Die Registrierkasse in der Praxis

Josef Janoch wird in wenigen Tagen seine Registrierkasse in Betrieb nehmen.
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UNTERWART/BAD TATZMANNSDORF (kv). Der neuen Belegerteilungspflicht ist es zu verdanken, dass die Papiereimer überquillen. Registrierkassen hatten viele Unternehmer schon vor der Gesetzesänderung, jetzt müssen allerdings ausnahmslos alle Belege für den Kunden ausgedruckt werden. Diese landen jedoch meist postwendend im Müll.

Mitwirkungspflicht für Kunden

Josef Janoch betreibt seit fünf Jahren einen Schuhreparaturservice im Lagerhaus in Unterwart. Für die richtige Registrierkasse wandte er sich an einen Händler seines Vertrauens. Bevor er sie in Betrieb nehmen kann, muss er jedoch noch einmal zur Wirtschaftskammer, um die genauen Warenbezeichnungen in Erfahrung zu bringen. Nach einem Kassenzettel hat ihn in seiner 20-jährigen Tätigkeit so gut wie noch nie jemand gefragt. "Ich werde natürlich einen Beleg ausstellen, aber ich kann niemanden zwingen, ihn auch mitzunehmen", sagt Josef Janoch. Die Nichtentgegennahme des Belegs durch den Kunden hat keine finanzstrafrechtlichen Konsequenzen, allerdings ist im Zuge der Kontrolle eine Mitwirkungspflicht des Kunden gegeben.

Kosten- und Zeitaufwand

Bis dato hat Josef Janoch seine Tagesennahmen in der Kasse von Hand gezählt. Mit der Registrierkasse hat er seine Einnahmen nun mit einem Knopfdruck parat. Die Anschaffung und die Informationsbeschaffung ließ sich in wenigen Stunden erledigen. Die neue Registrierkasse kostete dem Kleinunternehmer insgesamt 2.000 Euro, dies inklusive Programmierung und Einschulung. Die Kosteneinschätzung des Bundesministeriums für Finanzen von 400 bis 1.000 Euro war in dem Fall nicht ganz zutreffend.

Letztlich zahlt der Kunde

Gerade bei Kleinstunternehmen fallen die Anschaffungskosten ins Gewicht. Schon jetzt haben sich einige Betriebe, vor allem kleine Gasthäuser und Buschenschänke, entschieden zu schließen. "Um die Zusatzausgaben wieder hereinzuholen, muss ich jetzt eventuell geringfügig mit dem Preis nach oben, obwohl man ja sowieso schon um jeden Cent kämpft. Ich kenne einige Kleinunternehmer, die sich das erst gar nicht angetan sondern gleich zugesperrt haben", so Janoch.

Praxistest seit einem Jahr

Erna Deutsch betreibt seit einem Jahr ihren Hofladen in Bad Tatzmannsdorf. Gerade weil sie auch Personal hat, ist die Registrierkasse praktisch für einen reibungslosen Ablauf. Einen weiteren Vorteil sieht sie in der leichteren Abrechnung. Das Geld von Hand zählen kann mühsam sein, vor allem, wenn man sich verzählt. Die Anschaffung der Kasse war problemlos. "Ich wurde von der Firma Terpotiz gut beraten und da sie schon damals gerüchteweise von der neuen Gesetzesvorgabe wussten, wurde bei der Anschaffung darauf geachtet." Daher erfüllt die Kasse die Anforderungen und ich muss lediglich die Fiskalbox nachrüsten. Die Kosten lagen bei 590 Euro, etwa 300 Euro wird die Nachrüstung kosten. Frau Deutsch betreibt auch einen Buschenschank, wofür eine Registrierkasse mit etwa 3.000 Euro erforderlich ist. Die Kosten hängen sehr stark von der Branche ab.

Bis zum Schluss im Ungewissen

Problematisch war, dass Frau Deutsch bis zum Schluss nicht in Erfahrung bringen konnte, was nun wirklich gefordert wird. Daher hat sie - wie viele andere auch - mit der Anschaffung der Registrierkasse bis kurz vor Weihnachten gewartet. Die Ansprechpersonen und Registrierkassenfirmen sind am Limit und Wartezeiten vorprogrammiert. "Jede Umstellung ist schwer, aber da muss man durch und Gesetz ist nun einmal Gesetz. Wenn ich ein Geschäft habe, muss ich auch immer etwas investieren, ob in eine neue Kasse oder neue Stühle", so Erna Deutsch.

Auf die letzte Minute

Auch Josef Reinbacher, Masseur aus Bad Tatzmannsdorf, hat mit der Anschaffung seiner Registrierkasse bis zur letzten Minute gewartet. "Mit dem stressigen Weihnachtsgeschäft und den Unsicherheiten bis zum Schluss habe ich es einfach nicht früher geschafft", sagt Reinbacher. Aufgrund des Ansturmes muss auch er noch einige Tage auf einen Beratungstermin, die Programmierung und Einschulung warten. Für die Überbrückung behilft er sich mit dem guten alten Handkassenzettel. Seinem Empfinden nach hat die Wirtschaftskammer alle für ihn relevanten Informationen gut aufbreitet und dient das Gesetz letztendlich der Steuergerechtigkeit. Für seine Zwecke reichte eine einfache Kasse mit einem Kostenpunkt von 700 Euro. Die Aufrüstung für den QR-Code beträgt dann nochmal einmalig etwa 200 bis 300 Euro. Seine Warenbezeichnungen sind überschaubar und sollte etwas nicht den Vorgaben entsprechen, kann er diese auch jederzeit selbst ändern. "Das ganze steckt eben noch in den Kinderschuhen und es dauert naturgemäß ein bisschen, bis alles reibungslos klappt."

Link: Registrierkassenpflicht zwingt Kleinunternehmen in die Knie
Link: Informationen zur Registrierkassenpflicht
Link: Den Kassenzettel brauch ich nicht

Autor:

Karin Vorauer aus Oberwart

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