10.06.2016, 08:56 Uhr

Aschenbrenner zeigte seine Werke in Reutte

Prof. Rolf Aschenbrenner zeigte sich bei der Vernissage gut gelaunt.
REUTTE (rei). Nach Jahren der künstlerischen Abwesenheit präsentierte Rolf Aschenbrenner jetzt wieder seine Bilder. Werke älteren Datums und komplett neue Bilder waren in den Räumlichkeiten des ehemaligen Möbelhaus Lagg in Reutte zu sehen.
Lange Zeit hatte sich Aschenbrenner aus dem öffentlichen Leben zurück gezogen. Persönliche Schicksalsschläge sorgten dafür, dass er "leiser trat". Jetzt, da er Abstand zu Vergangenem gefunden hat, etwa den Tod seiner Frau Helga, zeigte er neue Schaffenskraft.
Kürzlich präsentierte er seine Werke in Kempten, jetzt war er in Reutte zu sehen. Aschenbrenner freute sich, dass ihm "Hausmann" Hubert Lagg die Möglichkeit gab, auszustellen. Die Laudatio kam von Bürgermeister Luis Oberer, der selbst ein Fan des Künstlers ist und in dessen Wohnung nicht nur ein "Aschenbrenner" hängt.
Es lohnte sich, die Ausstellung anzusehen.



LAUDATIO von Bgm. Luis Oberer
"Werte Ehrengäste, meine Damen und Herren, lieber Rolf!
Die Ausstellung trägt den Titel Wahrnehmungen und Befindlichkeiten. Ich habe heute die ehrenvolle Aufgabe meine Wahrnehmungen über den heutigen Hauptakteur den Außerferner Künstler Professor Rolf Aschenbrenner zum Besten zu geben. Ich hatte bereits das Vergnügen in Kempten die Laudatio halten zu dürfen und als mich Frau Roswitha Ellis gefragt hat ob ich das in Reutte auch mache habe ich gerne zugesagt, weil ich Rolf als Künstler und als Mensch sehr schätze.

Meine Damen und Herren, Rolf Aschenbrenner zählt wohl zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstlern des Außerfern, ja ganz Tirols. Ein außergewöhnlicher Maler aber auch ein außergewöhnlicher Mensch der durch seine menschliche Komponente und seine Bescheidenheit besonders besticht. Er ist nicht nur ein hervorragender Künstler, früher hat er auch ausgeschaut wie ein Künstler, heute hat er einen solchen modernen, gesitteten Haarschnitt, dass er rein äußerlich nicht mehr als Künstler erkennbar ist. (passt da guat).
Obwohl „Zuagroaster“ wie man bei uns sagt, haben ihn die Außerferner längst ins Herz geschlossen und sind stolz auf sein Wirken. Das ist nach wie vor ein besonderes Privileg ja sogar Auszeichnung, das ist ja bisher nur wenigen gelungen, z.B. dem Bürgermeister mit steirischen Wurzeln im „Tirolerischen“ Reutte.

Rolf Aschenbrenner, bei uns liebevoll „Aschi“ genannt ist im wahrsten Sinne des Wortes eine einzigartige Erscheinung mit hohen Steherqualitäten. Seine Biografie liest sich wie eine unglaubliche Geschichte. Er wurde als 7 Monatskind mit nur 920 Gramm und Milchallergie geboren, wurde gleich zweimal schwer vom Blitz getroffen, hat erfolgreich zweimal den Krebs überwunden und einmal eine Knollenblätterpilzvergiftung überlebt.

Rolf wurde als jüngstes von 5 Kindern mitten in den Kriegswirren in Prag 1942 geboren. Weil seine Eltern die Juden unterstützt hatten ist die Familie Aschenbrenner über England schließlich in der tiefsten oberösterreichischen Provinz in Hinterstoder gelandet.

Mit Sieben hatte er verbotener Weise vom falschen Pilz genascht. Glück gehabt und überlebt. Später hat er dann alles über die Pilze gelernt und ist zu einem wahren Experten geworden. Jetzt ziehen ihn manchmal sogar Ärzte bei, wenn es um Pilzvergiftungen bei Menschen geht.

Mit 12 starb seine Mutter, der Vater heirate gleich wieder danach. Die Erziehungsmethoden seiner neuen Mutter empfand er als tyrannisch. Zu dieser Zeit bekam er eine schwere Lungenentzündung und kämpfte ums Überleben.
Die Einstellung, dass sich Aushalten lohnt hat er aus seiner Kindheit mit in sein weiteres Leben genommen und das hat ihm enorme Kraft gegeben. Schon damals hatte er sich innerlich der Kunst verschrieben. Eine Schule oder Ausbildung in diese Richtung kam jedoch nicht in Frage. Man nötigte ihn, wie er es selbst formuliert, zu einer Lehre als Konditor. Dann gab es bereits den nächsten Tiefschlag. Es wurde bei ihm Leukämie prognostiziert. Seine Heilungschancen wurden damals mit nahezu Null angegeben, aber der junge „Aschi“ hat auch dieses schwierige Problem positiv gemeistert.

Mit einem kaufmännischen Abschluss in der Tasche und einigen Jahren Berufserfahrung ist er dann auf und davon und suchte sein Glück in der Stadt Linz. Er schrieb sich in die dortige Kunstschule ein und wurde auch aufgenommen. Als Schüler der Meisterklasse für Malerei hat er seinen eigenen Stil entwickelt. Aschi’s Bilder haben heute einen hohen Wiedererkennungswert. Meist hatte er wenig zu essen und geschlafen hat er 5 Jahre lang im Obdachlosenheim. Neben dem Studium konnte er hin und wieder im Landestheater beim Erstellen von Bühnenbildern mitarbeiten und lernte da seine Frau Helga kennen mit der er 3 Kinder hatte. Sie lebten in sehr bescheidenen Verhältnissen, gewollt und nicht bedauert, auf einem ärmlichen Bauernhof mit „Plumpsklo“.

