Haslach
Nicht mehr wegzudenken: Das Textile Zentrum belebt den Ort

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Seit 2012 ist das Textile Zentrum Lern- und Begegnungsort zugleich und belebt die Gemeinde Haslach.

HASLACH (anh). "Die besondere Beziehung, die wir zu allem Textilen haben, wollen wir weiter pflegen und vertiefen", sagt Dominik Reisinger. Damit bezieht sich der Bürgermeister von Haslach auf das Textile Zentrum. Dieses wurde 2012 in den ehemaligen Gebäuden der renommierten Textilfabrik VonWiller aus der Taufe gehoben. Genau dort also, wo bereits früher die Webstühle knarrten und die Fäden durch die Finger glitten, wird auch heute wieder gewebt, gefilzt und genäht. Und das mit großer Begeisterung. "Ich bin von der Sinnhaftigkeit des Netzwerkes überzeugt. Heutzutage werden virtuelle Begegnungen immer mehr, umso wichtiger sind daher aber auch Orte, an denen echter Austausch möglich ist. Das schaffen wir – durch Textiles", sagt Christina Leitner, wissenschaftliche Leiterin. Die fünf Partnerbetriebe bieten Kurse, Workshops oder Führungen an, produzieren und vermitteln Wissen. So trifft man oft Professoren und Studenten der Kunstuni Linz oder der Kunsthochschule Giebichenstein im Haus an. Denn: Mit beiden Einrichtungen bestehen Kooperationen für Studiengänge. Diese Gäste beleben wiederum den Ort. "Früher waren es die Händler aus Deutschland oder Böhmen, die zur Entwicklung beigetragen haben, danach die VonWillers. Jetzt sind es Besucher aus aller Welt", sagt die Expertin.

Werke aus einem Bergdorf

Und für diese Gäste ist man stets auf Verbesserungen bedacht: So wurden im letzten Jahr Vorplatz und Parkplatz umgebaut, ein neuer Eingang ist entstanden. Ein zusätzlicher Büroraum wurde geschaffen, genauso wie Platz für Kursräume. Dort ziehen bald neue Gerätschaften ein, wie Leitner verrät: "Weil die HTL Spengergasse in Wien ihren textilen Ausbildungsschwerpunkt nicht mehr weiterführt, haben wir viel Material geerbt." Auch eine Linzer HBLA vermachte dem Zentrum Webstühle und Equipment genauso wie Susanne Heindl, eine der Gründerinnen des Vereins "Textile Kultur". Eine Tufting-Anlage des deutschen Textildesigners Rolf Brenner zur Herstellung von Floor-Teppichen kommt ebenfalls in den Weberort. Zudem landen Stücke der Sammlung von Marianne Flügel im Archiv, die sich mit Flechttechniken auseinandergesetzt hat, und Mustersammlungen von Christa Häusler Goltz, die für die Autoindustrie designt wurden. Für einen ganz speziellen Auftrag reiste man in die Schweiz: "Dort löste Mäti Müller ihr Webatelier auf." Dieses befand sich im malerischen 7-Seelen-Bergdorf Landarenca, das nur per Seilbahn oder zu Fuß erreichbar ist. Die Stücke wurden daher kurzerhand in eine Gondel verfrachtet und baumelten hoch über den Wipfeln bis hinunter ins Tal.

Schneiderinnen gesucht

Seit einem Jahr gibt es im Zierlingerhaus auch eine Nähwerkstatt. "So etwas war längst überfällig, sie ist sehr gut gelaufen", berichtet Leitner, "leider fehlen uns gerade zwei Schneiderinnen. Wir sind auf der Suche." Mit der Unterstützung von Profis kann man dort an eigenen Projekten arbeiten. Es wurden aber auch neue Kleidungs-Prototypen zusammen mit einem Wiener Modelabel kreiert. Bürgermeister Reisinger sagt: "Das Textile Zentrum ist eine der wichtigsten Kultureinrichtungen und ein unverzichtbarer Entwicklungsmotor. Dort wird nicht nur unsere Geschichte erzählt, sondern auch der Blick in die Zukunft der Textilszene ermöglicht – und das alles auf höchstem Niveau."

Sommersymposium und internationale Konferenz

Besonders im Juli strömen internationale Gäste nach Haslach: Vom 15. bis 31. Juli findet das Sommersymposium statt. Es beginnt mit zwei Kurswochen und endet mit dem Webermarkt vom 26. bis 28. Juli. Danach geht von 28. bis 31. Juli die ETN-Konferenz über die Bühne. Das "European Textile Network" wurde 1989 zur Zeit des Falles des Eisernen Vorhangs gegründet. "Grenzen sollen damit aufgehoben und Begegnungen durch textile Kunst und Kultur ermöglicht werden", berichtet Leitner, "sehr viel geht da eben über das gemeinsame Tun." Das Motto des Sommersymposiums und der Konferenz lautet – in Anlehnung an die Landesgartenschau – „Garden of Eden“. Ausstellungen an mehreren Orten machen die gesamte Region als großen „Garten Eden“ erlebbar. Sie befinden sich alle entlang der Strecke der Mühlkreisbahn. Höhepunkt ist eine Ausstellung auf Schloss Neuhaus, die am 17. Juli eröffnet wird. 450 Einreichungen gab es hierfür, 80 Arbeiten aus 34 Nationen wurden schließlich ausgewählt.

Zur Sache

• 1999 musste in Haslach die einst weltberühmte Textilfabrik VonWiller schließen. Die Gemeinde kaufte den Komplex und verwandelte ihn in ein Kultur- und Dienstleistungszentrum.
• Seit 2012 befindet sich darin auch das Textile Zentrum. Es ist eine Kooperation von fünf Partnern: Webereimuseum, Manufaktur Haslach (Verarbeitung von Wolle), Verein Textile Kultur (zur Förderung textiler Kultur durch Workshops, Werkstätten und Sonderausstellungen), Shuttle-Lehrgang (einjähriger Lehrgang und Fortbildungsseminare im Bereich Weberei zusammen mit der Kunstuni Linz) und Weberie (kleinserielle Entwicklung von Geweben und Konzepten).
• 2017 wurde das Textile Zentrum ins „UNESCO-Register guter Praxisbeispiele für die Erhaltung des immateriellen Kulturerbes“ aufgenommen.
• Mehr Infos: http://textiles-zentrum-haslach.at

Autor:

Annika Höller aus Rohrbach

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