Als Utzenaicher in den USA
John Hochhold: "Manchmal denk' ich mir, ich wär' in Österreich mehr zu Hause"

John Hochhold besuchte seinen Namensvetter Hans Peter Hochhold, Bürgermeister von St. Martin.
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RIED. John Hochhold ist 82 Jahre alt und wohnt in New Jersey. Der gebürtige Utzenaicher hat erfahren, dass in seiner ehemaligen Nachbargemeinde St. Martin ein Namensvetter Bürgermeister geworden ist. Da stattete er Hans Peter Hochhold einen Besuch ab. Im Interview mit der BezirksRundschau erzählt John Hochhold von seinem Leben in den USA.

BezirksRundschau: Kommen Sie oft nach Österreich?
Hochhold: Es geht. Das letzte Mal war ich vor drei Jahren hier. Vor einer Woche war ich bei meiner Tochter in Kärnten und jetzt besuche ich meine Schwester in Utzenaich.

Und besuchen den Bürgermeister von St. Martin.
Ja genau. Ich lese in Amerika die österreichischen Zeitungen und da hab ich erfahren, dass ein Namensvetter Bürgermeister geworden ist. Da dachte ich mir, ich muss ihm gratulieren (lacht). Wir sind sogar sehr sehr weitschichtig verwandt.

Sie leben jetzt in den USA. Wie kamen Sie auf die Idee 1956 auszuwandern?
Ich habe keinen Beruf gelernt. Das heißt, mir wäre nur die Option als Hilfsarbeiter geblieben, das wollte ich aber nicht. 1949 kam meine Tante nach Österreich, sie lebte damals schon in den USA, und fragte, ob ich zu ihr ziehen möchte. Ich habe ja gesagt. Ich machte einen Antrag beim Salzburger Konsulat, hab aber sieben Jahre lang nichts mehr gehört. Damals hatte ich schon vergessen, dass ich auswandern wollte.

Aber dann hat sich das Konsulat doch gemeldet?
Ja. Im Frühjahr 1956 erhielt ich einen Brief in dem stand, ich sollte mich beim Konsulat melden. Dort machte ich einen Gesundheitstest und musste danach noch zwei Mal hin. Letzten Endes erhielt ich meine Papiere und konnte in die USA auswandern. Da war ich 19,5 Jahre alt.

Wie kamen Sie nach Übersee?
Da ich kein Geld hatte, bezahlte meine Tante die Reise. Ich fuhr nach Hamburg, stieg in die MS Italia und reiste elf Tage mit dem Schiff über das Meer. Ich habe jeden Tag gebrochen, das war nicht so schön. Im Hafen von New York erwarteten mich meine Tante und mein Onkel.

In den USA angekommen, wie ging es weiter?
Ich wohnte bei meiner Tante in New Jersey. Wir gingen zum Arbeitsamt, ich konnte kein Wort Englisch, und die Dame dort vermittelte mich an eine Hühnerfarm. Ich hatte 1.500 Hühner zu betreuen. Das hat vielleicht gestunken. Die Leute im Bus haben mich immer blöd angesehen, weil ich so nach Huhn gestunken habe (lacht). Ich war nicht lange dort, sechs Monate. Ich ging allein aufs Arbeitsamt, dort war eine Dame, die ein bisschen Deutsch gesprochen hat. Sie gab mir einen Job, bei dem ich Deutsche Juden kennenlernte. Sie boten mir eine Arbeit in ihrer Papierverarbeitungsfabrik an.

Und dort haben Sie dann gearbeitet?
Ja. Ich war längere Zeit dort. Nebenbei ging ich vier Tage in der Woche in die Abendschule um Englisch zu lernen. Dann arbeitete ich in einer Fensterfabrik, einer Möbelfabrik und einer Zustellfirma. Danach wurde ich ins Militär einberufen. 1960 war das. Ich war vier Monate lang in Georgia stationiert bevor ich nach Deutschland verschifft wurde. Nach Schweinfurt genauer gesagt. Dort gab ich den Soldaten und Offizieren Deutschunterricht. Das hat mir viel Spaß gemacht. Gegen Ende der Militärzeit lernte ich einer Frau aus Kärnten kennen und ließ mich entlassen.

Nahmen Sie sie mit nach New Jersey?

Zuerst heirateten wir in Kärnten, dann reisten wir wieder in die USA. Wir haben eine gemeinsame Tochter. Leider ging die Ehe nach ein paar Jahren auseinander und meine Frau ging wieder nach Österreich.

Wie ging es danach weiter?
Ich lernte Installateur und war bei ein paar Firmen angestellt. Danach trat ich der Gewerkschaft bei und arbeitete 13 Jahre lang in Schulen und Universitäten bis es mir zu langweilig wurde. Ich wechselte zu einer Firma, die mehrere Tausend Angestellte hat. Die machen Bremsen für Autos, Teile für Flugzeuge und noch viele andere Sachen. Ich machte die Meisterprüfung und blieb der Firma 22 Jahre lang treu.

Nun sind Sie im Ruhestand und reisen viel?
Genau. 1974 hab ich wieder geheiratet. Meine Frau kommt aus Peru und daher sind wir öfter dort. Dieses Land ist so abwechslungsreich, ich mag das sehr. Ich hab in meinem Leben schon sehr viel gesehen und bin auch viel gereist. Nun passen wir meistens auf unsere zwei Enkel auf. Wir haben einen Sohn, er ist Arzt. Er und seine Frau leben in Philadelphia.

Noch eine Frage zum Schluss: Würden Sie das gleiche nochmal tun?
Manchmal denke ich mir, hier in Österreich wäre ich mehr zu Hause. Vielleicht hätte ich doch was passendes gefunden. Als Ausländer hat man immer noch das Gefühl, dass man Ausländer ist. Auch nach so langer Zeit. Aber inzwischen haben mich die Amerikaner gut angenommen und ich fühle mich wohl.

John Hochhold besuchte seinen Namensvetter Hans Peter Hochhold, Bürgermeister von St. Martin.
Autor:

Lisa Schiefer aus Ried

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