Sind in Bruck Lügner und Populisten am Werk?

GV Johann Gratz mit einem Plan der Gemeinde Bruck. Als Baustellenzufahrt zum Kraftwerksbau ist nun eine vier Kilometer lange Baustraße mit  Abfahrt im Bereich „Oberhof“ entlang der Salzach geplant.
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  • GV Johann Gratz mit einem Plan der Gemeinde Bruck. Als Baustellenzufahrt zum Kraftwerksbau ist nun eine vier Kilometer lange Baustraße mit Abfahrt im Bereich „Oberhof“ entlang der Salzach geplant.
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BRUCK. Nachdem in der vergangenen Woche die Brucker Vizebürgermeisterin Karin Hochwimmer (ÖVP) Ortschef Herbert Reisinger (SPÖ) heftig kritisiert hat, meldete sich nun auch der Grüne Gemeindevertreter Johann Gratz zu Wort. Er bläst in das selbe Horn wie die ÖVP und lässt in der Causa „Verkehrslösung für Gries im Zuge des Kraftwerkbaus“ kein gutes Haar am Bürgermeister. Dieser zeigt sich enttäuscht und erzürnt über die Anschuldigungen und gibt die Vorwürfe zum Teil zurück. Vorgestern jedenfalls wurde in der Gemeindestube abgestimmt - allerdings erst nach BB-Redaktionsschluss.

Zur Erinnerung: In Bruck wollen der Verbund und die Salzburg AG ein Kraftwerk bauen. Im Zuge dessen wollen die Bauherren auch die Verbauung von fünf Wildbächen, ökologische Maßnahmen und eine notwendige Verkehrslösung finanzieren. So weit, so klar.

Weniger klar hingegen ist die spezifische Situation in Sachen der allgemeinen Verkehrslösung für Bruck/Gries bzw. der Verkehrslösung für die Baustelle. Vom Verbund wurden zugleich mit der Kraftwerksplanung verschiedene Lösungen geprüft und schließlich die sogenannte „Hohe Brücke“ im Bereich des Webergrabens als wirtschaftlichste Lösung vorgeschlagen.
Diese Brücke wäre auch als Baustellenzufahrt genutzt worden. Wegen Anrainerproteste wurde dieses Projekt jedoch auf Eis gelegt.

Die „Katsch-Variante“
Als nächstes kam die sogenannte „Katsch-Variante“, die den Namen ihres Ideengebers trägt, ins Gespräch. Die Eisenbahn und die Bundesstraße würden dabei mit einer Unterführung gequert und über die Salzach wäre eine Brücke gebaut worden. Diese Kombination fand in der Gemeindestube großen Zuspruch.

„Ein aufrechter Beschluss“
Der Grüne GV Johann Gratz dazu: „Die Gemeindevertretung beschloss im April 2010, dass ,eine Verkehrslösung im Bereich St. Georgen Ost verwirklicht werden soll. Ist die Variante Katsch möglich, leistet die Gemeinde einen maximalen Finanzierungsanteil von 1,2 Millionen Euro. Sollte der Gemeindeanteil diesen Betrag übersteigen, spricht sich die Gemeindevertretung für die Hohe Brücke oder Langbrücke aus.‘ Dieser Beschluss ist noch immer aufrecht. Bürgermeister Reisinger hat die weitere Planung auf die lange Bank geschoben und erst auf massiven Druck hin eine Machbarkeitsstudie erstellen lassen. Diese ergab, das die Variante technisch machbar und mit 7,2 Millionen Euro etwa gleich teuer wie die Hohe Brücke wäre.“

Schwere Vorwürfe
Gratz wirft ebenso wie Vize-Bgm. Karin Hochwimmer Bürgermeister Reisinger Verzögerungstaktik vor. Gratz spricht außerdem von „Doppelzüngigkeit“ („unterschiedliche Aussagen beim Verbund und bei der Bevölkerung“) und Hochwimmer von „mangelnder Kommunikation mit den Projektpartnern“.
Ebenfalls bereits in der Bezirksblatt-Ausgabe der Vorwoche warf Hochwimmer Bgm. Reisinger auch eine unrechtmäßig erfolgte Unterschrift für die Erneuerung der bestehenden Grieserbrücke - diese hat mit dem Kraftwerksbau nichts zu tun und würde verbreitert bzw. auch für Schwerfahrzeuge befahrbar gemacht - vor.

„Alle haben davon gewusst“
Wie berichtet, konterte Herbert Reisinger folgendermaßen: „Alle haben von der Unterschrift gewusst und es war immer klar, dass sie nur vorläufig erfolgt ist, damit die Projektpartner rasch die Umweltverträglichkeitsprüfung starten können. Darüber hinaus ist diese Unterschrift nicht verbindlich.“

„Weit von der Wahrheit entfernt“
Diese Aussage stößt Johann Gratz ebenfalls sauer auf: „Die Behauptung, alle hätten davon gewusst, ist weit von der Wahrheit entfernt. Mir ist das Schriftstück bei der Vorbereitung auf eine Sitzung aufgefallen. Der Bürgermeister wollte sichtlich alles verheimlichen.“

„Das sind Populisten“
Das Bezirksblatt befragte Herbert Reisinger zu den neuen und „alten“ Vorwürfen; er meint ziemlich erzürnt: „Teile der ÖVP sollen ebenso wie Herr Gratz einmal überlegen, was sie sagen. Sie sind Populisten und nehmen keine Rücksicht auf die Gemeinde. Die Finanzierung des Katsch-Projektes würde Bruck in ein finanzielles Desaster stürzen. Und wieso sollte das Projekt wegen einer angeblichen Verzögerung teurer werden? Ich bin selber bis zuletzt hinter dieser Variante gestanden, aber was finanziell nicht geht, geht eben nicht! Und was die ,Doppelzüngigkeit‘ angeht, kann man eine solche wohl Herrn Gratz vorwerfen. Nur wegen politischer Spielchen gefährdet er grundsätzlich den Kraftwerksbau und damit Arbeitsplätze und die geplanten Investitionen der Projektpartner. Und das, obwohl er selber bei der Wildbachverbauung tätig ist!“

„Das ist eine leere Drohung“
Gratz: „Mit meinem Beruf hat das nichts zu tun, ich bin als Privatperson in der Gemeindevertretung. Es geht auch nicht um den Kraftwerksbau, sondern um eine gute Verkehrslösung für die Gemeinde. Und das mit dem finanziellen Desaster ist nur eine leere Drohung des Bürgermeisters.“

GV Johann Gratz mit einem Plan der Gemeinde Bruck. Als Baustellenzufahrt zum Kraftwerksbau ist nun eine vier Kilometer lange Baustraße mit  Abfahrt im Bereich „Oberhof“ entlang der Salzach geplant.
Bürgermeister Herbert Reisinger sieht sich mit heftigen Vorwürfen seitens der ÖVP und seitens des Gemeindevertreters Johann Gratz konfrontiert. Zumindest im Archiv-Bild lacht er trotzdem.

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Autor:

Christa Nothdurfter aus Pinzgau

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