschiedenste zurück. Es war ein Jahr unglaublicher Erfolge, haben die Gruppenphase gewonnen und dann von einem Trainer, der nur ein Platzhalter gewesen wäre, zu sprechen, ist nicht fair. Von Dominik erwarten wir uns, dass er unseren Weg weitergeht und das System und die Verhaltensmuster unserer Spielphilosophie eindringlich vermittelt.

Besten Dank für das informative Gespräch, alles Gute.

Sehr gerne.

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