Alte Scherben erzählen große Geschichte

Professor Arakawa und sein engagiertes Team mit Verena Piatti im Schloß Loosdorf
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LOOSDORF (ega). Als Mahnmal gegen Gewalt und Krieg hat Familie Piatti vor drei Generationen im Schlossmuseum in Loosdorf das „Scherbenzimmer“ , eine Rauminstallation, eingerichtet. Da gibt es Reihen chinesischer, japanischer und europäischer Porzellanscherben, nach Manufakturen geordnet, zu besichtigen.
Kurz vor Kriegsende 1945 wurde das Schloss von den Russen als Kommandantur besetzt. Bald begann die Suche nach den erhofften „Schätzen“ des Schlosses, die sich als Kriegsbeute eignen würden. Die umfangreiche Porzellansammlung, die seit vielen Generationen und über Jahrhunderte gewachsen war, wurde rechtzeitig im Keller eingemauert. Als die Russen auf die frischen Mauern im Keller stießen, brachen sie das Versteck auf. Die Enttäuschung war groß, denn mit dem alten, schönen Porzellan konnten sie nichts anfangen, zerschlugen es und warfen die Scherben verärgert weg.
2015 besuchten Verena und Alfons Piatti Japan, wo auf Initiative von Frau Machiko Hoshina ein Treffen mit Spezialisten der Universität Tokio stattfand. Professor Arakawa reiste letzten Winter nach Loosdorf, um die Scherben zu untersuchen. Seine Einschätzung übertraf alle Erwartungen! Nun arbeitet er mit seinem hochmotivierten Team an der Restaurierung der wertvollen Stücke im Schloss Loosdorf.
Ziel ist, eine Ausstellung in Japan über die sehr spezielle Geschichte dieser Sammlung verknüpft mit der Familiengeschichte Piatti zu organisieren. Die Familie Piatti verließ Bergamo um 1650 und kam an den sächsischen Hof von König August dem Starken, wo man versuchte, „weißes Gold“ herzustellen. Johann Böttger und Walther von Tschirnhaus gelang das 1709, 1710 wurde dann die Meißener Porzellanmanufaktur gegründet.
Ein weitschichtiger Verwandter namens Piatti war Porzellanhändler in Venedig. Er belieferte den König und vermittelte auch den Verwandten einige schöne Stücke. Piattis kamen 1815 zum Wiener Kongreß, kauften Loosdorf und sammelten weiter bis 1873, zur Weltausstellung in Wien.
Das Projekt der Wiederherstellung der Sammlung hängt nun von zukünftigen Geldgebern ab. Für eine Ausstellung in Japan gibt es mehrere Interessenten und ein 15köpfiges Team rund um Frau Machiko Hoshina arbeitet bereits an der Realisierung.

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