21.11.2016, 15:10 Uhr

"Die Lage ist nicht ganz so dramatisch!"

Der Spätfrost wirkte sich auf die Erntemenge des heurigen Weins massiv aus, aber die Qualität passt.

BEZIRK (EP). Im gesamten Bezirk Oberpullendorf führten die Temperaturen unter null Grad im wichtigen Entwicklungsstadium der Reben zu extremen Frostschäden.


Top-Qualität

In Neckenmarkt waren besonders die Toplagen betroffen, weiß Weinbauvereinsobmann und Winzer Stefan Wellanschitz. "Wir haben zwar immer wieder mit Spätfrost zu kämpfen, aber so etwas haben wir in den letzten 100 Jahren nicht erlebt." In den Frostlagen haben die Winzer sogar 90 bis 100 Prozent Schäden, insgesamt belaufen sich diese in Neckenmarkt auf 40 bis 50 Prozent. Nichtsdestotrotz sei die Qualität der Trauben heuer besonders gut, so der Top-Winzer. "Aufgrund des milden Spätwinters und Frühlings haben die Weinstöcke heuer sehr früh ausgetrieben. Deshalb sind die jungen Triebe dann Ende April auch erfroren. Aber die Rebstöcke haben sich wieder erholt und sich ins Leben zurückgekämpft."
Georg Wieder, vom Weingut Juliana Wieder in Neckenmarkt, bestätigt dies. "Wenn auch die Quantität heuer nicht zufrieden stellend ist, jene Trauben, die wir hatten, sind von bester Qualität." Der späte Frost Ende April sei eine Katastrophe gewesen. "Im Endeffekt kann man sagen, dass es ein hartes Weinjahr ist. Da wir die Weingärten viel intensiver bearbeiten mussten, war es auch sehr kostenintensiv. Wir haben wirklich alles Menschenmögliche unternommen, damit sich die verbleibenden Trauben gut entwickeln konnten."
Die Rebstöcke hätten nach dem Frost zwar wieder ausgetrieben, diese mussten aber extremst gepflegt und gehegt werden, weiß der Weinbauer. "Abgesehen davon: Was der Frost nicht vernichtete, das bewerkstelligten heuer die Stare. Wir mussten die vorhandenen Trauben noch besser schützen als sonst, das war eine echte Herausforderung." Die Stare-Abwehr in Form von Schusspatronen wurde angewandt. "Wenn dies auch leider etwas Unmut in der Gemeinde hervorrief, so bitte ich um Verständnis bei der Bevölkerung. Wir machen das nicht aus Jux und Tollerei - ohne diese Abwehr hätten wir weitaus mehr Ausfälle." Wieder hofft, dass es 2017 keine Wetterextreme gibt.
"Der Jahrgang 2015 war exzellent, wir haben noch genug im Keller. Ein zweites Jahr wie dieses wäre allerdings ein wirtschaftliches Desaster für uns Weinbauern."

Außergewöhnlich schön

Der Präsident des Blaufränkischlandes, Walter Kirnbauer, stößt ins gleiche Horn. "2015 war ein sensationelles Weinjahr, deshalb können wir die heurigen Ausfälle noch kompensieren."
Im Burgenland habe es durchschnittlich 55 Prozent Ernteausfälle gegeben, so Kirnbauer. "Die Qualität ist aber ein Wahnsinn, der warme Frühling und der außergewöhnlich schöne September haben das Ihre dazu beigetragen. Außerdem hat es immer zur richtigen Zeit und in ausreichenden Mengen Niederschlag gegeben."
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