16.10.2017, 10:27 Uhr

Stadtmenschen: Menschliche Wegweiser durch den Behörden-Dschungel

Kurt Jindrak hilft ehrenamtlich weiter. Was er nicht weiß, wird ganz unkompliziert recherchiert.

Ob beim Ausfüllen von Formularen oder der Suche nach Computerkursen: So helfen die "Stadtmenschen".

PENZING. Anfang 2016 ist das Projekt "Stadtmenschen" gestartet, seit Frühjahr 2017 gibt es die Hilfestellung durch den Behördendschungel auch im 14. Bezirk. Die bz hat mit einem Freiwilligen gesprochen.

Wie sind Sie darauf gestoßen?
KURT JINDRAK: Ich habe einen TV-Bericht über die "Stadtmenschen" und das Beratungsangebot gesehen. Das hat mich sofort angesprochen, da ich über 30 Jahre lang beim Jugendamt beschäftigt war und soziale Arbeit kenne.

Wobei helfen "Stadtmenschen"?
Die "Stadtmenschen" bieten eine Orientierungshilfe im gesamten sozialen Angebot Wiens an. Wenn also jemand ein Anliegen hat und nicht weiß, wer dafür zuständig ist, dann versuchen wir, den oder die richtigen Ansprechpartner zu finden. Das können gesundheitliche Fragen sein, Vereine oder einfach die Suche nach sozialen Kontakten, da gibt es keine Einschränkung. Wir sind aber keine Sozialberatung im klassischen Sinne. Das ist natürlich manchmal eine Gratwanderung. Aber wenn Menschen mit mehreren Problemen kommen, hilft es oft schon, diese Probleme zu strukturieren. Was ist das dringendste Anliegen? Das können etwa Schulden sein – und da setzen wir dann an.

Wie sieht es mit komplizierten Formularen aus?
Auch da helfen wir weiter. Dazu sind in letzter Zeit auch vermehrt Anfragen gekommen. Ich glaube, dass es die Stärke der "Stadtmenschen" ist, dass es hier nicht so ist, wie auf einem Amt. Wir haben viel Zeit, um zuzuhören, man muss keine Wartenummer ziehen und die Hemmschwelle ist niedriger.

Eine Erfolgsgeschichte?
Dafür gibt es ein berührendes Beispiel: Zu mir ist ein älterer Herr, der sehbehindert, hörbehindert und gehbehindert ist, gekommen. Er hat sehr darunter gelitten, dass er kaum soziale Kontakte hatte. Er ist mit einem Zettel und einem Kuli zu uns gekommen und hat sein Anliegen aufgeschrieben. Er wollte einen günstigen Kurs machen, der ihm den Umgang mit Internet und Laptop erklären sollte. Dadurch kann er jetzt mit der Außenwelt kommunizieren. Wir haben recherchiert und oft liegt das Gute so nah: Wir haben im Programm der Volkshochschule Penzing einen Kurs für Senioren gefunden, bei dem er sofort untergekommen ist.

Was sind häufige Anliegen?
Oft kommt das Thema leistbares Wohnen. Wo kann ich eine billige Wohnung finden? Wo kann ich mich zu einer Gemeindewohnung anmelden? Gerade bei Wohnthemen schicken wir unsere Klienten oft noch zur Mieterberatung oder ähnlichen Einrichtungen weiter.

Zur Sache:

Rund 50 "Stadtmenschen" gibt es derzeit. Interessierte können sich per E-Mail an jenny.kuhn@socialcity.at wenden. Jeden Samstag von 10 bis 12 Uhr sind sie in der VHS Penzing.
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