23.10.2017, 13:16 Uhr

Hart am Limit

Herbert Buchegger und Doris Lewisch berichten über ihre Reise von Patagonien bis Alaska.

LECHASCHAU. Nachdem es uns nach vielen Reisen in den Orient und Afrika zu gefährlich wurde, und in Libyen beschossen wurde suchten wir nach einer Tour die politisch etwas Ruhe versprach. Die Panamericana war schon immer unser Traum.
Dank Transporte ZOBL die mich 4 Monate freistellte ging es los. Ushuaia - Prudhoe Bay vom südlich. Punkt Argentiniens bis zum nördlich. Punkt Alaskas. Das Motorrad wurde per Flugfracht nach Santiago de Chile transportiert. Es sollte die härteste fahrt in meinem Leben werden.
Start war April mit beginnendem Winter in Patagonien. Von Santiago bis Ushuaia auf der Routa 40 und zurück waren es 7000 Km in denen ich erbärmlich fror. Jeden Morgen start bei 0 Grad und höchsttemperatur von 7 Grad, der eisige Wind und Regen verstärkte die Kälte noch.
Kein Asphalt unter den Rädern machte es zum Kampffahren. Der erste Platten folgte sogleich. In Ushuaia angekommen war es der erste Etappensieg bei vorausgesagtem Schneefall, ging es nur mehr nordwärts 30 000 Km bis Alaska. Am Morgen lief die Harley nicht mehr....
....Benzin wurde mit Wasser gestreckt. Dann passierte das was man immer versucht zu vermeiden die Harley geriet bei strömendem Regen komplett außer Kontrolle erst nach 100 Metern konnte ich sie zum Stillstand bringen.Der Schock saß tief den schon hier wäre meine Reise zu Ende gewesen. Auch der PKW Fahrer vor mir der dann am Dach lag konnte die Welt nicht verstehn, die Straße war komplett mit Bitumen präpariert, so war es glatt wie Eis.
Tausende Kilometer Wüste und angenehme temperaturen war ein super feeling, nur die extrem weit auseinanderliegenden Tankstellen bis 400 Km machten es immer wieder spannend.
San Pedro di Atacama: Ausgangspunkt ins Altiplano auf 4300 m war eines der Highlights. Zur Grenze nach Bolivien ging es auf 4700m, die Dünne Luft machte mir ordentlich zu schaffen. Da war auch der Leistungsverlust am Bike und die 80 Oktan zu erklären. In La Paz holte ich dann Doris am Flughafen ab, die dann die nächsten 5 Wochen dabei war. Die Floßfahrt über den Titicacasee war abenteuerlich. Mit 5 Personen konnten wir die Harley aus dem Floß bringen. Es zog uns dann ans Meer in Peru wo die temperaturen wärmer waren. Das satte grün der Bananenplantagen in Ecuador, größer konnte der Kontrast zur Wüste nicht sein.
Mit gemischten Gefühlen reisten wir in Kolumbien ein, was würde uns dort erwarten? Doris hatte einen Virus erwischt der 11 Tage anhalten sollte.
Mit 39 Grad Fieber war sie ordentlich geschwächt um jeden tag auf dem Bike zu sitzen. Da durch Extremisten immer noch mit Überfällen zu rechnen war, wurden die Straßen vom Militär kontrolliert, Daumen nach oben hieß das die nächsten 50 Km frei von Extremisten waren. Da Kolumbien sehr bergig war und die Dunkelheit früh herein brach, fühlten wir uns nicht wirklich sicher, entführungen kamen immer wieder vor. Un Serveza - unser einziges Spanisch machte es schwierig einen Flugtransport fürs Bike von Bogota nach Panama zu Organisieren.
Zwischen Kolumbien und Panama ist der Darian Gap ein Dschungel von 200 km wo es keine Straße gibt. Den Panamakanal gab es natürlich zu besichtigen.
In Mittelamerika erwartete uns jetzt 35 Grad und 90% Luftfeuchtigkeit. Vor Honduras, Nicaragua, El Salvdor und Guatemala wurden wir schon gewarnt, uns am Abend nicht auf der Straße aufzuhalten jeden Tag werden hier Leute erschossen. Am Atitlansee in Guatemala war gerade ein Terroranschlag das haben wir dann gestrichen. So ging es dann in Mexico an die Mayastätte Palenque , weiter an die Karibik nach Cancun, wo wir 2 Tage Pause machten und Doris heimflog. Die 10 000 Km nach Alaska sollten mir noch alles abverlangen. Nachdem der US-Zoll die Stempel von Kolumbien gesehen hatte war ich mit allerhand Fragen und durchsuchungen konfrontiert. Jetzt dachte ich mir, wird es leichter in den USA, doch weit gefehlt. Eine Hitzewelle von Arizona bis Montana machte mir zu schaffen. In Phoenix hatte es 49 Grad das war wie heißer Fön. Der relaxte Grenzübergang nach Kanada und die angenehmen temperaturen machten Lust aufs Motorrad fahren.
Der Alaska Highway empfing mich mit strömenden Regen. Ab Fort Nelson hatte ich dann Sonne bis in den hohen Norden. Am Kluane lake schlug ich das Zelt auf, obwohl mir der Ranger abgeraten hatte hier zu zelten, die Population der Grizzlys war hier am höchsten. Ich kochte noch abends doch spät in der Nacht hörte ich laute Geräusche am Zelt.....das waren sicher keine Eichhörnchen! Besuche von Bären nach Mitternacht habe ich wirklich nicht gerne. Man trifft immer wieder auf Bären, Bisons und Karibus. In Fairbanks wurde der Reservekanister aufgefüllt denn es waren nicht asphaltierte 800 Km bis Prudhoe Bay, mit nur einer Tankstelle in Coldfoot.
Der Dalton Highway ist eine Versorgungsstrasse nach Prudhoe Bay am Eismeer wo das geförderte Öl per Pipeline nach Valdez transportiert wird. Der Dalton Highway wird noch als letztes Abenteuer Nordamerikas bezeichnet. Selbst einheimische erklärten mich für völlig verrückt mit einer Harley die Strecke zu befahren.
Der Atlin Pass höchster Pass Alaskas ist die Wetterscheide. Jetzt wurde es wirklich ernst, mehr surfend als fahrend quälte ich das Bike im 2ten Gang durch den Morast. Bei jedem stopp in der Tundra tausende Moskitos, meine Handgelenke waren völlig fertig. 9 Stunden für 400 kilometer, da war ich am Limit. Mein Ziel Prudhoe Bay war endlich erreicht. Mit dem Siegerbier wurde es nichts, im ganzen Ölfeld herrscht striktes Alkoholverbot.
Bei Nebel und Regen ging es am nächsten Tag zurück, 4000 km lagen noch vor mir bis Calgary.
Der Flug nach Frankfurt mit dem Bike war schon gebucht, es durfte nichts mehr passieren. Nach 100 tagen und 35 494 Km kam ich ohne Panne in Lechaschau wieder an.
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