Nick Romeo Reimann
Der Nestroy-Preisträger spricht über das private Ich
- Nick Romeo Reimann hat den Nestroy-Publikumspreis gewonnen.
- Foto: Ostermann
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Nick Romeo Reimann hat den Nestroy-Publikumspreis gewonnen. Im Interview erzählt er von seinen Höhen und Tiefen.
WIEN/NEUBAU. Nick Romeo Reimann (25) ist Schauspieler und Performance-Künstler. Seit 2020 ist er Mitglied des Ensembles am Volkstheater. Hier gewann Reimann, bekannt aus "Die Wilden Kerle" und "Vorstadtkrokodile" nun den Nestroy-Publikumspreis.
In seiner Dankesrede machte er sich Gedanken über das Erstarken rechter Parteien in Europa. Aktuell ist er in "Die Wand // Wandbefall" zu sehen.
Liebling des Publikums
Sie wurden mit dem Nestroy-Publikumspreis ausgezeichnet. Hat das irgendeine besondere Bedeutung für Sie?
NICK ROMEO REIMANN: Ja. Es gibt nichts Schöneres als zu wissen, dass ein Publikum
einen zu seinem Liebling kürt. Es gibt Euphorie, es gibt Dankbarkeit. Nun weiß ich nicht, ob die Leute, die online für mich abgestimmt haben, auch wirklich in einer Vorstellung sitzen, aber ich stelle es mir vor und es fühlt sich sehr schön an.
Ihre Dankesrede hat in den sozialen Netzwerken viel Aufsehen erregt. Haben Sie damit gerechnet?
Nein. Ich glaube, die hat an einem Tag 80.000 Klicks bekommen oder so. Für so eine zwei Minuten lange Rede fand ich es schon erstaunlich. Und es hat mich sehr gefreut, weil ich eigentlich nur versucht habe, die Worte an die Wiener Theaterleute, die im Raum waren, zu richten, die ich eben für wichtig hielt. Ich habe jetzt gar nicht versucht, irgendetwas zu machen, was seine Bedeutung über den Theaterraum hinaus oder sowas erstrecken würde, weil ich es auch vermessen fände, dafür so einen Preis zu nutzen, dass man jetzt irgendwas äußert zur Lage der Welt.
Primär Schauspieler
Sie sind vielfältig künstlerisch tätig, sehen Sie sich primär als Schauspieler?
Ja, das ist das, was ich gelernt habe und wo ich hauptsächlich arbeite.
Ich bin ja auch noch sehr jung und da unterliegt das immer einer gewissen Fluktuation.
Man entwickelt sich und verändert sich. Gerade jetzt fließt auf jeden Fall der Großteil meiner Zeit und Energie ins Theater.
- Nick Romeo Reimann ist jetzt Nestroy-Preisträger.
- Foto: Volkstheater
- hochgeladen von Andrea Peetz
Wie hat Ihre Schauspielkarriere damals angefangen?
Ich hatte tatsächlich immer den ganz konkreten Wunsch, bei den "Wilden Kerlen"
mitzuspielen. Über viele Zufälle bin ich dann bei einem Casting von den "Wilden Kerlen" gelandet und habe mich dort durchgesetzt.
Hatten Sie vorher schon Schauspielerfahrung?
Nein, gar nicht.
Ein starker Einstieg!
Nun ja, ich kannte ja keinen anderen Einstieg, für mich war das als Kind schnell die Normalität. Obgleich es immer wieder Momente gab, in denen mir klar wurde, dass meine Realität von der anderen Kinder abweicht, in der Klasse zum Beispiel. Ich habe es, glaube ich, vergleichsweise unbeschadet hinausgeschafft, weil ich zu jung war, um mir diesen Rummel zu Kopf steigen zu lassen. Es war gut, dass meine Eltern da die ganze Zeit dabei waren, die dem auch kritisch gegenüber standen.
Von München nach Wien
Kommen Sie aus einer künstlerischen Familie?
Ich komme aus einer Familie, die Fotografie und Grafik gemacht hat.
Sie sind in München aufgewachsen, seit drei Jahren nun am Volkstheater tätig. Wie gefällt Ihnen Wien?
Ich kann in Wien super leben, mir gefällt es hier unglaublich gut. Auch als jemand, der selbstständige, eigenständige künstlerische Projekte umsetzen möchte in einer Theaterwelt oder in einer Kunstwelt.
- Aktuell ist Nick Romeo Reimann im Volkstheater in "Die Wand // Wandbefall" zu sehen.
- Foto: Emil Blau/Martin Geyer
- hochgeladen von Kevin Chi
Fehlt Ihnen Deutschland?
Gerade fehlt mir Deutschland nicht. Momentan fehlen mir andere Länder,
ich würde gerne mal wieder verreisen. Ich weiß nicht, wo. Kennen Sie einen schönen Ort?
Das private Leben
Sie sind auch abseits der Schauspielerei vielfach künstlerisch tätig. Gibt es andere Hobbys in Ihrem Leben?
Ich nehme es so wahr, dass es einen Punkt erreicht hat dieses Jahr,
an dem es eigentlich kein privates Ich mehr gab. Das kann man schon noch so sagen. Die Begleiterscheinungen davon gefallen mir nicht.
Haben Schauspieler kein privates Ich mehr?
Wenn sie nur Schauspielen schon. Wenn sie dann in ihrer Freizeit noch eine Ausstellung machen wollen und noch irgendwas, dann nicht. Dann wird es irgendwann einfach rein zeitlich, ganz technisch mit den Stunden eng.
Wie schauen Ihre Pläne für die Zukunft aus?
Ich habe einige Filmprojekte gemacht dieses Jahr und in der Dunkelkammer steht unter anderem "Die Wand // Wandbefall" an.
Gibt es etwas, das Sie in Ihrer Karriere unbedingt noch erleben möchten?
Fürs Publikum ist das wahrscheinlich erstmal uninteressant, und auch ganz egoistisch nur für mich würde ich mir so sehr wünschen, einmal auf der Bühne in eine wirklich vollkommene Entspannung zu kommen. Das hat wahrscheinlich überhaupt keinen künstlerischen Wert am Ende, aber das fände ich wirklich nur für mein Erleben einfach mal sehr schön.
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