07.10.2014, 16:01 Uhr

Stadt Linz spricht mehr als 100 Sprachen

In Linz wurde heuer erstmals der „Tag der Sprachen“ gefeiert. Auf der Landstraße wurde ein kulinarisches Dorf errichtet.
LINZ (jog). Menschen aus 148 Nationen leben in Linz, mehr als 100 verschiedene Sprachen sind in der Landeshauptstadt zu hören. Statistisch gesehen wird neben Deutsch vor allem Bosnisch, Kroatisch, Türkisch, Serbisch und Rumänisch am häufigsten gesprochen. Auf Initiative des Integrationsbüros feierte die Landeshauptstadt anlässlich des „Europäischen Tages der Sprache“ am 26. September erstmals ein Fest der Völkerverständigung. 70 Veranstaltungen in einer Woche sollen noch bis 4. Oktober auf den Sprachen-Schatz in Linz aufmerksam machen. Ein buntes Programm – vom „Speakdating“ über Sprachschnupperkurse, einer kulinarischen Weltreise bis zur Lesestraßenbahn – soll von nun an jedes Jahr in der Stahlstadt angeboten werden. Sozialreferent Stadtrat Stefan Giegler: „Wir möchten den Stadtbewohnern die Vorteile von Sprachkenntnissen bewusst machen und individuelle Mehrsprachigkeit fördern.“ Von der ehrgeizigen Zielsetzung des EU-Ministerrats „Muttersprache plus zwei weitere Fremdsprachen für jeden europäischen Bürger“ aus dem Jahre 2002 ist man derzeit noch weit entfernt. „In Österreich werden etwa 30 Prozent dem Anspruch der EU gerecht. Gut 20 Prozent der 24- bis 64-Jährigen sprechen keine Fremdsprache“, sagt Alexandra Wojnesitz, Projektleiterin am Österreichischen Sprachen-Kompetenzzentrum (ÖSZ). In Oberösterreich hat etwa ein Viertel der Schulanfänger eine andere Erstsprache als Deutsch. „Der Tag der Sprachen hat damit nicht nur die Funktion, Menschen für Sprachen zu interessieren, sondern auch kulturelle Barrieren im täglichen Miteinander abzubauen“, sagt Bürgermeister Klaus Luger. „Mehrsprachigkeit ist nicht nur ein gesellschaftlicher, sondern auch ein wirtschaftlicher Erfolgsfaktor“, sagt Stadtrat Giegler.

Potenzial für Wirtschaft
Laut einer Städtebundstudie von 2012 könnte die Stadt Linz ihre jährlichen Einnahmen um rund 53 Millionen Euro steigern, wenn die Zuwanderer am Arbeitsmarkt auch gemäß ihrer beruflichen Qualifikationen eingesetzt würden. Verantwortlich für diese Verluste sind nicht zuletzt sprachliche Barrieren. „Das betrifft vor allem auch Sprachen, die wenig Anerkennung genießen, da sie nicht zu den internationalen Wirtschaftssprachen wie Englisch, Französisch oder Spanisch zählen“, sagt Kurt Schmid, Bildungsforscher und Projektleiter am Institut für Bildungsforschung und Wirtschaft. In der Privatwirtschaft seien zwei Drittel der Menschen in Unternehmen beschäftigt, die Auslandsgeschäfte tätigen. Vor allem Osteuropa zähle nach wie vor zu den Märkten der Zukunft. „Ob sie mit internationalen Geschäftspartnern eine Konferenz abhalten, mit Zulieferern verhandeln, ihre Waren und Dienstleistungen ins Ausland verkaufen oder neue Zielgruppen im Inland gewinnen möchten – Unternehmen müssen sich auf unterschiedliche Sprachen und kulturelle Umgangsformen einstellen“, sagt Schmid. Vor allem kleine und mittelständische Betriebe hätten in dieser Hinsicht
Aufholbedarf.


WÖRTERBUCH:
„Guten Tag!“ in 24 Sprachen:

Bosnisch: Dobar dan!
Türkisch: Merhaba!
Niederländisch: Goedendag!
Rumänisch: O zi excelentă!
Polnisch: Dzień dobry!
Isländisch: Góðan daginn!
Spanisch: ¡Buenos días!
Norwegisch: Morn!
Französisch: Bonjour !
Tschechisch: Dobrý den!
Portugiesisch: Bom dia!
Italienisch: Buon giorno!
Finnisch: Hyvää päivää!
Japanisch: Konnichiwa!
Chinesisch: Ni hao!
Russisch: Dobryj djen!
Griechisch: Kaliméra!
Kroatisch: Dobar dan!
Schwedisch: God dag!
Esperanto: Bonan tagon!
Serbisch: Dobro jutro!
Koreanisch: Annyeonghaseyo!
Ungarisch: Jó napot!
Arabisch: Yawmun sa īd!
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