Gewässer-Konflikt
Streit um Namlosbach: "Tabubruch am Lech"

Der Namlosbach fließt unberührt in Richtung des Lech. | Foto: WWF/Reinhard Uhrig
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  • Der Namlosbach fließt unberührt in Richtung des Lech.
  • Foto: WWF/Reinhard Uhrig
  • hochgeladen von Günther Reichel

Der WWF warnt vor einer Wasserentnahme aus dem Namlosbach zur Stromgewinnung. Die Elektrizitätswerke Reutte habe ein diesbezügliches Projekt zur Genehmigung eingereicht. 

NAMLOS/REUTTE. Die Elektrizitätswerke Reutte (EWR) wollen die Strom-Eigenerzeugung erhöhen und haben dafür das Projekt „Optimierung Kraftwerkskette Plansee“ (OKP) zur Genehmigung eingereicht. Ein zentraler Bestandteil ist die Ableitung von rund der Hälfte des Wassers aus dem Namlosbach über einen neuen Stollen in den Rotlechstausee. Das Wasser könnte anschließend mehrfach zur Stromerzeugung genutzt werden.

WWF spricht von „Tabubruch“

Jetzt meldet sich der WWF in der Angelegenheit kritisch zu Wort. Die Umweltorganisation befürchtet, dass ein ökologisch wertvoller Seitenbach des Lech deutlich geschwächt würde. Die Umsetzung des Projekts wäre aus Sicht des WWF ein „Tabubruch“.
„Der Tiroler Lech ist eines der wertvollsten Flussjuwele Europas. Seine Seitenzubringer sichern Wasserhaushalt, Geschiebe und Lebensräume. Eine moderne Energieplanung muss diese Grundlagen respektieren und bessere Lösungen nutzen“, sagt WWF-Energiesprecher Reinhard Uhrig.

Nach Ansicht des WWF steht die geplante Wasserableitung im Widerspruch zu den Schutzzielen des Tiroler Lechs. In der entsprechenden Verordnung sei ausdrücklich die „Erhaltung und Förderung der Wildflusslandschaft Lech und seiner Seitenzubringer“ festgeschrieben. Zudem verweist die Organisation auf das Verschlechterungsverbot der EU-Wasserrahmenrichtlinie.

Sorge um Natur und Lebensräume

Der WWF warnt, dass eine Ableitung von Wasser aus dem Namlosbach die natürliche Dynamik des Gewässers beeinträchtigen könnte. Dies würde sich unter anderem auf den Wasserhaushalt, den Sedimenttransport und verschiedene Lebensräume auswirken.
Die Umweltorganisation fordert daher „einen naturverträglichen Plan B anstelle der von den E-Werken geplanten Eingriffe in das Lech-Schutzgebiet“. Als Alternativen nennt der WWF etwa Photovoltaikanlagen auf bereits versiegelten Flächen, Speicherlösungen und Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz.

Auch die Naturschutzorganisation „WET Wildwasser erhalten Tirol“ hatte sich bereits in der Vergangenheit kritisch zur geplanten Wasserableitung geäußert.

Wichtig für die Stromversorgung

Die Elektrizitätswerke Reutte betonen hingegen die Bedeutung des Projekts für die regionale Energieversorgung. Laut den Elektrizitätswerken Reutte wurden im Vorfeld umfangreiche Untersuchungen durchgeführt. Diese hätten ergeben, dass sich die Maßnahmen kaum sichtbar auf die Wasserführung auswirken und ökologisch vertretbar seien.

Nach Berechnungen des Unternehmens könnte mit dem Wasser aus dem Namlosbach und den weiteren Maßnahmen des Projekts "OKP" Strom für rund 7.000 Haushalte erzeugt werden. Auf Grundlage der vorliegenden Untersuchungen wurde das Genehmigungsverfahren eingeleitet.

Besser informiert

EW Reutte bereiten 70-Millionen-Euro-Projekt vor
Wasserentnahme aus dem Namlosbach sorgt für Kritik

Weitere Informationen aus dem Bezirk Reutte finden Sie unter www.meinbezirk.at

Der Namlosbach fließt unberührt in Richtung des Lech. | Foto: WWF/Reinhard Uhrig
Ein Blick in die Schlucht des Namlosbachs. | Foto: WWF/Reinhard Uhrig
In dieser Karte ist der Stollen, der Wasser des Namlosbachs in den Rotlechstausee überleiten soll, eingezeichnet. | Foto: EWR
Das Wasser des Namlosbachs soll in Richtung Rotlech-Stausee geleitet und ab hier mehrfach für die Stromerzeugung genutzt werden. | Foto: EWR/Rolf Marke
Eine Übersicht über die Optimierung Kraftwerkskette Plansee (OKP). | Foto: EWR
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