100 Jahre Republik
Die Schüsse von Schattendorf

<f>Aus diesem</f> vergitterten Fenster wurde geschossen.
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Wer heute durch die Gassen und Straßen der beschaulichen Marktgemeinde Schattendorf spaziert, kann sich kaum vorstellen, dass dieser friedliche Ort vor über 90 Jahren Schauplatz eines Geschehnisses war, das zum Brand des Justizpalastes und in weiterer Folge zum Bürgerkrieg führte.


Schicksalstag: 30. Jänner 1927


Auslöser für die folgenschweren Ereignisse war eine Versammlung der rechtsgerichteten Frontkämpfervereinigung am 30. 1. 1927 im Gasthaus Tscharmann. In der aufgeheizten Atmosphäre der Nachkriegszeit war dies für die Mitglieder des sozialdemokratischen Schutzbundes eine Provokation – waren doch die linksstehenden Parteien immer wieder Opfer von Anschlägen nationalistischer, rechtsgerichteter Verbände. Daher rief der Schutzbund zu einem gleichzeitig stattfindenden, aber nicht genehmigten Aufmarsch auf und bezog mit seinen Anhängern im nur 500 Meter entfernten Gasthaus Moser Quartier.

Aufruhr am Bahnhof

Die lokale Frontkämpfertruppe, die klar in der Minderheit war, holte sich Unterstützung aus den Nachbargemeinden. Am Bahnhof von Schattendorf konnten die Frontkämpfer zunächst vertrieben werden, doch als die Schutzbündler bei der Rückkehr ins Dorf mit den Worten „Nieder mit den Frontkämpfern, nieder mit den christlichen Hunden, nieder mit den monarchistischen Mordbuben“ in den Hof des Gasthauses Tscharmann eindrangen, fielen die ersten Schüsse in Richtung der gegenüberliegenden Hausmauer.

Folgenschwere Schüsse

Zur Eskalation kam es allerdings erst danach: Als die Schutzbündler bereits vorbeigezogen waren, schossen die Brüder Tscharmann und Johann Pinter aus dem vergitterten Schlafzimmerfenster des Gasthauses auf die Straße. Dabei wurden der Kriegsinvalide Matthias Csmarits aus Klingenbach und der sechsjährige Josef Grössing getötet und weitere fünf Menschen verletzt. Am 2. Februar 1927, dem Tag des Begräbnisses der beiden Getöteten, streikten die Arbeiter in ganz Österreich fünfzehn Minuten lang. Im anschließenden Geschworenenprozess wurde der mutmaßliche Mord als Notwehr dargestellt und die Täter als „ehrenwerte Männer“. Der Richter verkündete am 14. Juli 1927 den Freispruch der Angeklagten.

Brand des Justizpalastes

Dies löste Demonstrationen in der Wiener Innenstadt aus, wobei der Justizpalast in Brand gesteckt wurde. Der Waffeneinsatz der Polizei gegen die Demonstranten, angeordnet von der Regierung Ignaz Seipel, endete in einem Massaker mit 89 toten Demonstranten, vier toten Sicherheitswachbeamten und einem toten Kriminalbeamten. Diese so genannte "Julirevolte", der abgebrannte Justizpalast und das verschärfte politische Klima führten schließlich in den Bürgerkrieg.

Ausstellung in Schuhmühle

Eine Dauerausstellung zum Thema "Die Schüsse von Schattendorf" sowie eine überaus sehenswerte Führung dazu kann in der Schuhmühle Schattendorf besucht werden.

Autor:

Renate Hombauer aus Mattersburg

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