04.09.2014, 17:20 Uhr

Bortenschlager: "Sind auf dem besten Weg"

Geschäftsführer Jürgen Haas, Eigentümerin Karin Bortenschlager, Holzbau-Bauleiter Wolfgang Zappe, Eigentümer Herbert Schöberl.

Neustrukturierung geht voran, Auftragslage ist gut: Bortenschlager blickt optimistisch in die Zukunft.

HOHENZELL (lenz). Am 7. August wurde am Landesgericht Ried ein Sanierungsverfahren über die Bortenschlager Bau GmbH aus Hohenzell eröffnet. In einer Pressekonferenz heute, 4. September, stellte die Führungsriege des Innviertler Traditionsunternehmens klar: "Wir sind am besten Weg, die schwierigen Zeiten zu überwinden. Es geht weiter." Nach der Schließung des Bereichs Hochbau Vertrag – 15 Mitarbeiter schieden aus dem Unternehmen aus – konzentriere man sich nun verstärkt auf die Bereiche Hochbau Regie, Holzbau und Wintergartenbau. Sämtliche bestehenden Baustellen im Gewerbebau werden fertiggestellt, einen Baustopp habe es nie gegeben. Für die drei verbleibenden Bereiche wurden bereits neue Aufträge angenommen. Eine erfreuliche Entwicklung für die Geschäftsführung, wie auch für die Mitarbeiter. Mindestens 75 Arbeitsplätze sollen gesichert werden, allen voran die 14 Lehrplätze. "Wenn das Sanierungsverfahren positiv abgeschlossen ist – da sind wir sehr guter Dinge – werden wir gestärkt daraus hervorgehen und, so Gott will, für die nächsten hundert Jahre ein starker regionaler Partner in Sachen Hausbau sein", ist Geschäftsführer Jürgen Haas überzeugt.

Umsatzziel: 8,5 Millionen Euro
Ein unabhängiger Sachverständiger habe den eingereichten Sanierungsplan abgesegnet und ein sehr positives Zeugnis ausgestellt. Die Finanzierung des laufenden wie auch des künftigen Geschäftes sei gesichert. Einen zuverlässigen Partner habe man in der Sparkasse Ried-Haag gefunden. "Angesichts der derzeitigen schwierigen Situation in der Baubranche kein leichtes Unterfangen", weiß Haas. Die Umsatzplanung für das nächste Jahr ziele mit 8,5 Millionen Euro nicht auf große Zuwächse ab. "Ein Sanierungsverfahren ist natürlich ein Dämpfer. Am Ende des Tages geht es aber darum, möglichst viele Arbeitsplätze zu sichern – das ist unsere Aufgabe für die Region", betont Haas. Dennoch sei man mit der Auslastung zufrieden. "Im Holzbau ist die Auftragslage sehr gut, hier haben wir den Plan schon erreicht. In den anderen Bereichen sind wir im Plan."

Treue Lieferanten und Mitarbeiter
Erfreut zeigte sich Inhaberin und Gesellschafterin Karin Bortenschlager von der Reaktion der Lieferanten. "Sie haben uns unterstützt, beliefern uns fast alle weiter. Mit vielen arbeiten wir schon Jahrzehnte bestens zusammen – das haben sie uns gedankt." Aber nicht nur die Lieferanten, auch fast alle Mitarbeiter blieben. "Das Stammpersonal bleibt. Treue Mitarbeiter sind in diesen Zeiten das Um und Auf." Die Stimmung in der Belegschaft sei gut, das Zusammengehörigkeitsgefühl gestärkt. Das die Kündigungswelle aber auch Einzelschicksale forderte, wird nicht beschönigt. "Es macht natürlich keinen Spaß, Mitarbeiter zu kündigen, die schon jahrzehntelang für das Unternehmen gearbeitet haben", sagt Haas. Um die rund 75 Stellen zu erhalten, habe man aber einige Bereiche abbauen müssen.

Kritik: "Geiz ist geil"
Dass der Konkurrenzkampf vor allem im gewerblichen und öffentlichen Bau kein Honigschlecken ist, ist kein Geheimnis. Für Haas mit ein Grund sind fehlende Investitionen von öffentlicher Hand. "Früher beteiligten sich vielleicht vier Firmen an einer Ausschreibung. Für einen Neubau im Bezirk Ried boten kürzlich 26 Unternehmen an. Das zeigt, wie hart umkämpft die Aufträge sind. Die Preise sind dabei oft nicht mehr nachvollziehbar – es geht nur mehr darum, wer den längeren Atem hat." Vor allem das häufig angewendete Billigstbieter-Prinzip erschwere seriösen Betrieben das Überleben. "Manche bieten zehn Prozent unter Herstellkosten an, holen das Geld über Nachträge wieder rein und sind schlussendlich teurer", weiß Inhaber und Gesellschaft Herbert Schöberl. Das ebenso zulässige Bestbieter-Prinzip, das neben dem Preis auch Kriterien wie Qualität oder Anzahl der Lehrplätze zulässt, finde oft keine Anwendung.
Aber auch im privaten Hausbau falle die Entscheidung für eine Baufirma oft nach dem Motto "Geiz ist geil". Haas appelliert: "Gerade hier sollte aber auf Qualität geachtet werden. Unsere Reklamationsstruktur zeigt, dass wir gute Qualität bieten. Wir sind nicht die billigsten, bieten dafür aber alles aus einer Hand."
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