1972 übersiedelte die Familie Aschenbrenner nach Reutte und Rolf wurde Kunsterzieher am Gymnasium. Den Kindern Kunstverständnis beizubringen empfand er zwar als schöne aber auch als anstrengende Arbeit. Als gutmütiger Kerl war er natürlich auch immer wieder ein gefundenes Fressen für die pubertierenden Gymnasiasten und ihren ausgefallenen Ideen.
Mit Humor und Duldsamkeit hat er wenigstens, dem einen oder anderen im Ansatz beibringen können wie z.B. ein Mensch, eine Kuh oder eine Landschaft dargestellt werden kann.

Mit seiner Familie hatte sein Herz eine Heimat gefunden, aber seine Seele gehört bis heute der Kunst. Mitten in seinem Schaffen traf ihn im wahrsten Sinne des Wortes zum ersten Mal der Blitz.

Mit einem Messer in der Tasche beim Schwammerl suchen hat ihn der Blitzschlag erwischt. Da sieht man’s wieder auch Schwammerl suchen kann gefährlich sein. Sämtliche Metallteile an der Kleidung waren geschmolzen, Kleidung und Schuhe waren praktisch Staub, er erlitt schwerste Verbrennungen und innere Organe wurden geschädigt. Jahre später hat mitten in Reutte der Blitz vor der St. Annakirche das zweite Mal zugeschlagen. Seit dieser Zeit häufen sich die Anfragen bei Rolf ob er nicht als Blitzableiter fungieren könnte. Rolf Aschenbrenner kann mit Fug und Recht als kleines medizinisches Wunder bezeichnet werden. Denn zu guter Letzt hat er auch noch einen als unheilbar eingestuften Blasenkrebs erfolgreich überwinden können.

Während dieser Zeit ist seine Frau, die selbst auch künstlerisch tätig war, ausgelöst durch mehrere Schlaganfälle schwer an Demenz erkrankt. Rolf hat sie liebevoll gepflegt, 5 Jahre lang keine einzige Nacht durchgeschlafen und zwangläufig eine künstlerische Pause eingelegt. Jetzt 2 Jahre nach dem Tod von Helga malt unser Professor wieder. Jetzt ist er wieder bereit für eine neue Epoche. Einige Bilder dieser Ausstellung sind bereits seinem Neuen Gedankengut entstanden. Das Bild „Neuzeit“ zeigt einen Blick in seine künstlerische Zukunft.

Der Mensch ist sein Thema. Körperlichkeiten, der Mensch in Bewegung, der Mensch in seiner Realität und Vergänglichkeit tauchen immer wieder als Themen in seinen Bildern auf. Seine Arbeiten werden immer verdichteter . Von „ihr könnt mich mal alle“ bis hin „ich bin ein soziales Wesen, ich brauch euch doch“. Selbstzweifel, Ausdauer, Scheitern aber auch Hochgefühle, Arbeitsexzesse und Malkrisen säumen Rolfs Weg.
Beim Arbeiten, so scheint es, taucht Rolf in eine Parallelwelt ein, die er uns rätselhaft und in Fragmenten zeigt und ahnen lässt. Nicht unser Verstand lässt uns diese Abstraktheit als Ganzes erfassen, ausschließlich über unser Gefühl ist dies möglich. Diese Worte stammen nicht von mir sondern von der bereits viel zu früh verstorbenen Künstlerin Tamara O’Byrne, ausgesprochen bei der Retrospektive anlässlich seines 70. Geburtstages in der Dengelgalerie in Reutte. Wie Aschi bestätigt hat, hat sie mit ihrer Beschreibung den Künstler Rolf Aschenbrenner ziemlich genau getroffen.

Ich selber schätze Rolf als Mensch sehr, bewundere seine Bescheidenheit und seinen unbändigen Lebenswillen, liebe seinen besonderen Humor der nicht nur lustig sondern zumeist auch tiefgründig ist. Als Künstler verehre ich ihn und freue mich jeden Tag über die Kunstwerke die ich von ihm bei mir zu Hause hängen habe. (Besonders das „Aktbild“ das ich zuletzt in Kempten erworben habe).

Beim Betrachten der Bilder finde ich immer wieder auch neue Ansätze die mich überraschen. Rolf Aschenbrenner hat in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland viele Menschen mit seiner Kunst erfreut und aufgerüttelt. In unserem Bezirk hat er viele sichtbare Spuren hinterlassen. Neben seinen Bildern, sind die Fassadengestaltung des Glocke-Hauses sowie die Ausgestaltung des Ehrwalder Schwimmbades besonders markant. Sein Gewölbeklang in der Dengelgalerie bei der Musik von John Cage, bleibt, nachdem übermalt der Nachwelt auf jeden Fall konserviert erhalten.

Meine Damen und Herren die Kunst hat die Aufgabe zu polarisieren, mit dem Finger zu zeigen, sie darf ruhig übertreiben, es ist aber auch nicht verboten wenn sie harmonisch und ansprechend schön ist. In den Bildern von Rolf Aschenbrenner finden wir all diese Punkte wieder.

In diesem Sinne genießen sie die Kunstwerke eines außergewöhnlichen Künstlers mit der unglaublichen Lebensenergie und betrachten sie die Bilder insbesondere mit ihrem Herzen. Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit und dir Rolf wünsche ich für deinen weiteren Lebensweg alles Gute und viele Blitzlichter anstelle Blitzgewitter. Vielen Dank!"
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