23.01.2018, 13:30 Uhr

"Er ist unsere Zukunft"

Abdelrahman Khaleel hat in Mossul bereits ein Studium abgeschlossen. Nun ist er ein engagierter Lehrling. (Foto: Mercedes Pappas)

Lehrling soll als zukünftige Führungskraft aufgebaut werden. Die Abschiebung droht ihm trotzdem.

"Er hat das Zeug dazu bei uns Lehrlinge auszubilden und vielleicht auch eine wichtige Führungsposition in unserem Unternehmen zu übernehmen", sagt Kurt Reitgaßl, Lehrlingsbeauftragter bei Mercedes Pappas in Linz über seinen Lehrling Abdelrahman Khabeel. Der 25-jährige Iraker kam mit der ersten Flüchtlingswelle 2015 nach Österreich. Er spricht bereits fließend Deutsch und war mehr als 700 Stunden ehrenamtlich für das Rote Kreuz in Österreich im Einsatz. In seiner Heimat hat er erfolgreich Kraftfahrzeugtechnik studiert. "Ich wollte ursprünglich an der Militär-Uni ein Studium zum Offizier machen. Das wurde mir aber von der schiitischen Regierung nicht erlaubt, da ich Sunnite bin. Gleichzeitig will mich der IS umbringen, da ich die Militärausbildung machen wollte, um gegen ihn zu kämpfen. Ich war bereit zu sterben. Nur mein Vater hat gesagt, das würde er nicht verkraften. Ich habe mich daher als Lastwagenfahrer verkleidet, um nach Syrien zu kommen. Von dort aus bin ich zu Fuß in die Türkei und dann mit dem Schlauchboot weiter nach Griechenland", erzählt Khaleel seine Beweggründe für den Aufbruch nach Europa. In Griechenland hat er mehrere Tage auf der Straße gelebt, ehe es dann weiterging bis nach Österreich. "Ich habe die ganze Reise über für andere Flüchtlinge gedolmetscht, da ich der Einzige war, der gut Englisch konnte." Da er ohnehin zu sterben bereit war, hatte er keine Angst auf seiner Reise. "Das Schlimmste war, von der Familie weg zu sein", sagt Khaleel.


Erfolg dank viel Fleiß


Glück und Fleiß halfen ihm schnell Anschluss zu finden. Nach zweieinhalb Monaten im Flüchtlingsheim begann er die Ausbildung zum Rot-Kreuz-Sanitäter, die er mit Auszeichnung abschloss. Die Familie Oertl hat ihn aufgenommen. Dort begann er intensiv Deutsch zu lernen. Seine erste Lehrstelle musste er noch nach einem Monat verlassen. "Es gab jemanden in der Firma mit viel Einfluss, der nicht wollte, dass hier ein Flüchtling arbeitet", sagt Khaleel. Der Sohn der Familie Oertl, bei dem er mittlerweile auch wohnt, vermittelte ihn dann zu Mercedes Pappas, wo der Akademiker seit sieben Monaten eine Lehre zum Kfz-Techniker und Systemelektroniker macht. Ob er sie jemals abschließen kann weiß er nicht. "Ich warte seit meiner Ankunft auf eine Antwort, ob ich bleiben darf", sagt Khaleel. Bei Mercedes Pappas versteht man das nicht, schließlich arbeitet hier jemand mit viel Engagement, der eigentlich völlig überqualifiziert ist. "Es war schon beim ersten Kennenlernen klar, das ist einer, der die Gesellenprüfung und den Meister macht und dann schauen wir, wo wir ihn bei uns in der Führungsebene einbauen können", so Reitgaßl, der einen negativen Bescheid nicht einfach hinnehmen würde. "Wir werden unseren Mitarbeiter keinesfalls kampflos aufgeben", sagt Reitgaßl und fügt hinzu: "Es kann nicht sein, dass wir solche junge talentierte Leute ausbilden, in sie investieren und uns diese Menschen dann unterm Stuhl weggezogen werden", sagt Reitgaßl. Tatsächlich ist Kfz-Mechaniker mittlerweile ein Mangelberuf. Es gäbe kaum noch Bewerbungen, die den Ansprüchen entsprechen. "Wir wollen qualifizierte zukünftige Fachleute. Wenn wir diese nicht mehr finden, wer soll dann Fahrzeuge, die immer komplexer werden, reparieren?", so Reitgaßl.


In Österreich zu Hause

Wieder in den Irak zurückkehren will Khalel nicht. "Dort ist es gut, wenn man Frauen wie Sklaven behandelt. Wir wurden als Zuhälter bezeichnet, weil unsere Schwestern Hosen tragen dürfen. Das ist kein würdiges Leben. Alle Menschen sind gleich viel wert", sagt Khaleel. Diese Einstellung ist mit ein Grund, warum er sich in Österreich so wohlfühlt.
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