Rudolfsheim-Fünfhaus
"Kino Handl" auf der Mahü bald in Schutt und Asche
- Das Kino Handl soll schon bald abgerissen werden.
- Foto: Georg Scherer / wienschauen.at
- hochgeladen von Patricia Hillinger
Ein letztes Mal Vorhang auf: Das "Kino Handl" auf der Äußeren Mariahilfer Straße wird in Erinnerungen weiterleben. Es steht kurz vor dem Abriss.
WIEN/RUDOLFSHEIM-FÜNFHAUS. An der Mariahilfer Straße 160 steht das hellblaue Kinogebäude, gegründet von der Kinopionierin Irma Handl. Anfang des 20. Jahrhunderts zählte sie zu den wenigen Frauen, die ein Kino nicht nur geleitet sondern selbst erbaut hatte. Was als „Erstes Wiener Kinematographentheater“ begann, entwickelte sich über Jahrzehnte zu einem kulturellen Treffpunkt für den 15. Bezirk.
Da das Gebäude bald abgerissen wird, möchte ein kleines Team von Kunstschaffenden, Designerinnen und Historikern das Kino nicht einfach verschwinden lassen. Friedrich Engl und seine Projektpartnerin Luka Šola sind Teil davon und wandten sich an MeinBezirk: „Wir möchten der Bevölkerung die Gelegenheit bieten, um sich zu verabschieden."
Erinnerungen gesucht
Mit einem öffentlichen Aufruf suchen sie derzeit nach persönlichen Erinnerungen, alten Kinokarten, Fotos oder Erzählungen. Ziel ist es, die Geschichte des Hauses in einer künstlerischen Aktion im öffentlichen Raum sichtbar zu machen. Auch das Bezirksmuseum unterstützt die Initiative. Wer das "Kino Handl" noch erlebt hat oder Erinnerungsstücke besitzt, ist somit herzlich eingeladen, sich zu beteiligen.
- Das Kino Handl hatte bis in die 70er geöffnet.
- Foto: Filmarchiv Austria
- hochgeladen von Patricia Hillinger
Einsendungen werden bis voraussichtlich Samstag, 31. Mai, entgegengenommen. Am besten via E-Mail an baba.handlkino@gmail.com oder per Post an das Bezirksmuseum Rudolfsheim-Fünfhaus, Kennwort: „Baba, Handl-Kino“. Die Erinnerungen können auch persönlich im Museum übergeben werden, hieß es von Museumsleiterin Brigitte Neichl, die den Verlust dieses signifikanten Hauses ebenso bedauert.
Gedenktafel wird errichtet
Das "Handl-Kino" war nicht nur ein Ort des Films, sondern auch ein Beispiel weiblicher Selbstbestimmung in einer männlich dominierten Branche. Noch bis in die 1970er-Jahre wurde das Kino von Frauen geführt. Von 1908 bis 1976 war das Kino eine feste Größe im 15. Bezirk. Anfangs mit nur 160 Sitzen ausgestattet, wurde es laufend erweitert. 1934 konnten bereits 700 Gäste Filme im prachtvoll gestalteten Saal genießen. Der letzte Film, der hier über die Leinwand flimmerte, war 1976 „Sunny Boys“ mit Walter Matthau und George Burns.
Im derzeitigen Besitz des Gebäudes ist die Immobilienfirma BIP, die bestätigte, dass der Abriss im Inneren des Hauses bereits gestartet hat. In wenigen Wochen wird er abgeschlossen sein. Sobald alle Genehmigungen eingeholt sind, soll an dieser Stelle ein Wohnbau errichtet werden. Vera Biedermann, Vorsitzende des Bauausschusses (SPÖ), versicherte vorab gegenüber MeinBezirk: "In würdiger Erinnerung an die Besitzerin des Handl-Kinos, Irma Handl, wird eine Gedenktafel am Neubau installiert werden."
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